Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 25.1907

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aus Jsny. Charakteristisch für die Muste-
rung der Zeit, um 1800 ist noch ein Ge-
ivaud aus Waldsee, das auf ausgeuähtem
Silbergrund 3 Reihen vvn in Gold ge-
stickten Piuieuzapfeu (aus dem Wappen
der Waldburg) aufweist. So ließe sich
noch auf manches interessante und wert-
volle Stück Hinweisen, aber diese Andeu-
tungen mögen genügen. Es soll nur noch
erwähnt werden, daß auf Tischen und in
den Schränken verteilt Kelchdeckchen, Sto-
len, Taufhäubchen u. a. kleinere kirchliche
Stickereien das Auge des Beschauers er-
freuen. So wurde denn durch diese Aus-
stellung ein umfassendes Bild von der
ehemaligen klösterlichen Stickkunst Ober-
schwabens geboten, wie es so bald nicht
wieder wird vorgefnhrt werden können.
Die Ausstellung mußte am 8. September
geschlossen werden. Eine Publikation der
bedeutendsten Stücke ist in Vorbereitung.

Joseph wanneiimacher, 2Haler.

(1722—1780.)

Von N. Weser, Kaplan, Gmünd.
(Fortsetzung.)

5.

Unter den Arbeiten in Gmünd war
das Jahr 1753 zit Ende gegangen. Eine

Rve Maria bei Deggingen.

(Vom „Schwäbischen Albverein"
yütigst überlassen.)

neue, große und dankbare Aufgabe er-
wartete den Meister fürs Jahr 1754.
In der Wallfahrtskirche Ave Maria
bei Deggingen ini Filstal, 1716—18
erbaut, war um 1750 die innere Einrich-
tung der Kirche mit der Aufstellung der
Kanzel und Seitenaltäre soweit gediehen,
daß man zur Ausmalung schreiten konnte.
Wannenmacher ward hiezu berufen und sein
Werk half mit dazu, diese Kirche zu einem
Juwel zu machen. Zwar ist die ganze Kirche
in den Blättern des Schiväb. Albvereins
VI, 157 und durch H. Neher, Wallfahrts-
büchlein für Ave Maria bei Deggingen,
Deggingen 1903, beschrieben worden. Doch
erachten wir eine besondere Beschreibung
der Malereien für nötig, weil wir sie
der Welt der Kunstverständigen näher
bringen wollen und weil wir durch Au-
topsie in vielen Punkten genauere Kennt-
nis gewonnen haben, als sie die genannten
Aufsätze verntitleln.

Wie der Name der Kirche, Ave Maria,
zeigt, ist dieselbe unter dem Titel „Mariä
Verkündigung" geweiht. Diesem Glanbens-
geheimnis ist demnach auch die malerische
Ausschmückung gewidmet, näherhin der
unbefleckten Gottesmutter.

Das Hanptbild an der Decke des Schiffes
(s. nächste Seite), von dem die Darstellung
auszugehen hat,
ist demnach eine
Glorifizierung der
Unbeflecktheit. In
eine große ovale
Stuckrahme hin-
einkomponiert,
stellt das Fresko
zunächst den Sün-
denfall im Para-
diese dar. Ans dem
mit reicher Vege-
tation bewachse-
nen Grunde, der
von allerlei Tieren
(belebt ist, erhebt
sich ein Baum, an
dessen Fuß ein
Ochse (Sinnbild
des Eigenwillens)
ckauert. Um den zu
massigen Stamm
windet sich eine
Schlange in das
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