Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 25.1907

Seite: 36
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herausgegebenen Werken ähnlicher Art ganz wohl
messen und darf namentlich für die studierende
Jugend, für die er ja in erster Linie bestimmt
ist, aber auch für den Familientisch bestens
empfohlen werden.

Rotten bürg. Dr. E. Fu ch s.

Studien ans Kunst und Geschichte,
Friedrich Schneider zum sieb-
zigsten Geburtstage gewidmet von
seinen Frelinden und Verehrern. Mit
Friedrich Schneiders Porträt, nach einer
Radierung von Peter Halm, 18 Tascln
in Lichtdruck und 25 in Autotypie u. a.
Freibnrg i. Br. (Herder) 1006. —

XXVII (bezw. XXIX) und 582 S.
Quart. Preis in Leinwand gebd. 50 Ai.
Es ist gcwist etwas Seltenes in der neuzeit-
lichen Geschichte der katholischen Kirche, daß
einem ihrer Priester und Gelehrten aus einem
rein persönlichen Anlasse eine Festgabe überreicht
wird, die Beiträge der anerkanntesten Gelehrten
ans den verschiedenste» Ländern, Berufsstellnngen
und Konfessionen enthält! — Eine solch singu-
läre Erscheinung ist bei der heutigen Sachlage
nur erklärlich aus einer ganz ungewöhnlich
reichen, fein durchgebildeten, ungemein vielsei-
tigen geistigen Veranlagung, die Richtung gebend
und befruchtend ans ihre Zeit einwirkle und
dabei in der glücklichen Lage war, nicht allzu-
weit in die Arena des Kampfes heransgezerrt
worden zu sein. Das ist denn nun auch bei dem
hochw. Prälaten Dr. Friedrich Schneider, Dom-
kapitular in Mainz, der Fall. Er ist ganz un-
bestritten unter die feinsinnigsten und gelehr-
testen Kunstkenner unserer Zeit zu rechnen.
Schneider ist, wie Professor Dr. Sauer in seiner
Vorrede zu diesem Sannnelbande sagt, „Gelehrter
in so eigenartigen! Sinne, daß die weitesten
Kreise des In- und Auslandes seinen Namen
mit Verehrung und Dankbarkeit nennen. Hier
hat er eine Wirksamkeit entfaltet, die reich, viel-
seitig und erfolgreich ans die verschiedensten Ge-
biete gelehrter Forschung sich erstreckte, auf meh-
reren ihn als hervorragende, in manch ivichtigen
und schivierigen Fällen von amtlichen Instanzen
wie privaten Persönlichkeiten ausgesuchte Au-
torität zeigte. Alit manch einschneidenden Fragen
der neuzeitlichen Altertumswissenschaft ist sein
Name dauernd verknüpft, und iviederholt ist er
für neue Interessen der modernen Kultur, ivie
beispielshalber für die Denkninlspflege führend
und ivegweisend eingetreten."

Der stattliche Band, dessen vornehme, ja ge-
radezu glänzende Ausstattung soivohl nach der
bildlichen Seite, als hinsichtlich des Papieres
und Druckes (weiß Daunendruck der Papierfabrik
C. Schäufelen, Oberlenningen-Teck) von Herder
in Freiburg übernommen würde, enthält nebst
einer Einführung und einer Uebersicht über die
schriftstellerischen Arbeiten Friedrich Schneiders,
deren Zahl (.313 bezw. 34(1) eine erstaunlich große
ist, 51 Beiträge verschiedensten Inhalts, zum Teil
geschichtlichen zumeist aber kunstgeschichtlichen In-
halts. Unter den Verfassern seien nur einige bet be-
kanntesten namhaft gemacht: Joh. Graus

handelt in einer sehr ansprechenden Studie über
St. Marein bei Sekkau, Ernst St ein mann
über die Hand des Michelangelo, Wilhelm
Bode über eine (Berliner) Türlunette von
Lucca della Nobbia, Martin Spahir über
die Lunettenbiloer in der Sixtinischen Kapelle,
Heinrich Weizsäcker über das architektonische
Problem in den Deckengemälden der Sixtinischen
Kapelle, Jos. End res über Abt Ambrosius
Mayrhofer von St. Emmeram. A l f r e d H a g e l-
stange behandelt ein Schriftchen über Zeichen-
sprache von 1532, Joseph Strzygowski
Spalnto als Markstein der romanischen Kunst.
Einen kostbaren ikonographischen Beitrag lieferte
der Redakteur des Ganzen, Professor Dr. I.
Sauer, der das Sposalizio der hl. Katharina
von Alexandrien behandelt. Auch auf einen in-
teressanten Aussatz von K. Lange, der „das
Altarmerk von Mühlhausen am Neckar" zum Gegen-
stand hat, das jetzt in der Stuttgarter Gemälde-
sammlung : eben durch Langes Bemühungen) sich
befindet, soll hingewiesen sein. Ich möchte aber den
Verfasser auf einen Jrrtnni aufnierksam machen,
der ihm S. 423 unterlaufen ist: Die Worte in dem
Buche des Verkündigungsbiloes heißen sicher nicht
wie der Verfasser liest »Vere(!) ancilla domini,
fiat mihi secundum voluntatem (!)
tuum«, (!) sondern »Ecce ancilla« u. s. w.
»sscnndurn verbum tuum« wie der eng-
lische Gruß lautet, den im Mittelalter auch der
bescheidenste Maler in seiner lateinischen Version
notwendig kennen mußte, so daß es sich nicht
um mangelhafte Schreibung handeln kann. Die
Buchstaben sind nämlich nicht zu lesen vlm,
sondern v b ü.

Die Festgabe ist in ihrer Reichhaltigkeit, in-
haltlichen Bedeutsamkeit und künstlerischen Aus-
stattung ein ivürdiges Denkmal der Pietät und
Verehrung für den vielseitigen, kunstsinnigen
ehrwürdigen Jubilar.

T ü b i n g e n. Prof. Dr. L. Bau r.

Aunstnotiz.

Die D e u t s ch e Gesellschaft f ü r
ch r i st l i ch e K u n st schrieb dieser Tage
unter den ihr angehörigen Künstlern einen
Wettbewerb für ein Grabdenk-
mal aus, das für Erzbischof Dr. Joseph
von Schork vom Domkapitel in Bamberg im
dortigen Dom errichtet iverdcn soll. Die Ent-
würfe sind bis zum Abend des 20. März d. I.
an die Geschäftsstelle der Gesellschaft (Karlstr. 6
in München! einzusenden. Als Preisrichter werden
fungieren die Juroren der Deutschen Gesellschaft
für christliche Kunst für das laufende Jahr, nämlich
die Bildhauer Max Heilmaier und Joh. Hemnies-
dorfer, die Maler Will). Jmmenkamp und August
Beiter, die Architekten städt. Baurat Hans Grässel
und Hans Schurr, die Kunstfreunde Professor
Dr. Andr. Biglmair und Dr. Rich. Hoffmann;
ferner gehören dem Preisgericht an voni hoch-
würdigsten Domkapitel in Bamberg: Generalvikar
Joh. Maurer und Donikapitulnr Dr. Adam
Senger sowie durch Kooptierung die Bildhauer
Professor Aut. Pruska und Professor Balthasar
Schmitt.

Siullgart, Builidruclerci der A!t.-Ge!. „Deutsche-; Aolksblatt".
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