Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 25.1907

Seite: 44
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Noch sei darauf aufmerksam gemacht,
daß die Siebeuzahl auf uuserem Bilde
auch im eiuzeluen noch eine Rolle spielt,
sofern die Zahl der dargestellteu Heiligen
und der dargestellten armen Seelen je
sieben beträgt. Bei den Eugelsdarstelluugeu
ist es freilich anders: hier zählen wir
vier Engel, zwei Eugelsköpfe und zwei
Engeleiu bei der hl. Dreifaltigkeit.

Ein Wort noch über die sieben
Fälle! Diese Fälle sind folgende:

1. Jesus sinkt im Garten von Geth-
semane ;

2. Jesus fällt bei dem Steg über den
Bach Cedron;

3. Erster Fall bei der Kreuztragung;

4. Zweiter Fall bei der Kreuztragung;

5. Jesus wird auf das Kreuz gelegt
und angeuagelt;

6. Jesus wird in den Schoß der Mutter
gelegt;

7. Jesus wird in das Grab gelegt.

Bildliche Darstellungen dieser Art fin-
de» sich in Hasenweiler (Oberamts
Ravensburg), auf einem Casulastreifeu im
Münster zu U e b e r l i u g e n (Handstickerei
von 1550), in ©rät;etm und Fr ankeu-
t a l und im Kloster zu Wnrzach ans dem
Jahre 1613. Die fragliche Andacht soll
aus der Zeit der ersten Kreuzzüge stammen.')

Literatur.

Freiburger Mü »st er b l ät t er heraus-

gegebe» vom Münsterbauvetein Freiburg

i. Br. (Herder). II. Jahrgang. 1907.

Die Freiburger Münsterblätter können auf
ihren zweiten Jahrgang zurückblicken und, um es
gleich zu sagen: sie können diesen Rückblick mit
ganzer Befriedigung und ungetrübter Freude über
das Geleistete machen. Bekanntlich erscheinen die

0 Anmerkung der Redaktion: Diese
Zeitbestimmung, die vom hochw. Herrn Verfasser
selbst als zweifelhaft gekennzeichnet ist, erschien
auch dem Unterzeichneten wenig wahrscheinlich.
Er wandte sich deshalb um Auskunft an eine»
der besten Kenner der Geschichte des kirchlichen
Andachtswesens, de» hochw. Herrn Prälaten Dr.
A. Franz, der in einer brieslichen Mitteilung
die Güte hatte, seine Meinung dahin anszusprechen,
das; diese Andacht sonst nicht bekannt, also wohl
lokaler Art sein müsse und wahrscheinlich zu der
großen Zahl künstlich komponierter Andachten
gehöre, welche ein Produkt der religiösen Zu-
stande von 1350—1500 sind und zumeist von
den Vettetorden ins Volk gebracht wurden.

L. Baur.

Blätter in einzelnen Jahrgängen zu zwei Heften
(je von 5—6 Druckbogen) und es ist die An-
ordnung getroffen, das; je fünf Jahrgänge zu
einem Band verbunden werden sollen. Der neue
Jahrgang enthält folgende Abhandlungen: I. Der
romanische Bilderfries am südlichen Choreingang
des Freiburger Münsters und seine Deutung
von Fr. Panzer. 2. Zur Geschichte des Prä-
senzstatnts vom 4. August 1400 von Albert.
3. Zur Bibliographie des Freiburger Münsters
von O. B i h l e r. 4. Der Altar im Dettinge
Chörlein von E. Kreuzer. 5. Die Archivräume
in den Hahnentürmen des Münsters von K. S ch u -
st er. 6. Die Schatzverzeichnisse des Münsters
1483—1748 von H. Flamm.

Dazu kommt eine Reihe interessanter kleiner
Mitteilungen und Anzeigen, die sich auf das
Münster beziehen.

Bei Publikationen, wie der vorliegenden, tritt
naturgemäß die lokale Kunstgeschichte in den Vor-
dergrund. Sie bildet notwendig eine gewisse
Grenze wie der Aufgabe, so des Interesses, das
man ihr entgegenbringen kann. Wo es sich aber
um ein Bauwerk handelt, das, wie das Freiburger
Münster, schon an sich von so eminenter Wichtig-
keit für die allgemeine Kunstgeschichte ist, und
wo so tüchtige wissenschaftliche Mitarbeiter wie
sie in den Mnnsterblättern zum Worte kommen,
es verstehen, die Einzelformen, Details und die
charakteristischen Sonderformcn des Freiburger
Münsters in so enge Verbindung mit der allge-
meinen Kunstentwicklung zu bringen, da erweitert
sich auch das Interesse und der Anspruch auf
Beachtung. Da darf ein Unternehmen darauf
rechnen, in den weitesten Kreisen Anklang zu finden,
wo ein Interesse für kirchliche Kunst besteht und
das um so mehr, wenn es mit einem so glän-
zenden und instruktiven Bilderschmuck ausgestattet
ist, wie die Freiburger Münsterblätter. Wir
empfehlen sie unseren Lesern aufs angelegent-
lichste. Prof. Gr. Ludwig Banr.

Annoncen.

Ger-vrsche Verlagslrnndlnng nt
Freibnrg int Vreisgan.

Soeben ist erschienen und kann durch alle
Buchhandlungen bezogen werden:

Gtudien aus Mimft und
Geschichte»

Nriedrich Gchneidev

juut siebzigsten Geburtslage gewidmet vvn
leinen Freunden und Verehrern.

Mit Friedrich Schneiders Porträtjnach einer
Radierung von Peter Halm, 18 Tafeln in
Lichtdruck und 25 in Autotypie u. a. Hoch 4"
(612). In Leinwand geb. M. 60.—. Das
Werk ist in nur 150 numerierten Exemplaren
in den Handel gekommen.

Stuttgart, Buchdruckerel der Akt.-Ges. „Deutsches Volksblatt".
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