Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 25.1907

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hältmsse der ganzen Erscheinnng wie der
Teile sind fein abgewogen — vorzüglich
sind z. B. die des Fnßes mit Schaft und
Tragplatte gegenüber denen des eigent-
licheil Bauwerks auf letzterer getroffen,
eine Leistung, welche besondere Anerken-
nnng verdient. Die ganze Monstranz ist
ein Meisterwerk harmonischer Ruhe und
Einheit bei allem Reichtum der Glie-
derung und des Details. Hugger, der
längst bekannt ist wegen seines Fein-
sinns in Ausmaß und Berechnung der
Verhältnisse seiner Kompositionen, hat sich
auch hier als Vielster bewährt.

(Schluß folgt.)

Gedanken über Beleuchtimgs-
anlagen in Aireben.

Von Prof. Dr. Subiuicj 33nur, Tübingen.

III.

Wir nahmen uns vor, über die Dis-
position der Beleuchtungskörper zunächst die
Geschichte zil befragen. Wir müssen sie
teils aus der Form und Zahl der noch
vorhandenen Beleuchtungskörper erschließen,
teils kennen wir sie aus eingehenden Be-
schreibungen, also ans literarischen Quel-
len, teils wenn auch unvollkommen ans
erhaltenen Bildern.

1. Die Heilige Schrift berichtet uns,
die ersten Christen seien zusammengekom-
men in einem Obergemach „mit vielen
Lampen".') Ein bestimmtes Bild über
die Art dieser Beleuchtung können wir
uns nicht machen, habeti jedoch zweifel-
los anznnehmen, daß sie weder von litur-
gischen, noch von ästhetischen, sondern
schlechtweg nur von praktischen Gesichts-
punkten bestimmt war und den Gepflogen-
heiten des jüdischen Privathanses entsprach.
Dasselbe war zweifellos der Fall bei den
privaten Räumen, in welchen zur Ver-
folgungszeit die liturgische Feier des Gottes-
dienstes stattfand.

2. Dagegen haben wir genauere Kunde
über die Beleuchtung der ständigen christ-
lichen Versannnlnngsränme bezw. gottes-
dienstlichen Lokale aus der frühen Zeit
des Christentums sowohl aus dem Orient,
als aus deni Occident. Was der Biograph
des hl. Desiderins von seiner Zeit sagt,

') Apostelgesch. 20,8.

das gilt auch wörtlich schon von dieser
frühesten Epoche des Christentums: „Niea-
barit coronae, candelabra resplende-
bant“.1) Wir kennen aus dieser ältesten
Zeit neben den bekannten Tonlampen, die
uns als privates Beleuchtnngsmaterial
nicht weiter berühren, bronzene Cereolaria,
tönerne Lichterträger, Kronleuchter. Das
Brennmaterial war teils Wachs, teils Oel.
Die Leuchter selbst waren Gegenstand künst-
lerischer Behandlung fast durchweg in christ-
lichem Sinn. Das Lamm mit dem Kreuz,
das Monogramm Christi, das Kreuz oder
auch Tiersymbole, selbst biblische Scenen
waren darauf abgebildet'),Ornameutationen
also, deren Auswahl nicht aus der Idee
des Gerätes, sondern ganz nach Belieben
erfolgte.

Auf größere Beleuchtungskörper mußte
man natürlich Bedacht nehmen, sobald die
Basiliken erstanden. Hiesür galt offenbar
eine schon im Te3tamcntiJin Domini
nostri Jesu Christi (ed.Rahmani t, 19)
enthaltene Vorschrift: „Sintoninia
1 o c a i 11 u m i n a t a, tum propter
figuram, tum propter lectio-
nem“. Hier wird also neben dem prak-
tischen auch ein ästhetischer Grund geltend
gemacht.

Am wichtigsten waren zunächst die größe-
ren oder kleineren Hängelampe n
(lychni), die sehr verschiedene Gestaltungen
aufwiesen: Drachen, Tauben, Schiffe u. s. w.,
dann aber schon frühe die Fornr von Kroneit
oder Reifen annahmen. Interessant ist,
daß bereits der Dichter P r n d e n t i u s
im 4. Jahrhundert es für der Mühe wert
findet, um über einen in der Kirche ver-
wendeten Kronleuchter zu berichten. Der-
selbe (corona, circulus luminum) bestand
ans einem Reife», auf welchem eine An-
zahl von Glasgefäßen mit Brennöl auf-
gesetzt war. Die Form dieser Belench-
tnngsart beschreibt der Dichter folgender-
maßen :

»Pendent mobilibus lumina funibus,

Quae suffixa micant per laquearia.

') Vita S. Desiderii ep. Caturcensis c. 9.

2) Vgl. Kraus, Neal-Encyklop. II, 295.
(Abbildungen beiGarucci, Tav. LI, LII, LIV
- und Geschichte der christlichen Kunst I (1895)
484 ff. C. M. Kauf »1 a u n, Handbuch der christ-
lichen Archäologie Paderborn 1905 S. 508 f.
H. 011 c, Handbuch der kirchlichen Kunstarchäalogie
I4, Leipzig 1808 S. 118 ff.
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