Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 25.1907

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Joseph Wannenmacher, Maler.

0 722—1780.)

Von R. Weser, Kaplan, Gmünd.

(Fortsetzung.)

Das -weite Deckengemälde ist ein Fran-
ciscus in throno. In einem herrlichen
Nokokvthronsessel sitzt Franziskus, die
Rechte segnend erhoben, über dem Thron
schwebt die „Taube" und Engel mit Kreuz,
Gürtel, Skapulier und Ordensgewand, zu
seinen Füßen sitzt links ein Engel mit
Barett und Bischofsstab und Papstkrenz,
Kardinalshut und Pallium, rechts ein
solcher mit Fürstenkrone und Lilie und
Palmzweig. Links zur Seile des Thrones
halten drei Engel ebenso viele Bücher,
aufgeschlagen und beschrieben mit den
Titeln: Regula Paenitentium, Regula So-
rorum pauperum, Regula fratrum Mi-
norum. Rechts vom Throne wieder drei
Engel, von denen jeder schützend eine
Kirche hält (drei Orden). Unter dem
Throne noch zwei große Engel, deren einer
Kreuz, Cilicium und Geißel als Zeichen
der Buße hält; der andere zeigt hin ans
eine von einem Engelchen gehaltene Kar-
tusche mit der Inschrift Sub Typo Trium
ordinum 1 res Nutu Dei l’raevio Eccle-
sias Erexit. ex off. ord. Seraph. In
einer Wolke darunter ist wieder zu lesen:
Jos. Wannenmacher fecit 1752.

Das dritte große Gemälde im Schiff
oder über der Orgelempore ist die B e r-
h e r r l i ch u » g desHeiligen imHi m-
m el. Vier muskulöse Engel heben und
schieben auf Wolken den Heiligen in den
Himmel zur heiligsten Dreifaltigkeit. Maria
mit der Sternenkroue, die Schlange zu
ihren Füßen, bittet Jesus, den Heiligen
zu krönen, dessen Orden ihre unbefleckte
Empfängnis verteidigten. Heilige, links
und rechts, Johannes der Täufer, Petrus,
den Schlüssel schwingend, S. Joseph mit
der Lilie, David, Harfe spielend, sind
Zeugen der Krönung des Heiligen. Ganz
unten auf der Weltkugel steht die Inschrift:
Josephus Wannenmacher, Tomertin-
gensis invenit et pinxit 1752.

An den Seitenmänden des Schiffes ganz
oben befinden sich, in ovale Stuckrahmen
eingemalt, zwölf Heilige der drei Orden,
von denen aber nur wenige erkennbar
sind, so S. Franziskus, S. Bernardin von

Siena, S. Klara von Assisi, S. Ludwig IX.,
S. Ludwig von Toulouse, der Patron der
Kirche, und S. Antonius; die andern sind
zu sehr verdorben und verdunkelt.

Ueber den Seitenallären sind in gleicher
Größe Jesus und Maria gemalt.

Sehr interessant sind noch drei große
Fresken an der Orgelempore. Sie schil-
dern die „heilige Musik". Auf dem lang-
gestreckten Mittelfeld sitzt S. Cäcilia an
der Orgel, vor ihr und hinter ihr ist eine
große Anzahl von Engeln, eine himmlische
Kapelle, beschäftigt, ihr Spiel auf allen
möglichen Instrumenten zu begleiten; andere
tragen Notenrollen in den Händen und
singen zum Spiel der Heiligen — es ist
die himmlische Musik zur Darstellung ge-
bracht.

Das Bild links schildert die Ueber-
tragung der heiligen Lade auf die Burg
Sion. David, der König, schreitet tanzend
und die Harfe spielend voran. Auch die
ihn vom Fenster des Palastes herab
verspottende Michol ist nicht vergessen.
Hiemit ist die Musik, die den feierlichen
Gottesdienst (Prozessionen) verherrlichen
soll, gekennzeichnet.

Auf dem rechten Seitenbild sehen wir
Jephla, von seinen Kriegern umringt, auf
dem Schlachtroß sitzend, siegreich nach
Haufe kehren. Doch wie er seine einzige
Tochter mit ihren Gefährtinnen cum
tympanis et choris (Jud. XI, 34) sich
entgegenkommen sieht, will er sich erschreckt
abmenden, da die furchtbare Größe deS
von ihm gelobten Opfers ihn mit Trauer
erfüllt. Das Bild soll schildern die Musik,
die das heilige Opfer begleitet. HimmelS-
mnsik, Festmusik und Opfermusik sind also
auf diesen drei Fresken auf einen schönen
Ausdruck gebracht. Leider haben diese
Bilder, die ein herrliches Kompositions-
talent verraten, im Laufe der Zeit schwer
gelitten. Sprünge und Risse durchziehen
sie und die Farbe hat viel eingebüßt von
ihrem ehemaligen Glanze.

Damit haben wir die erste größere
Kirchenmalerei unseces Künstlers kennen
gelernt. Auch heute noch, nach über 150
Jahren, vermag uns das Werk zu impo-
nieren, obwohl es gar viel unter der Un-
gunst der Witterung und unter der Ein-
wirkung des Staubes gelitten hat, und
obwohl die Bilder und ihre mitunter feine
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