Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 25.1907

Seite: 71
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2.

Abgesehen von der Scene aus dem Leben
des Papstes Urban II., deren Handzeichnung
ans dem Jahr 1760 datiert, haben mir
als erstes größeres Werk des aus Nom
zurückgekehrten Künstlers die Ausschmück-
ung der Kirche zu Talfingen bei Ulm
mit Fresken zu betrachten. Die Kirche
dieser zum heutigen Bistum Augsburg
gehörigen Pfarrei ist dem hl. Laurentius
geweiht. Damit war dem Künstler der
Stoff gegeben. Sämtliche Fresken be-
ziehen sich demgemäß auf Leben und
Wirken des hl. Laurentius.

Die Darstellung beginnt mit einem
Fresko unter der Empore, das wohl
die Aufnahme des hl. Laurentius unter
den Klerus bedeutet. In einem Zelte
sitzt der Papst Sixtus mit Kardinälen
und Bischöfen, vor ihm knieend als Edel-
knabe Laurentius, im Hintergrund das
römische Stadtbild und Soldaten. Die
Unterschrift zeigt aber, daß dieses Ge-
mälde zu den hier zuletzt gemalten zählt:
Jos. Wannenmacher, invenit et pinxit
1752. Daran schließen sich au drei Ge-
mälde an d e r O r g e l b r ü st u n g 1. links:
der Papst Sixtus im Gefängnis von zwei
Soldaten bewacht, wird von Laurentius
besucht; 2. in der Mitte: der Papst auf
dem Weg zum Martyrium, Laurentius
begegnet ihm, ein großes Gefolge von
Militär und Volk, mit der Unterschrift:

Jos. Wannenmacher, invenit et pinxit

1752; 3. rechts: Laurentius verantwortet
sich vor dem Richter über die Verwen-
dung der Kirchenschätze. Unter der Brü-
stung findet sich noch ein Gemälde: der
Schutzengel, der ein Kind vor der Schlange
beschützt.

Im Schiff folgt jetzt das Deckenge-
mälde mit dem Martyrium des hl.
Laurentius. Dieser liegt auf dem
Rost, drei Henker sind um ihn beschäftigt,
Heidenpriester und Volk bilden die Zu-
schauer. Ein Götzenbild des Zeus hat
der Heilige verachtet. Oben winken Engel
mit der Siegeskrone. Die Unterschrift:
Joseph Wannenmacher, invenit et pinxit
1751 erweist dieses Bild als das erste,
das uns als vom Meister ansgeführt be
kannt ist. (Fortsetzung folgt.)

Beiträge zur Runsttopographie und
Aünstlergeschichte des bayerischen
Areises Schwaben.

Von Prof. Or. A l f r e d S ch rüder in Dillingen.
(Fortsetzung.)

Wie in Deggingen verlieren sich auch
in Elch in gen die Anfänge in Dunkel.
Soviel steht aber fest, daß die noch junge
Stiftung in Adalbert einen Hirsauer Mönch
zum Abte erhielt, vielleicht um das Jahr
1142, wie sich vermutungsweise daraus
schließen läßt, daß die Klostertradition in
dieses Jahr eine Art zweiter Gründung
verlegt. Auf Hirsau weist auch das Patro-
zinium Petrus und Paulus hin, das sich
der Hauptpatronin, der Gottesmutter, bei-
gesellte. Aber vorab die Bauanlage
spricht hier unverkennbar für den Zu-
sammenhang mit Hirsau. Die Kloster-
kirche hat in Grund- und Aufriß die
Form, die ihr im 12. Jahrhundert ge-
geben worden war, fast unversehrt beibe-
halten, bis ein Brandschaden, durch Blitz-
strahl herbeigeführt, im Jahre 1773 das
Querschiff und die ganze Chorpartie zer-
störte. Die im Jahre 1782 zu Ende ge-
führte Nestanration schloß in sich den
Neubau der Kirche vom östlichen Ende
des Langhauses ab, die Errichtung eines
Notturmes, dessen Interimistikum bis
zum Neubau zweier westlicher Front-
türme dauern sollte, aber, da dieser Plan
vor der Säkularisation nicht mehr zur
Ausführung kam, bis heute dauert, und
die Dekoration der ganzen Kirche durch
den kurfürstlich Trierschen Hofmaler und
Dekorateur Januarius Zick aus München.
Es hat sich jedoch in Loä. ms. 378 der
Augsburger Stadtbibliothek ein Grundriß
und in der Kirche selbst ein Oelgemälde
mit der Außenansicht von Kirche und
Kloster vor dem Brand von 1773 erhalten,
und daraus kann in Verbindung mit dem
Befund des erhaltenen Langhauses die
romanische Anlage annährend vollständig
rekonstruiert werden. Denn bis 1773
hatte die Kirche nur wenige Veränderungen
erfahren; es wird von zwei Turmbränden
(1468 und 1546) berichtet, ferner von
einer Restauration um 1670, bei der mau
sich auf Einziehung von Gewölben und
Ausstellung neuer Altäre beschränkte, end-
lich von einer Restauration in den Jahren
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