Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 25.1907

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sich leicht, ohne große Koste» da und dort
anl'ringe» laßt. Noch schwerer fällt die
Handhabung der beiden Lichtarten und
fallen ihre Bedingungen ins Gewicht. Das
Gas bietet immer eine gewisse Explosions-
gefahr sowie die Gefahr der schlimmeren
Folgen einer etwaigen Fahrlässigkeit; oder
wenn irgendwo der Verschluß unter dem
Wechsel der Witterung auch nur leicht
9iot gelitten hat, so strömt Gas aus und
verbreitet einen ungesunden widerlichen
Geruch, wenn dadurch vielleicht auch nicht
gerade die Gefahr einer Explosion ent-
stehen mag. Die Bedienung selbst: An-
zünde». Anslöschen, Reinigen erfordert
weit mehr Arbeit und Hilfsmittel, als
das elektrische Licht. Dieses kann von
einer in der Sakristei angebrachten Zen-
tralschaltstelle ans spielend bedient wer-
den und zwar so, daß eine Gefahr so
gut wie ganz ausgeschlossen ist. Die
Leitung selbst läßt sich ebenfalls mit
Leichtigkeit so führen, daß sie nirgends
störend hervortritt. Muß aber Gas gewählt
werden, so werden häufig Stichflammen
verwendet unter Imitation von Kerzen-
lichteru, was wohl zu billigen sein mag.

Für elektrisches Licht kommt also
für uns nur d a s G l ü h l i ch t in Betracht.
Hier sind nun verschiedene Forme n
im Gebrauch, deren jede ihre Vorzüge
wie ihre Schattenseiten hat. Die wich-
tigsten derselben sind die gewöhnliche
Kohlenfadenglühlampe, die Osmiumlampe,
die gegenwärtig so sehr gerühmt wird,
die Tantal- und Nernstlampen.')

Die einfachsten elektrischen Glühlampen
sind die Kohlen faden lampen (auch
Edisonlampen genannt). Die Kohlenfaden
werden heute zumeist aus Kollodium her-
gestellt. Sie haben den großen Vorzug,
sehr billig zu sein und ein mildes, aus-
reichendes Licht zu liefern. Ihre nach der
mittleren hemisphärischen Lichtstärke be-
rechnete Leuchtkraft ist 16. Dabei ist zu
beachten, daß bei dem billigen Preis der
Glühlanipen die Kosten des Stromes
mehr in Betracht kommen, als der An-

') Für die technischen Ausführungen vrgl.
„Gewerbeblntt aus Württemberg" 1908 Nr. 27,
42, 44, 45, 47: Die Ausstellung für das ge-
samte Beleuchtungsivesen im K. La»desge>verbe-
museum. — Die darin gegebenen Begutachtungen
sind hier zur Grundlage genommen.

schaffungspreis der Lampe. Demgemäß
wird eine Lampe zu wählen sein, die bei
möglichst geringem Stromverbrauch ein
möglichst gutes Licht gibt, auch wenn die
Anschaffungskosten zunächst höhere sind.
Diesen Zwecken sollte dienen zunächst
die N e r u st l a m p e. Als ihre Vorzüge wer-
den angeführt:') ein brillantes, intensiv-
milchweißes Licht; geringer Stromverbrauch
(bis zur Hälfte des Verbrauchs der Kohlen-
sadenlampe). — Diesen Vorteilen stehen
aber folgende Nachteile gegenüber: Die
Lampe leuchtet nicht sofort auf, wenn ein-
geschaltet wird. Es vergeht bei neuen
Lenchtstäbchen etwa eine halbe Minute,
bei schon länger gebrauchten 2—3 Minuten.
Das Lenchtstäbchen selbst ist außerordent-
lich empfindlich gegen Spauuuugsschwank-
ungen, und wenn es vor diesen nicht ge-
schützt wird, so bricht es einfach ans
seiner Befestigung heraus und die Lampe
ist unbrauchbar. Endlich ist der kompli-
zierte Mechanismus der Lampen natürlich
Störungen viel leichter ansgesetzt und die
an sich schon teure Lampe verteuert sich
durch die Notwendigkeit von Neuan-
schaffungen ganz außerordentlich. Sie kann
darum für Kirchenbelenchtung kaum in
Betracht kommen. Ihre (mittlere hemis-
phärische) Lichtstärke beträgt für Modell I)
(bei 220 Volt): 25 Kerzenstärken.

Anders ist es mit der O s m i u m l a m p e,
die sich besonders dadurch von den übrigen
Glühlampen unterscheidet, daß dabei nicht
Kohlenfäden oder analoge Präparate, son-
j der» Metall (Osmium, den: Platin ver-
wandt) zur Verwendung als Lenchtkörper
kommt. Die Lampe bietet ein außer-
ordentlich schönes weißes Licht, das über
die ganze Dauer der Brennfähigkeit der
Lampe (die etwa 1000 Brennstunden be-
trägt) gleichbleibt. Ter Energieverbrauch
ist etwa derselbe wie bei der Nernstlampe.
Die Lichtstärke — 25. Sie hat auch den
Vorteil, daß das Innere nicht wie bei
Kohlensadenlampen geschwärzt wird.

Diesen Vorteilen stehen einige Nachteile
entgegen: Der Metallfaden wird im glühen-
den Zustand außerordentlich weich und
biegsam. Infolge dessen muß die Lampe
senkrecht nach unten gehängt werden.

') Diese Zusamiiieustellung ist entnommen dein
„Gewerbebtatt" u. s. u>. Nr. 58 (1906) 356.
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