Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 25.1907

Seite: 97
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Lserausgegeben und redigiert von Professor Or. Ludwig Baur in Tübingen.

Verlag des Rottenburger Diözesan-Iliinstvereins)
Rominissionsverlaa von Friedrich Alber in Ravensburg.

Jährlich 12 Nummern. Preis durch die Post halbjährlich M. 2.05 ohne
ißlr» TO Bestellgeld. Durch beit Buchhandel sowie direkt von der Verlagshandlung TQ07
Friedrich Alber in Ravensburg pro Jahr M. 4.10. '

Beiträge zur Kunsttopographie und
Künstlergeschichte des bayerischen
Kreises Schwaben.

Von Prof. vr. A l f r e d Schröder in Dillinge».

(Fortsetzung.)

B. Maler.

Van den in Oberschwaben tätigen Malern
der Nachrenaissance und von ihrer Kunst
hat Piof. Or. V. Pfeiffer im Jahr-
gang 1903 der „Wttrtternb. Vierteljahrs-
hefte für Landesgeschichte" eine feine, stellen-
weise geradezu klassische Charakteristik und
im Anschluß daran ein umfassendes Ver-
zeichnis der Künstler und ihrer Werke ge-
geben, das jeder Interessent jederzeit mit
warmem Dank und nie erfolglos zur
Hand nehmen wird. Die Freskomalerei
behauptet in diesen Gegenden seit dem
18. Jahrhundert künstlerisch und nach Zahl
und durchschlagender Wirkungskraft ihrer
Schöpfungen weitaus den Vorrang vor
der Tafelmalerei und zugleich in der Ma-
lerei der ganzen Periode die erste Stelle.
Seine Blüte verdankt dieser Zweig der
Malerei fast ausschließlich der katholischen
Kirchenarchitektur, die sich mit dem zuneh-
menden Rokoko in immer steigendem Maße
der Freskomalerei bediente, um durch die
Mittel und Künste der Farbe und Per-
spektive der Raumwirkung den Charakter
des Frohen, Freien und Leichten zu sichern,
den die Architektur nur innerhalb der
Grenzen der statischen Gesetze anstreben
kann. Daher kommt der Arbeit Pfeiffers
gerade für die kirchliche Kunst, ihre Wür-
digung und ihr Verständnis, eine hervor-
ragende Bedeutung zu, worauf ich umso
lieber Hinweise, als sich dieser gründliche

Forscher durch seine stets formgewandten
und anziehenden Arbeiten einen Platz
unter den Bahnbrechern einer richtigen
Beurteilung und entwicklnngsgeschichtlichen
Auffassung der lang verachteten Spälknnst
errungen hat.

„In Süddeutschland war um die Mitte
des 18. Jahrhunderts in der Malerei . . .
Augsburg der weithin herrschende Vorort"
(Pfeiffer, Die bildenden Künste in
Württemberg unter Herzog Karl Eugen,
1906, S. 68). Als Hauptträger dieses
Ruhmes in der Freskomalerei darf, da
dessen Begründer, Joh. Georg Berg-
müller, 1688—1762 seine Tätigkeit
damals schon einzuschränken begann und
der ganz vortreffliche Joh. Holzer schon
1740 im Alter von 31 Jahren gestorben
war, Matthäus G ü n t h e r (1705 bis
1788)1) gelten, gebürtig aus Unterpeissen-

0 Eine Monographie über ihn vermißt man
immer noch. In der Allgemeinen deutschen Bio-
graphie ist der Meister auch im Nachtrag nicht
vertreten (!). Ebensowenig sindet er in den Kunst-
geschichtshandbüchern eine Stelle. Als kleinen
Behelf für den künftigen Biographen notiere ich
die Literatur über Günther. Zuerst unter den
Neueren scheint Korn. Gur litt auf ihn hinge-
wiesen zu haben (Geschichte des Barockstiles und
des Rokoko in Deutschland 1889, 318). Wichtig
sind die Mitteilungen des Zeitgenossen P. von
Stetten, Kunst-Gewerbe- und Handwerksge-
schichte der Reichsstadt Augsburg 1779, 350 f.,
II. Teil, 1788, 208 f. Biographisches bei Hager
im Oberbaperischen Archiv 48 (1893,94), 472 f.,
Riehl, B., in der Zeitschrift des bayerischen
Kunstgewerbevereins 1893, Heft 3 und 4, S. 25.
Riehl, B., Die Kunst an der Brennerstraße
1898, bespricht die hier anzutreffenden Fresken
Günthers. Sponsel, L., Die Abteikirche zu
Amorbach 1896, 28—34. Haggenmiller, H.,
Ein Porträt des Frcskomalers M. Günther (Alt-
bayerische Monatsschrift 3, 1901, 33—25, mit
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