Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 25.1907

Seite: 78
DOI Heft: 10.11588/diglit.15940.51
DOI Artikel: 10.11588/diglit.15940.52
DOI Seite: 10.11588/diglit.15940#0085
Zitierlink: i
http://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/afck1907/0085
Lizenz: Creative Commons - Namensnennung - Weitergabe unter gleichen Bedingungen
0.5
1 cm
facsimile
78

drei vorderen Stücklein der „Borkirche"
verfertigt hat.

Den t 3. Sept. 1752 sing Herr W.
an, die Kuppel zu malen; die vorige Zeit
befand er sich in Schw. Gmünd in der
Arbeit, allwo er eine geraume Zeit krank
gelegen.

Den 3. Okt. 1752 ist die Kuppel samt
deren vier Schilden (Medaillons) von Herrn
W. zu End gebracht worden.

Den 5. Okt. hat er das Bildnis S.
Apollonia außer dero Kapelle gemalt,
welches Herr ?. Antonius Baumann ex
clevotione per 4 sl. bezahlet hat.

Den 26. Okt. ist von Herrn W. die
Kirche in völligen Stand gebracht worden;
er hat auch das Feldlein an der Kanzel
gratis gemalt."

In der Heiligenrechnung, welche am
14. März 1753 von Rmo. D. Domino
abgehört und recht befunden worden, ist
für W. ein Posten von 250 fl. verzeichnet.
Da der Ort Talfingen nur wenige Stun-
den von der Heimat des Künstlers ent-
fernt liegt, so läßt sich vermuten, W.
werde sich selbst für diese Arbeit bemüht
und einen so billigen Preis augesetzt haben,
um sich damit weiter zu empfehlen. Oder
haben ihn Lauinger Künstler nach Tal-
fingen empfohlen? Ist vielleicht in Lau-
ingen oder Gundelfingen oder Weißenhorn
der Meister zu suchen, der ihn in die erste
Lehre nahm?

3.

Noch während der Arbeiten in Tal-
singen, die in den zwei kurzen Fristen
vom 27. September bis 24. November
1761 und vom 13. September bis 26. Okto-
ber 1762 vollendet wurden, ist der Künstler
wahrscheinlich durch Empfehlung eines
Klosters mit den Gmü»der Franzis-
kanern bekannt geworden. Diese hatten
ebenden inneren Barockumban ihrer Kirche
vollendet und suchten nach einem Meister,
der ihre Kirche mit Fresken ans dem Leben
des hl. Franz von Assisi schmücken sollte.
Sie beriefen hiezu im Jahr 1752 eben
unfern Wannenmacher. Hier war diesem
Gelegenheit geboten, in großen Kompo-
sitionen sein Talent zu versuchen.

Beginnen wir mit der Schilderung der
Malereien im Chor und Presbyterium.

lieber beiu gewaltigen Hochaltar in den
Zwickeln zwischen den Gewölberippen sind

die vier damals bekannten Welt-
teile in reichen Stuckkartnschen gemalt:
1. Europa, eine Frauengestalt mit der
Mauerkrone geziert, in der linken Hand
die Erdkugel mit dem Kreuz, in der rechten
ein abwärts gesenktes Scepter und an der
rechten Seite ein Pferd. 2. Afrika, ein
Neger von gedrungenem Körperbau, reichem
Haarputz und Schmuck (Ohrgehänge, Arm-
spangen aus Peilen), mit der linken Hand
einen Elephantenkopf umfassend, zu seinen
Füßen orientalische Pflanzen, in der rechten
Hand eine Zauberwurzel (links). 3. Asien,
iine männliche Figur mit Schnurrbart,
einen Turban auf dem Haupt, in der
Rechten eine mit dem Halbmond gekrönte
Fahne, in der Linken den krummen Säbel,
rechts Wehrgehänge, an der rechten Seite
ein Löwe; die ganze Figur sitzt auf einer
Felsplatte (rechts, gegenüber von Afrika).
4. Amerika, ein nackter Mann von brauner
Hautfarbe, mit reichem Federschmuck auf
dem Kopf und mit Httftenschurz aus Federn,
in der Rechten den Bogen, zur rechten
Seite ein Flußpferd, die linke Hand aus-
gestreckt nach einem Papagei, der auf einem
Vaumstnmpf sitzt (gegenüber von Europa).

Da der Choraltar der Himmelskönigin,
der Unbefleckten, geweiht ist, so soll wohl
in diesen Zeichnungen der Gedanke znm
Ausdruck kommen, daß alle Weltteile Maria
huldigen. Im großen mittleren Zwickel
des Presbyteriumgewölbes findet sich des-
wegen in einer reichen Stuckkartusche das
große Bild der Unbefleckten. Der heilige
Geist in Gestalt der Taube, die den Ring
im Schnabel hält, schwebt, von Engeln
umgeben, über Maria, die mit weißem
Untergewand, rotbraunem Obergewand
und blauem flatterndem Mantel bekleidet,
mit deni linken Knie auf der Weltkugel
kniet. In ihrer linken Hand hält sie ein
Scepter, aus dessen unterem Ende Pfeile
hervorblitzen auf einen beflügelten Cupido,
der rücklings niederstürzt, so daß ihm seine
Pfeile aus dem Köcher fallen. Die Binde,
die seine Augen verhüllt, sucht er im Fallen
zurückzuschieben, wie um zu sehen, von
wem der unvermutete Angriff ausgeht.
Auf der Weltkugel ist der Sündenfalt ge-
malt. Mit dem rechten Fuß zertritt Maria
die Schlange, die den Apfel im Nachen
hält. Zwei Engel links unten halten eine
Schriftrolle: lVlater Del sine Dabe Lon-
loading ...