Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 25.1907

Seite: 42
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Ferner ist der Widerstand der Lampe
nicht groß genug, um eine Spannung
van 1t 0 Volt (die gewöhnliche Spannung
der Leitungsnetze) anszuhalten. Infolge
dessen müssen die Lampen in Gruppen
zu mindestens zwei oder noch mehreren,
je nach der Spannnngsgröße verwendet
werden. Der letztere Punkt würde indessen
für die Kirchenbeleuchtung kaum als be-
sonderer Nachteil enlpfunden werden.

Den Vorteil größerer Spannungsfähig-
keit bietet die allerdings noch immer teure
(3 M.), seit kurzem in den Handel ge-
kommene Osramlampe. Sie soll her-
gestellt werden können für Spannungen
bis zu 250 Volt und hat die bedeutende
Lichtstärke von 32.

Endlich kommt noch eine neue Art in
Betracht: die sog. Tantallampe (von
Siemens n. Hnlske). Sie wird so genannt,
weil hier das Tantal, ein seltenes Metall,
als Glühfaden verwendet ist. Die Form
der Lampe ist von den bisherigen ver-
schieden, insofern hier innerhalb der Glas-
birne an einem kurzen Glasschaft zwei
sternförmig angeordnete nach oben und
unten gebogene Tragarme angebracht sind,
die in zwei Linsen eingeschniolzen sind.
Zwischen diesen Armen ist der Tantal-
draht zickzackförmig hin und her gezogen.
Die zweifellos großen Vorteile dieser Lampe
liegen darin, daß sie infolge der eigen-
artigen Anordnung des Glühfadens in
jeder Lage (nicht nur senkrecht) angebracht
werden kann. Das Licht selbst ist schön
weiß und seine Wirkung (besonders bei
Anwendung matter Birnen) außerordent-
lich ruhig. Die Lichtstärke ist 25. — Die
Lampe kann außerdem bedeutende Span-
nnngsschwanknngen aushalten. Man gibt
ihre Lebensdauer auf 1000 Brennstunden
an. Auch sie steht noch ziemlich hoch im
Preise (2 Bl. 75 Pf.), ist aber ebenfalls
wegen geringeren Stromverbrauchs zu em-
pfehlen, umsomehr, als die Tantallampe
noch eine Eigenschaft hat, die anderen
Lanipen abgeht. Wenn nämlich der Glüh-
faden turchgebrannt ist, so legt sich bei
der Tantallampe der abgerissene Draht
getn an den benachbarten an, stellt auf
diese Weise die Verbindung wieder her und
wird so wieder brennfähig. Wo dieser Fall
nicht von selbst eintrilt, kann man die gleiche
Wirkung leicht duich Schütteln erzielen.

D i e s e v e r s ch i e d e n e n F o r m e n v o n
Glühlampen werden für elek-
trische Beleuchtungsanlagen in
Kirchen in Znkunst in erster Linie
als empfehlenswert in Betracht
kommen. Dabei ist allerdings zu er-
wägen, daß die Leuchtkraft der drei letzt-
genannten schon eine recht starke ist, so
daß unter Umständen je nach den ört-
lichen Verhältnissen eine einfache Kohlen-
fadenlampe weitaus vorzuziehen ist.

Die Leser mögen es verzeihen, wenn
dieser trockene technische Exkurs hier ein-
geschaltet wurde. Aber er dürfte für viele
einen willkommenen praktischen Fingerzeig
enthalten, die sich nicht die nächste beste
Lampe vom Installateur anfschwätzen lassen
wollen.

Nunmehr müssen wir uns aber noch
einer Frage zuwenden, welche uns not-
wendig wieder auf allgemeinere Punkte
zurückführen muß: Das ist die Frage:
Wie und wo sollen die Beleuchtungskörper
angebracht werden? Es leuchtet von selbst
ein, daß diese Frage nicht für alle Kirchen
in gleicher Weise beantwortet werden kann.
Am wenigsten Schwierigkeiten wird sie
in einräuiuigen kleineren Kirchen bieten,
wo vielleicht mit einem Kronleuchter und
einigen passend angebrachten Wandleuch-
tern die Sache sich in durchaus befrie-
digender Weise erledigen läßt. Kompli-
zierter wird die Frage für mehrschiffige
Kirchen, die ja wohl die Siegel bilden.
Setzen wir voraus, es handle sich um die
Beleuchtungsanlage einer dreischiffigen
Kirche (mit oder ohne Transsept) und
einem entsprechend ausgebildeten Chor.

Hier muß nun vor allem alsHanpt-
g r u n d s a tz ausgestellt und festgehalten
werden: Die Beleuchtungsanlage
ist so anzubringen, daß durch die
Beleuchtungskörper die Linien -
f ü h ru n g d erArch i t e k tu rundd urch
die L i ch 1 v e r t e i l u n g der architek-
1 o nisch e N a u in und seine Ab st u -
f u n g s w orte i n keine r W eise n ach-
te i l i g b e e i n t r ä ch t i g t w e r d e n. Dem-
gemäß ist es als verfehlt zu bezeichnen, wenn
die Säulen mit starken eisernen Ständern für
Gas- oder elektrisches Licht umgürtet und
eingesesselt werden, die dann ihre womöglich
noch stark ornamentierten Arme in den
Raum Hineinstrecken. Die Säulen sollen
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