Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 25.1907

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badisch, im Herbst hernach württembergisch, >
früher freie schwäbische Reichsstadt. Aus ihr
sind viele berühmte Maler hervorgegangen :
Johann Baptist Pflug, Franz Xaver
Müller, Ebersberg, Xaver Förg, Karl
Martini, Karl Göser, Hermann Bolz,
Eberhard und Konstantin Emminger, Joh.
Friedr. Dieterich, Christian Xeller, Anton
Braith. Auch Ziehers Vater, Großvater
und Urgroßvater waren Maler. Der kleine
Bernhard lernte zuerst bei seinem Vater,
vom 13. Jahre an bei Franz Xaver Mül-
ler(1791 —1869), einem Schüler von Pflug
und Seele. Bei Müller kopierte er Stu-
dien nach Raffael und Michel Angelo,
malte auch in Oel, merkwürdigerweise ■
zuerst religiöse Gegenstände: David mit j
der Harfe, Christus am Jakobsbrnnnen, '
sodann einige Bildnisse
und ein Gruppenbild sei-
ner Familie. Mit 16 Jah-
ren kam er nach Stutt-
gart zu Bildhauer Jo-
hann Heinrich Dannecker
und Galeriedirektor Phi-
lipp Friedrich Hetsch, im
Frühjahr 1822. Das Ho-
norar für ein Familien-
gemälde und für ein
lebensgroßes Bild von
König Wilhelm in hal-
ber Figur für das Sitz-
nugszimmer des Biber-
acherStndlrats verschaff-
ten ihm die Mittel zu
weiterem Studium. Er
übte sich im Modellzeichnen, studierte die alt- '
deutsche Sammlung Böigeres und dieUeber-
setzungen von Homer und Virgil. Von Gegen-
banr aufgemnntert, ging er nun mit einem
zweijährigen Stipendium des Magistrats!
in Biberach im Herbst 1823 u ach Mün-
chen, nw er freundliche Aufnahme fand bei
seiner Tante, welche den, Haushalt des j
Domherr» Freiherr» v. Oiv Vorstand. ^
Er studierte jetzt fünf Jahre lang an der '
Akademie, zuerst bei Direktor Peter Langer !
t,1756—1824), dann seit 1825 bei Peter j
v. Cornelius, der von Düsseldorf nach
München berufen wurde. „Mit einemmal
ward ich jetzt in eine neue geistige Tätig- !
keit versetzt," sagt Reher selbst von jener
Zeit. Cornelius wurde sein Lehrer und
Könner und seiner Schule ist er zeitlebens '

I treu geblieben. Unter seiner Leitung
fertigte er mit lebensgroßen Figuren den
Karton „Wiedererkennung Josephs in
Aegypten durch seine Brüder". 1826 be-
stand er in Stuttgart eine Kunstprüfung
zur Befreiung von, Kriegsdienst, erhielt
1828 für das Oelgemälde „Klage des
Grafen Eberhard um seinen in der Schlacht
bei Döffingen gefallenen Sohn Ulrich"
vom Kunstverein in Stuttgart 1200 Gul-
den und vom König Wilhelm aus Staats-
mitteln ein mehrjähriges Reisestipendium
von je 700 Gulden. Am 6. April 1828
feierte er in Nürnberg mit seinen Stutt-
garter Freunden den 300jährigen Todes-
: tag Albrecht Dürers und reiste anfangs
Mai 1828, erst 22 Jahre alt, über Chur
I nach Florenz uud nach Nom. Raffael
wurde bald sein Lieb-
lingsstudium und die an-
tiken Sammlungen. Eine
Reihe bedeutender Künst-
ler wurden ihm befreun-
det : Overbeck, Veit, Füh-
rich, Genelli,Ludwig Rich-
ter und besonders der
Hamburger Maler Erwin
Speckter und Anton Drä-
ger ans Trier, der ihn in
die Farbengeheimnisse der
Venetianer einführte, fer-
ner die Schwaben: Bild-
hauer Konrad Weitbrecht,
Landschaftsmaler Louis
Mayer und ZRedailleur
Peter Bruckmann -Heil-
' bronn. Von Raffaels Tapeten in, Vatikan
angeregt, malte er in Oel „Die Erweckung
des Jünglings von Naim" (jetzt Nr. 873
: in der Staatsgalerie zu Stuttgart), edel,
: einfach, natürlich, mit mehr als yalblebens-
großen Figuren „rasfaelisch in den Forme»,
den Venetianer» sich nähernd in den Far-
ben, aber doch von jener deutschen, ge-
! nauer gesagt, oberschwäbischen Einfalt,
.Kraft und Tiefe der Empfindung, welche
! seine religiösen Bilder trotz aller Ver-
j schiedenheit des Stils doch wieder in die
Nachbarschaft eines Schüchliu und Zeit-
blom bringt" (Wintterlin). 1832 be-
. suchte Reher Neapel und verließ dann
Rom im August nach vierjährigem Auf-
enthalt, studierte noch in Assisi und Flo-
1 renz, besonders Massaccio und Fiesole, die
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