Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 25.1907

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Auf dieser Vision des Frater Augustinus beruht
die Anschauung, das; Franz wie Elias zui» Hnn-
niel gefahren sei. Noch wehr lehnt sich an den
Bericht über Elias an das Ncnnoffizium des
Julian von Speyer (ch t 285) über den hl. Franz,
(cf. Julian von Speyer, die liturgischen Reim-
osfizien auf den hl. Franziskus und Antonius,
cd. P. Hilarin Felder, Freiburg 1901.) Hier
heisst es in der Antiphon zum Magnifikat
O stupor et gaudium
O iudex liomo mentium
Tu nostrae militiae

Currus et auriga. 4 Reg. 2, 12 »Eli-

seus autem videbat et clamabat: Pater mi,

pater mi currus Israel et auriga eius.«
Ignea praesentibus
Transfiguratum fratribus
In solari specie
Vexit te cjuadriga.

Hicinit stimmt die Eegenda »ad hoc quo-
rundam«, wahrscheinlich von Julian von Speyer
(Acta SS. Oct. Tom II p. 204), wo es heißt:
triplicis militiae currus et auriga digne
dici mernit. Hier sind die drei Orden triplex
militia genannt, welche durch die drei Rosse auf
unserem Bild bezeichnet sind.

Ilm zu unserem Bilde zurückzukehren,
so fährt Franziskus stehend in dem von
drei Rossen gezogenen, von einem Flammen-
meer umgebenen Wagen in die Höhe, wo
ihn die Dreifaltigkeit erwartet. Von unten
schauen ihm nach Mitglieder der drei Orden,
ein Papst, ein Bischof, ein König und
fünf Ordensmänner (links), eine Ordens-
frau (S. Klara), eine Fürstin (Elisabeth)
nub zwei Ordensfranen (rechts). Unten
ans einem Felsstück liest man: Jos. Wan-
nenmacher, invenit et pinxit 1752.

(Fortsetzung folgt.)

Glasfenster für ärmere Airchen.

Von Professor F>r. L. Baur, Tübingen.

Wenn wir irgendwo einmal aus der
Geschichte der christlich-kirchlichen Kunst
etwas zu praktischer Verwertung lernen
können, so ist es ganz geiviß da, wo es
sich darum handelt, Glasfenster für
ärmere Kirchen zu beschaffen, die nicht
allzu teuer, aber edel, echt künstlerisch ent-
worfen und des Gotteshauses würdig herge-
stellt sind. Mit banger Sorge sieht der mit
allztlreichen Kapitalien nicht gesegnete Bau-
herr seine Bausiunme schon für die aller-
notwendigsten Anschaffungen dahinschwin-
den ; für die Beschaffung von Fenstern
scheint nichts oder nur mehr wenig übrig
zu bleiben. Zwar sieht er gar wohl, daß
in der Kirche ein völlig ungebrochenes
Licht durch ganz weiße Gläser oder gar

durch Tafelscheiben die ganze Stimmung
des heiligen Raumes stört; er anerkennt
die Notwendigkeit, seiner Kirche durch ent-
sprechende Glasfenster jene zarte, abge-
tönte, gedämpfte Belichtung zu geben, wie
sie dem Kirchenraum, der Stätte des
Gebetes und Opfers, der weihevollen
Wohnung des Herrn, der heiligsten,
süßesten, ergreifendsten Geheimnisse ent-
spricht. Aber zu farbenprächtigen, teuren
fignralen Fenstern in Antikglas reichen die
Mittel nicht, und billige Schundware soll
und will er für das Gotteshaus nicht ver-
wenden. — Was ist zu tun? — Das
nächste, allerbescheidenste und wohl in den
meisten Fällen ergriffene Auskunftsmitlel ist
die Verwendung einfacher Butzenscheiben.
Sie sind aber weder das schönste, noch das
einzige Auskunftsmittel. Die Alten geben

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Nein geometr. Muster.

uns einen trefflichen Fingerzeig: Es war
ans dem Generalkapitel des Zisterzienser-
ordens vom Jahre 1134, auf welchem
strenge Beschlüsse gefaßt wurden, die eine
möglichst anzustrebende Einfachheit im
Kirchenban und einer Ausschmückung als
verbindliche Norm für den Orden von
Eitaux zum Gegenstand hatten. In den-
selben wurde auch hinsichtlich der Glas-
malerei und ihrer Verwendung in den
Zisterzienserkirchen eine dahingehende Be-
stimmung getroffen. Sie lautete: »Vitreae
albae tränt et sine crucibus et picturis.«
Damit mar nun für die Zisterzienser genau
die Sachlage geschaffen, die wir eben
voraussetzten : ohne erhebliche Kosten Glas-
fenster zu beschaffen, welche keine Male-
reien enthalten nub doch den ästhetischen
Zweck der Glasfenster in der Kirche er-
füllen sollten. Das gab nun den Anlaß
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