Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 25.1907

Seite: 25
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Ijerausgeaebe» und redigiert von Professor Ov. Ludwig Bcniv in Tübingen.

verlcig des Rotteiibnraer Diözesciii-Kmistverciiis;
Rommissioiisvcrlaa von Friedrich Alber in Ravensburg.

Jährlich 12 Nummern. Preis durch die Post halbjährlich M. 2.05 ohne
iS]' o Bestellgeld. Durch den Buchhandel sowie direkt von der Verlagshandlung 100^
^' 7)* Friedrich Alber in Ravensburg pro Jahr M. 4.10. ^ ‘ *

Äcnncheu zogen die Geister in ihren Bann-

^istoriemnaler Bernhard v. Beher,

geb. in Biborach 16. Januar 1806,
gest. in Stuttgart 17. Januar 1886.

Von Stadtpfarrer Br in zi» g er in Oberndorf a. N.

(Schluß.)

4. Im Herbst 1846 kam Neher nach
Stuttgart als Professor der Kunstschule
und Nachfolger seines Biberacher Lands-
mannes Johann Friedrich Dietrich (gest.
17. Januar 1846), der 1840 das große
Hauptaltarblatt in der Stnltgai 1er St. Eber-
hardskirche gemalt hat. Er blieb in
Stuttgart 40 Jahre lang bis zu seinem
Tod. König Wilhelm I. hat den Künstlern
viele ehrenvolle Aufträge gegeben: den
Rosenstein erschloß er den Göttern Griechen-
lands, im Residenzschloß ließ er seine
Ahnen durch Gegenbaurs Fresken ver-
herrlichen, die Villa Berg durch Leins
im italienischen Renaissancestil, die Wil-
helma durch Zauth im maurischen Stil
der Alhambra erbauen. Für den Fresko-
maler Neher fand sich leider keine Ge-
legenheit neuer Aufträge. Er widmete
jetzt seine Tätigkeit der Kunstschule
und der re ligiösen Malerei. Eine
Reihe jüngerer Künstler verehren in ihm
den hochgeschätzten Lehrer wegen seiner
reichen Kenntnisse, seiner idealen vor-
nehmen Gesinnung und seines vielseitigen
freundlichen Rats, sieben ihm wirkten
an der Kunstschule der Landschaftsmaler
Gottlob Friedrich Steinkops (gest. 1860),
der Bildhauer Theodor Wagner (gest.
1880) und der Historienmaler Heinrich
Rüstige (gest. 16. Jan. 1000). Eine
eigentliche Schule hat Neher zwar nicht
hinteilassen, Düsseldorf, Paris und

kreis, aber sein Einfluß als Professor,
Vorstand (1864) und zuletzt als Direktor
(1867—79) war deswegen doch überaus
segensreich, wie alle seine Schüler es
rühmen. Die damals neu organisierte
Anstalt blühte unter seiner Leitung. König
Wilhelm I. führte unfern Künstler aus
das Feld der kirchlichen Malerei durch
seine Aufträge für die Stuttgarter Stifts-
kirche. Diese 1495 mit Ausnahme der
Türme vollendete dreischiffige prächtige
Hallenkirche mit erhöhtem Mittelschiff und
nach innen gezogenen Strebepfeilern ent-
hält im hohen Chor oben die berühmten
Standbilder der 11 Grafen von Würt-
temberg von Sem Schlör von Lanten-
bach in Sandstein gehauen, welche zu den
schönsten Werken des Renaissancestils in
Württemberg gehören, gefertigt nach 1674,
von Professor Kopp 1876 restauriert.
Unten im Chor ist die alte 1608 erbaute
Grablege der württembergischen Fürsten.
Im Jahre 1840—42 hat Karl Alexander
Heidelofs die Stiftskirche restauriert. Die
Fenster des Chors sollten jetzt große Glas-
gemälde erhalten und im Jahre 1847
erhielt Neher den Auftrag, Kartons da-
für zu entwerfen. Er legte 6 Kompo-
sitionen vor, 3 Fenster wurden bestellt:
Geburt Christi, Christus am Kreuz und
Auferstehung. Die Kartons wurden nach
Skizzen Nehers von ihm und seinen
Schülern Lentemann, Zumpe und Grü-
nenwald ausgeführt (1817 — 62), mit
Wasserfarben koloriert und in München
von den Gebrüdern Scherer in Glas ge-
bracht, die architektonische llmrahmnng
dazu ist von Beisbarth entworfen (Wint-
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