Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 25.1907

Seite: 64
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bei mag »och die Frage aufgeworfen
werde», ob es nicht ani Platze wäre,
wieder zu den in bestimmten mathemati-
schen Verhältnisse» zuin mockulus der
Kirche stehende» größere» Formen des
Kronleuchters zurückzukehren. Wir unser-
seits waren durchaus geneigt, die Frage
zu bejahen und entsprechend große Licht-
reifen zu empfehlen, die an architekto-
nisch (Vierung) oder liturgisch (Chor)
hervorragender Stelle anzubringen wären.
IV.

Endlich möge es noch gestattet sein,
einige Grundsätze kurz zusammenfassend
nuzufügen, die mehr die praktische Durch-
führung der Beleuchtung betreffen.

k. Die Beleuchtung des Schiffes soll
über das Notwendige nicht hinausgehen.
Wenn man die Kirche gleich in ein elek-
trisches Lampenmagazin verwandelt, kann
vvn künstlerischer Wirkung keine Spur
mehr sein. Und wenn vollends die
Lichlerpracht nur eine tiefe Armseligkeit der
Kirche zum Reflex hat, so ist das Miß-
verhältnis geradezu unerträglich. Eine er-
drückende Fülle von Lichtern wirkt un-
künstlerisch und abstoßend. — Die Be-
leuchtung des Schiffes fordert als ihr
Korrelat die entsprechende Beleuchtung des
Chores in Form von Altarbeleuchtung,
Beleuchtung der Chorstühle, (kleinerer)
Kronleuchter in der Mitte des Chores
und ähnliches. Wird nun das Schiff
mit Licht überflutet, der Chor dagegen
kaum mit Licht versehen, so erscheint er
wie ein dunkler Keller, wie eine unbe-
deutende Nebensache, anstatt eben als die
Hauptsache hervorzutreten.

2. Als eigentliches Nutzlicht muß die
Beleuchtung hergestellt werden im Chor
und in der Nähe der B e i ch t st ü h l e. Wo

lich die Rosenkranz-Kronleuchter auf: so z. B. der
im Dom zu Münster (15. Jahrh.) 10X& — 50
Lichter. Damit gewinne» wir eine annähernd
adäquate Idee der mittelalterlichen Beleuchtung.
Freilich ist für die Abschätzung der Beleuchtungs-
intensität noch zu berücksichtigen der Umstand, das; ■>
die am Kronleuchter auf verhältnismäßig engem
Raum zusammengestellteu Lichter sich gegenseitig
verstärkten, während die im Schiff der Kirche ver-
streuten Lichter von einander in bestimmten Ent-
fernungen standen, also eine schwächere Gesamt-
intensität entwickelten, so das; der Steigernngs-
nnterschied zwischen ihnen und dem Kronleuchter
tatsächlich noch größer war, als er in der bloßen
Verhältniszahl der Lichter zum Ausdruck kommt.

' besondere Tauf- und Beichtkapelleu vorhan-
den sind, können diese gut als Räume für sich
behandelt und nach Art einer wohlausge-
dachten Zimmerbelenchtung erhellt werden.

3. Die Verteilung der Lichter im Schiff
bezw. in den Schiffen konnte wohl in vor-
teilhafter Weise so eingerichtet werden,
daß bei den breiten Hauptschiffen in der
Mitte der Vankreiheu oder am Mittelgang
zu beiden Seiten zierliche und echt künstle-
risch behandelte (vielleicht schmiedeiserne)
Lichtständer als Träger der Lichtkörper
in angemessener Entfernung von einander
angebracht werden, so z. B. in Meßkirch,
in der Herz Jesu-Kirche in Linz u. a.
b) Eine zweite, nicht selten gesehene und
durchaus zulässige Art der Verteilung ist
die, bei welcher kleinere Kronleuchter in
den Arkadenreihen der Seitenmäude auf-
gehängt werden, c) Eine bessere Wir-
kung dürfte erzielt werden, wenn solche
in dem Mittelschiff selbst angebracht
werden, ck) In den Seitenschiffen lassen
sich Wandleuchter bequem aubringen.
e) Deckenlichter sind nur bei ganz nie-
deren Seitenschiffen anzuraten.

4. Es ist ratsam, die Leitungsdrähte
in Metallröhren zu ziehen, natürlich so,
daß sie dem Auge nicht sichtbar sind.
Die Leitung in die Mauer einzulasseu
und diese dann zu verputzen, ist durchaus
zu widerraten, da selbst bei trockenen
Mauern die Leitungsdrähte gerne zersetzt
werden, die schadhaften Stellen schwer
zu finden sind, die Reparaturen nicht selten
sehr kostspielig werden, ja eine völlige
Neueinrichtung in kurzer Zeit nötig werden
kann. — Endlich hüte man sich, die Ein-
richtung nach dein billigsten Preis bezw.
Angebot zu machen. Es ist kaum anders
möglich, als daß die Qualität der Ein-

j richtnng darunter leidet und auch hier
das Billigste das Teuerste wird: lieber
warten, bis das nötige Geld beisammen ist !
Denn auch hier gilt: Parit patientia
palmam.

Beiträge zur Ruusttopogruplue und
Aünstlergeschichte des bayerischen
Areises Schwaben.

Von Prof. Or. A l f r e d S ch rode r in Dillingcn.

Beiträge wollen nicht die angeschlagenen
Themata erschöpfen; ihre Absicht geht ba-
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