Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 25.1907

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Kleinere Mitteilungen

Sl u n st u II d K löste r.

Den künstlerischen Luxus, in den früheren
Klöstern machen diesen hin und wieder Leute
zum Vorwurf, welche nicht gerne die Großartig-
keit, die Menge und Vielseitigkeit ihrer Kunst-
leistungen anerkennen wollen. Wenn sie so von
dein L»xuS und der Prachtliebe der Klöster
sprechen, so bedenken sie dabei nicht, ivelche Rück-
wirkungen die Kunstliebe auf das bürgerliche
Wohl der Außenwelt und auf das moralische
Wohl der Klosterbewohner selbst hatte. In den
Bauten, Malereien, Schnitzwerken:c. der Klöster
fanden Hunderte von Personen Beschäftigung
und Unterhalt, die Künstler Anregung und Lohn
ihrer Mühe. . . . Als die Säkularisation eintrat,
kamen jene Hunderte in dürftige Verhältnisse
und teilweise an den Bettelstab; die Kunst kon-
zentrierte sich in Einzelnen, welche das Glück
hatten, einen Mäeen zu sindeu, während die
Allgemeinheit künstlerischer Bestrebungen sich
verlor; die Kapellen und Kirchen mit ihren herz-
erhebenden Verzierungen zogen ehemals in Muse-
stunde» die Leute an sich, ivelche jetzt über diese
verödeten beziv. längst ihrem ursprünglichen Zwecke
entzogenen Gebäude himveg den Wirtshäusern
und allen möglichen Vergnügungen zneilen. Der
Besuch eines Klosters, der Genuß der ivissen-
schnftlichen und künstlerischen Produkte in den-
selben, die glückliche Wahl der Vorstellungen an
letzteren, welche die religiöse Saite des mensch-
lichen Gemütes so mächtig anschlugen, erregte in
manchen Gefühle und Vorsätze, ivelche dem ganzen
Lebeii derselben eine für Zeit und Eivigkeit
wichtige Wendung gaben. An die Adresse solcher
Nörgler und Krittler sind folgende beherzigens-
iverte Worte — m. E. am Ende der früheren
Bildergalerie oder Bibliothek zu Neresheim
iveil. O. 8. Bened. — geschrieben:

Sta Viator et Visitator!

Mulla vieles, plura videbis; sed quaeris:

Ad quid tanta et talia ? ad quid mala mixta
bonis ?

Ad subsidium artium, et artificum;

Ad solatium viduarum et pupillorum :

Ad eruditionem studiosorum ac peregrinorum,
Ad recreationem liospitum ac desolatorum;

Ad elusionem lusuum atque ludentium.

Sed quo sumlu ? Parsimoniae ac eleemosynae.
Quo tempore et labore ? instar otii et otiantis.

Zu deutsch:

Steh! Der du hier wanderst und schauest!
Vieles siehst du, »och mehr wirst du sehen; aber
du fragst:

Wozu so Herrliches, so Mancherlei? wozu die
Bilder des Bösen vermischt mit jetten des
Guten?

Ilm zu unterstützen die Künste unb Künstler;

Um zu. trösten die Witwen unb Waisen;

Um zu belehren die nach Wissenschaft Strebenden
voti nah und fern;

Zur Erheiterung der Gäste und der Betrübten;
Um zu vertreiben unnütze Spiele und jene, welche
sie lieben.

Aber woher dies alles bestritten? Mit der Er-
übrigung tveiscr Sparsamkeit und mildtätiger
Spenden.

Mit welchetii Aufwands der Zeit Und der Arbeit?
Mit der Zeit der Muse zur Erholung der
Arbeitsmüden.

Ravensburg. P. B e ck.

Stiteratur.

Di e römischen Katakomben. Von
Geistl. Rat Dr. G. A. Webe r, o. Professor
am Kgl. Lyzeum Regensburg. Mit 225
Abbildungen. Dritte vermehrte und ver-
besserte Auflage. Regensburg (Pustet) lüOii.
Preis brosch. 2 M. Leimvandband 3 At.
Trotz mehrfacher Ansstellungen der Kritik hat
das vorliegende Katakombenwerkchen die dritte
Auslage erlebt. Hervorgegangen aus einem zwei-
stündigen Vortrag vor den 200 Alumnen des
Regensburger Priesterseminars (I. Auflage) erschien
es 1900 in ziveiter Auslage, daitiit „die Arbeit
der christlichen Altertumswissenschaft nicht im
engen Kreis der Gelehrten begraben bleibt, sonhern
ins Weite unb Breite rückt, indem ich die Ergeb-
nisse der Forschung „gemein verständlich" darstelle"
(S. IV). Von Professor Bertrand wurde dann
diese detttsche popitlärwissenschaftliche Darstellung
1903 ins Französische übersetzt (Paris, Amat 1903).
Da der Verfasser bei Ausarbeitung des Vortrags
nach eigenem Geständnis von vornherein darauf
verzichtet hatte, die einschlägigen Belegstellen auf-
zuschreiben, war es ihm bei Herausgabe der zweiten
Auflage nicht mehr möglich, die Fundstellen an-
zugeben, bemerkt er selbst (S. III). Das unter-
blieb auch für die auf 200 Seiten angemachsene
Neuauflage, obivohl dort einschlägige Werke uttd
Organe ganz untergeordneter Art, Zeitschriften
und selbst Zeitungen in den Fußnoten erscheinen.
So hätten die Leser gewiß auch verdient, die
Namen der Hauptvertreter der christlichen Archäo-
logie ztt erfahren aus deren Werkelt Webers ge-
meinverständliche Zusammenfassung der Resultate
der Katakombenforschung hervorgegangen ist.

Nach einer schwungvollen Einleitung, deren
begeisterte Sprache in manchen späteren geschicht-
lichen Ausführungen wieder anklingt, behandelt
Weber in 5 Abschnitteti das weite Gebiet der
Roma Sotterranea, tut ersten (S. 4—45) An-
lage und Geschichte der Katakomben, im zweiten
(S. 45— 73) Inschriften, im dritten (S. 73—170)
die bildende Kunst, im vierten (S. 170—191)
Kleinkunst unb Handwerk, im fünften allzu kurzen
(S. 191—194) Abbildungen und Bibel. Die an
sich dankenswerten zahlreichen Abbildungen (225)
lassen ihrer Mehrzahl nach beit gewaltigen
Fortschritt in Auffassung, Reproduktion und Inter-
pretation der Katakombengemälde leider nicht
erkennen. Die Absicht des Autors, lieber ein
j ergänztes vollständiges Bild mit den Fehlern der
alteti Zeichner dem Leser zu bieten, als eine
photographische Reproduktion mit den Mängeln
der Zerstörung, mag die Wahl und Herstellung
solcher teilweise atavistischer Illustration in etwa
erklären und entschiildigen.

Unser besonderes Interesse erregt Die Mittei-
lung und Auswahl der Inschriften „aus jenem
Reichtum an Urkunden, Denkmälern unb Erin-
nerungen .... Denn wie der Heiland gen Him-
mel fahrend die Spur seines göttlichen Fußes
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