Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 25.1907

Seite: 15
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welchen der Inhalt der Malerei und
Plastik und ihr religiöses Ideal floß.

Auch in der Kunstgeschichte unserer
engeren Heimat ist noch vieles zu tun:
Die in früheren Jahrgängen vorgeschlagene
Behandlung wertvoller Metallarbeiten in
unserer Diözese (nach Dekanaten znsammen-
genomnien) wurde zwar in Angriff ge-
nommen, harrt aber noch der Fortsetzung
und Vollendung. — Mehr zusammen-
fassende Darstellungen über die schwäbi-
schen Bauten, Wandmalereien, Maler-
schnlen unter Berücksichtigung der neueren
Forschungsergebnisse: Danebenher die Sta-
tistik der kirchlichen Neubauten und Re-
staurationen I, Besprechungen praktischer
Fragen ans den theoretischen Prinzipien
heraus, sachgemäße Beurteilungen von ar-
tistischen und literarischen Neuerscheinungen
aus den verschiedenen Gebieten der Kunst
und ihrer Geschichte, das ist es, „was
wir sollen und wollen".

Es bedarf wohl kaum einer ausdrück-
lichen Versicherung, daß wir dabei stets
uns von dem in unserem Programm aus-
gesprochenen Grundsatz leiten lassen wer-
den : „daß solche Besprechungen nie auf das
Niveau der Reklame herabsinken dürfen."

Damit ist auch die Existenzberechtigung
des „Archivs" neben den sonst bestehenden
Kunstzeitschriften gegeben: Einesteils liegt
sie darin, daßSüdwestdentschland, Würt-
temberg, Bayerisch-Schivabe»,Hohenzollern
und Baden, in welchen das „Archiv"
seinen Leserkreis hat, genug der Aufgaben
für eine Kunstzeitschrift bieten, und sodann
darin, das; wir mit unserem Organ im
Unterschied von den übrigen uns ganz
auf christlich-kirchliche Kunst beschränken
und auch hiebei vorab Zwecke praktischer,
belehrender Einführung in die christlich-
kirchliche Kunst, ihre Prinzipienfragen,
ihre Geschichte und ihre stilistischen Ele-
mente verfolgen.

So möge unser Organ seinen Jubi-
läumsgang antreten, sich seine bisherigen
Freunde innerhalb und außerhalb unserer
Diözese erhalten und recht viele neue er-
werbe». Vor allem aber ist notwendig,
worum wir dringend bitten: daß ein
1 ü ch t i g e r K reis v o n M i t a r b e i t e r n

i) Zu bicjcnt Programmpnnkt vgl. „Archiv
für christliche Kunst" I (1883), ■ 8.

sich in heu Dienst der idealen
Sache stelle, die wir vertreten, daß
die bisherigen Bkitarbeiter au ch
in Zukunft treu und tatkräftig
Mitwirken, um der Belehrung im In-
teresse der künstlerischen Zierde und Ehre
des Hauses Gottes z>l dienen. Nicht
minder aber wird notwendig sein für den
gesichelten Fortbestand unseres Organs, daß
die bisherige n A b o n n e n t e n u n s
treu bleiben und neue dazu ge-
wonnen werden.

Historienmaler Bernhard v. Bleher,

geb. iit Biberach 16. Januar 1806,

gest. iit Stuttgart 17. Januar 1886.

Bon Stadtpfarrer Brinziuger iu Oberndorf a.N.

Am 17. Januar waren es 21 Jahre,
daß Bernhard v. Neher aus dem Leben
schied, einer der letzten Jünger des Groß-
meisters Peter v. Cornelius, ein glänzender
Stern am Himmel christlicher Kunst für
Württemberg, mit seinem Landsmann
Hofmaler Anton v. Gegenbanr (vgl.
„Archiv für christliche Kunst" 1887 Nr. 5
und 6) zugleich ein Vertreter jener Stil-
richtung, welche das klassische und roman-
tische Ideal mit einander z>l verschmelzen
strebte. 40 Jahre lang wirkte er segens-
reich in Stuttgart und voriges Jahr war
das Zentenarinm seines Geburtstags, wes-
halb es die Redaktion unseres „Archivs"
als eine Ehrenschuld betrachtet, sein Leben
lind seine Werke den Jetztlebenden in
Erinnerung zu bringen. Ans Grund der
Studien von Wintterlin, Aterz, Lübke,
Pecht möchten wir deswegen eine Skizze
geben: 1. seiner Lehrjahre in Biberach,
Stuttgart, München, Rom; 2. seiner künst-
lerischen Tätigkeit in München; 5. in
Weimar und Leipzig, und 4. zuletzt in
Stuttgart.

1. Karl Joseph Bernhard von Neher
ist geboren in Biberach an der Riß am
16. Januar 1806 als Sohn des Malers
Anton Neher und seiner Ehefrau Maria
Theresia Brunner. Biberach war damals

Literatur: Aug. Wintterlin, „Württb.
Künstler". Deutsche Verlagsanstalt, Stuttgart,
1895, Nr. 3:1. Heinrich Nt crz, „Lhristl. Kunst-
blatt", 1881, 1 ff. und 1890, 5 ff. Lübke,
Nehers Fresken in Weimar mit Photographien
von Fr. Hanfstängl. Stuttgart, Spemann.
Pecht, „DeutscheKünstler des 19.Jahrhundert?",
*;■ 148 ff.
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