Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 25.1907

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einfache Tür. In beiden Seilenwänden
ist zunächst bei der Ostwand ein größeres
Spitzbogenfenster, zweiteilig mit modernen!
Maßwerk in spätgotischen Formen; weiter
vorn zwei Stichbogenfenster ans dem
17. Jahrhundert. Der Urban scheint aus
dem Ende des 13. Jahrhunderts zu
stammen, der erste Umbau aus der Mitte
des 15. Jahrhunderts.

Unter dem Ostfenster steht ein ge-
mauerter Altaruuterbau. Die Ost wand
wird in der Mitte geteilt durch ein kleines,
nachträglich erweitertes Fenster. Links
von diesem sieht man unten das Wid-
mungsbild: zwei kniende
Gestalten von Stiftern,
deren Stand nicht deut-
lich gekennzeichnet ist, in
Devotion vor der Mut-
tergottes. lieber ihren
Häuptern erscheint das
Modell einer Kapelle,
eigentlich einer Kirche,
die noch nach dem Schema
der romanischen Periode
dargestellt ist. Maria ist
gekrönt und sitzt auf einem
Thron. Sie halt mit der
linken Hand das Christ-
kind, das auf ihrem Schoße
steht. Das Christkind hat
den Kreuz-Nimbus. Vor
ihm kniet einer der heiligen
drei Könige, der einen
Beutel zu halten scheint.

Dieser Figur fehlt der
Kopf; sie ist offenbar auch
in anderen Teilen beim
Dnrchzeichnen der Um-
risse nicht recht herausgekommeu. Hinter ihr
stehen die zwei anderen Könige mit ihren
Oblationsgefäßen. Und dicht hinter diesen
dann zwei heilige Frauen oder Jung-
srane», beide gekrönt und niinbiert. Die
vordere scheint ein Rad auf der linken
Hand zu halten, wäre somit als St. Ka-
tharina von Alexandrien zu benennen.
Diese Figuren waren schlecht erhalten,
was ihre ungenügende Wiedergabe in
unserer Abbildung entschuldigen mag.
Der Bilderstreifen wird rechts ain
Fenster begrenzt durch das großge-
zeichnete Wappen von Gnndelfingen,
Schild und Helm; der Schild in der alter-

tümlichen länglichen Dreieckform, die auf
das 13. Jahrhundert zu weisen scheint.
Rechts vom Fenster erscheint in der Fort-
setzung des Streifens der hl. Georg zu
Roß, nach rechts hin sprengend über den
Drachen, dem der ritterliche Jüngling seine
Lanze in den Rachen stößt. Er ist bar-
häuptig, mit dem Heiligenschein geschmückt.
Zwei Bäume links und rechts deuten die
Landschaft an. Sie sind in der be-
kannten Art der romanischen Malerei ge-
zeichnet als Laubbüschel von rundem
Umriß mit eingezeichneten Blättern. Ein
tnrmartiger Pfeiler trennt dieses Bild
von dem folgenden.

Rechts davon der hl.
Alartinns, ebenfalls zu
Pferd, wie er für den
hinter ihm kriechenden
Bettler seinen Mantel mit
dem Schwert zerschneidet.
Wie gewöhnlich auf den
mittelalterlichen Darstel-
lungen dieses Gegenstands
ist das Pferd weiterschrei-
tend gedacht und wendet
sich der Heilige mit dem
Oberkörper rückwärts.

Die Figur eines Bi-
s ch o fs mit Nimbus, wohl
eben des hl. Martinus,
die im anstoßenden Ab-
schnitt der Südwand ge-
malt ist, scheint noch zu
dem vorigen Bild zu ge-
hören, das demnach um

die Ecke weitergeht. Ein
Manerpfeiler trennt so-

dann die Bischofsfigur
von der nächstfolgenden, dem hl. Michael
mit der Seeleinvage. Der Erzengel kann
hier seinen Platz gefunden haben als

Patron oder als versprengtes Glied von
der Darstellung des Weltgerichts, die

sich an der Südwand gegen Westen, jen-
seits eines Fensters, anschließt.

In einem oberen Streifen der Ost-
wand sind nenn Apostel in ganzer
Figur dargestellt in architektonischer Um-
rahmung. Türme von verschiedener Ge-
stalt trennen die einzelnen Gestalten. Als
Hintergrund dienen den Figuren giebel-
förmig abgedeckte Tafeln, die mit einem
Streifen eingerahmt sind. Man erkennt an
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