Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 25.1907

Seite: 69
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Herausgegebe» und redigiert von Professor Or. Ludwig Banr iu Tübingen.

Verlag des Rottcuburger DiLzesau-Aunstvereius;
Kommissioiisverlaa von Friedrich Alber in Ravensburg.

Jährlich 12 Nummern. Preis durch die Post halbjährlich M. 2.05 ohne
Jpji* 7 Bestellgeld. Durch den Buchhandel sowie direkt von der Verlagshnndluug 40)0^
/» Friedrich Alber in Ravensburg pro Jahr M. 4.10. y ('

Joseph Wannenmacher, Alaler.

(1722—1780.)

Von N. Weser, Kaplan, Gmünd.

Wenige und spärliche Quellen fließen
über den Freskonialer I o s e p h W a n n e n-
macher, der eine immerhin bedeutende
Tätigkeit in Württemberg und den an-
greuzenden Ländern Bayern und Schweiz
entfaltet hat. Das Künstlerlexikon
von Nagler fertigt ihn in ein paar Linien
ab. Rektor Klaus (Gmünder Künstler,
Württ. Vierteljahrshefte 1896, S. 319)
kennt nur wenige seiner Werke und führt
nicht einmal alle seine in Gmünd gemalten
Fresken auf. Pfeiffer (die Malerei
der Nachrenaissance in Oberschwahen, Württ.
Vierteljahrshefte XV 1903, S. 32) gibt
ebenfalls nur eine unvollständige Aufzäh-
lung seiner Werke, lieber das Leben
Wannenmachers berichtet Pfarrer Dieck-
mann im „Archiv für christliche Kunst"
XVlll 1900, S. 59, 60.

Die mehrjährige Tätigkeit des Malers
in Gmünd, wo zur Zeit ein Zyklus seiner
Fresken einer Restauration unterworfen
wird, hat den Verfasser dieser Skizze ver-
anlaßt, sich mit der Person und Wirksam-
keit des Künstlers näher zil beschäftigen.

Joseph Wannenmacher wurde geboren
zu Tomerdingen auf der schwäbischen Alb,
Oberamts Blaubenren, am 18. Sepl. 1722
als einziges Kind aus seines Vaters dritter
Ehe. Sein Vater, der Hafner Johann
Georg W., starb, 75 Jahre alt, am 18. März
1740, seine Mutter, Barbara Schmid von
Drackenstein, 88^/2 Jahre alt, am 23. April
1767. Am 4. März 1753 heiratete Joseph
W. die Anna Eva, geb. Lutz, aus Elt-

' mann in Franken am Main, eine Ver-
wandte des trauenden Geistlichen in To-
! merdingen. Das Ehepaar hatte 4 Söhne
1 und 5 Töchter. Fünf Kinder starben früh ;

sein letzter Sohn ward 1768 geboren,
j Von den Töchtern heiratete eine nach
| Stubenberg, zwei nach München. Nur von
j einem Sohn geben spätere Gmünder Akten
| eine Nachricht. Am 6. Dez. 1780 starb
Joseph Wannenmacher, versehen mit den
Sterbsakramenten. Seine Frau überlebte
ihn lange; sie starb erst 27. Dez. 1814,
ca. 90 Jahre alt, am Schlag. Sein elter-
liches Haus ist das sog. „Strohhansen"-
Hans; wo jetzt der Stall ist, war das
Malstübchen des Künstlers. Nach derlleber-
lieferung soll er viel Geld, „ganze Stumpen",
nach Hause gebracht haben; seine Frau habe
aber nicht sparen können. In einem Reise-
bericht von 1784 erkundigt sich P. Nepo-
muk Hautinger in Elchingen „nur das
Schicksal des Malers Wannenmacher und
seines Sohnes, unseres ehemaligen Schul-
kameraden" und bemerkt, es seien „beide
unglücklich und schon im Grabe", (ck. Or.
A. Fäh, die Bangeschichte der StiftSbib-
liothek zu St. Gallen, Zürich 1900, S. 20.)
Der hier genannte Sohn ist derselbe, welcher
1 776 mit dem Vater in Gmünd tätig war.

Bei dem gänzlichen Mangel von Nach-
richten über die Jugendzeit und die Lehr-
jahre des Künstlers sind wir außer Stande
zu sagen, in welcher Schule er den Grund
zu seinem Können gelegt hat. Mehrfach
in Gmünd und anderwärts bezeichnet er
sich auf seinen Gemälden als Pictcw
academico - Romanus. Das erstemal
finde ich diese Bezeichnung ans dem Decken-
gemälde zu Ave Maria-Deggingen mit der
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