Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 25.1907

Seite: 35
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len, sondern Einzellichter von
mäßiger Lichtstärke, die in ihrem
Zusammenwirken einen gedämpf-
ten, weihevollen Gesamtlicht-
effekt ergeben", ist die erste Regel,
die wir aufstellen. Wie sie durchgefnhrt
werden soll, möge in einigen weiteren
Studien dargetan werden.

Briefkasten.

Anfrage betr. galvanische und Feuerver-
goldnng. Ans die ganz allgemein gestellte Frage:
„was ist vorzuziehen: Feuer- oder galvanische
Vergoldung?" ist eine ebenso allgemeine Ant-
wort unmöglich. Denn es gibt Fälle, in welchen
Feuervergoldung einfach vornherein ausgeschlossen
ist, und Fälle, in welchen von galvanischer Ver-
goldung ebenso abgesehen werden muß. Um eine
präzise Antwort geben zu können, müssen wir
das Objekt kennen, um dessen Vergoldung es sich
handelt. Etwas anderes ist ein Turmkrenz oder
Turmuhrzeiger, etwas anderes ein Metalltaber-
nakel- oder Altar, etwas anderes eine Monstranz,
die selten, etwas anderes ein Kelch, der täglich
gebraucht wird — von Ernbkreuz- und ähnliche»
Vergoldungen gar nichts zu sagen. Wollen Sie
sich im all genieinen über diese Frage, ivelche
insbesondere durch das Vorgehen von einer
bayerischen Diözese in ein neues Stadium ein-
getreten ist, informieren, so mag Ihnen hiefür
die Abhandlung: „Die kirchlichen Metallarbeiten",
von K. Kümmel, Zisf. C., Nr. 2—5 („Archiv
für christliche Kunst", 1600, Nr. 2—5 inkl.s,
Aufschluß geben; dabei ist ganz besonders das
Kelch-Vergoldungsproblem behandelt; im übrige»
ist der derzeitige Vorstand des Diözesnn-Kunst-
Vereins, K. Kümmel-Stuttgart. Kernerplatz 3,
gerne bereit, auf Anfragen spezieller Art
Auskunft zu erteilen. D. Red.

Literatur.

Herders BilderatluszurKunst-
g e s ch i ch t e. 146 Tafeln mit 1262 Bil-
dern. 9)fit kurzer Uebersicht über die Kunst-
geschichte, ausführlichem Bilderverzeichnis
und Register (72 S.). Liner-Folio. Frei-
burg (Herder) 1006. Preis M. 18; geb.
in Leinwand M. 22.

Von diesem Atlas ist nunmehr auch der zweite
Teil erschienen, so daß jetzt das ganze Werk voll-
ständig vorliegt. Auf den 70 Tafeln des 2. Teiles
mit 542 Abb. wird ein Ileberblick gegeben über
die Kunst von der Frührenaissance im 15. Jahrhun-
dert bis zum 16. Jahrhundert einschließlich. Die
Hälfte der Tafeln sind der Malerei eingeränmt,
während sich i» die andere Hälfte Architektur,
Plastik und Kunstgewerbe teilen. Die Bilder
stehen in der technischen Ausführung auf der Höhe
der Zeit und sind trotz ihres vielfach sehr kleinen
Formats, von einigen Ausnahmen abgesehen,
deutlich und klar. Der Bilderatlas „will, wie
die Vorbemerkung sagt, für den Unterricht in der
Kunstgeschichte an beu höheren Schulen ein An-
schauungsmaterial bieten, das nach pädagogischen
Grundsätzen sorgsam ansgeivählt ist." Entspre- '

chend dieser Bestimmung war in der Auswahl
der Abbildungen eine gewisse Beschränkung ge-
boten, und so ist es begreiflich, daß wir von
manche» Künstlern kein volles Bild bekommen,
ja, daß gerade einige der bedeutendsten Maler
wie namentlich Rubens und Tizian nach ihrer
charakteristischen Seite nicht zur Geltung konnnen
konnten. Meines Erachtens wäre aber aus eben
diesen pädagogischen Rücksichten auch noch eine
andere Beschränkung am Platze geivesen, nämlich
eine solche hinsichtlich der Zahl der vertretenen
Meister. Denn eine zu große Fülle von Namen
ist nicht geeignet, Schülern höherer Lehranstalten
die erste Einführung in ein fremdes Gebiet zu
erleichtern. Stach dem Grundsatz »non multä, sed
multum* hätte ich es lieber gesehen, wenn dafür
von einzelnen hervorragenden Meistern eine grö
ßere Anzahl von Werken aufgenonnne» worden
wäre. So sind z. B. 20 holländische Maler
des 17. Jahrhunderts für dieses Werk entschieden
zu viel und umgekehrt 5 Abbildungen (nicht ein-
nial eine ganze Tafel!) für den größten derselben,
für Nembrandt, zu wenig. Auch Rubens und
van Dyck, ebenso Velasquez und Murillo müssen
sich je zusannnen in eine einzige Tafel teilen. —
Anerkennend hervorzuheben ist dagegen, daß auch
die Kunst des 16. Jahrhunderts Aufnahme ge-
funden hat, so allein die Malerei auf 10 Tafeln.
Die Frage, welche Künstler Berücksichtigung fin-
den sollen, ist hier natürlich eine viel schwierigere
als bei den alten Meistern, deren Kanon so
ziemlich feststeht. Das llrtcit darüber wird
immer mehr oder weniger ein subjektives bleiben,
und nur in diesem Sinne wollen auch die fol-
genden Bemerkungen aufgefaßt sein. Im allge-
ineinen darf die getroffene Ausivahl als eine
glückliche bezeichnet werden. So ist es nur zu
begrüßen, daß weitaus die meisten der verfüg-
baren Tafeln, 7 von 10, der deutschen Kunst
eingeräumt wurden, und ebenso, daß auch
die im christlichen und spezifisch katholischen
Geiste arbeitenden Künstler wie die Nazarener,
die Bcuroner und die bekanntesten neuere»
Meister christlicher Kunst hier zu ihrem Recht
gekommen sind. Vermißt dagegen habe ich zwei
der allerhervorragendsten deutschen Künstler der
Gegenwart, nämlich Klinger und Stuck. Auch
die graphischen Künste sind, abgesehen von einem
Holzschnitt Rethels, unberücksichtigt geblieben. So
verdankt z. B. Ludwig Richter feine Bedeutung
in erster Linie seinen Holzschnitten, und es hätte
daher ein solcher viel eher Aufnahme verdient,
als die Reproduktion eines seiner Gemälde.
Ebenso wäre einer der charakteristischen Holz-
schnitte von Menzel erwünscht geivesen. — Da
sich die ganze anßerdentsche Alalerei des 19. Jahr-
hunderts mit drei Tafeln bescheiden mußte, wo-
von überdies noch zivci den Franzose» gewidmet
sind, so war es nicht zu vermeiden, daß mancher
berühmte Name übergangen wurde. So habe
ich z. B. vergeblich gesucht nach dem kürzlich
verstorbenen Watts, wohl dein bedeutendsten aller
englischen Maler des 16. Jahrhunderts. Viel-
leicht kann der eine oder andere dieser Künstler
in einer späteren, in diesem Teile erweiterten
Auflage des Werkes Aufnahme finden. — Der
Preis ist verhältnismäßig nicht zu hoch. Der
Atlas kann sich mit den von anderer Seite
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