Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 25.1907

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esses sponsa immaculata Dei. S t. A n-
selm voii Canterbury sieht in einer
Erscheinung Maria mit der Sternenkrone;
ein Engelein belastet einen der Sterne.
Der Heilige spricht: Decebat Mariam
matrem Dei esse sine labe originali.
Aehnlich St. Do mini k u s mit vier Rosen-
kränzen: Mariarn decuit pro secundo
Adam illibate ortam. Das Schlußlied
singt St. Bernhard in von Siena
mit den Worten: IVlaria maculas Adae
non admisit. Mystik und Theologie sind
durch den Pinsel des Künstlers vereinigt
zum Lobpreis der Unbefleckten. Diese
feinsinnige und feingestimmte Arbeit niag
wohl das ganze Jahr 1754 in Anspruch
genommen haben. Leider konnte ich keine
Nachrichten erhalten über die Belohnung
des Malers für sein auch jetzt noch sehr-
gut erhaltenes Werk.

6.

Der Ruf Wannenmachers muß sich in
Schwaben rasch weit verbreitet haben,
daß ihm Jahr für Jahr so bedeutende
Aufträge zu teil wurden. Mit seinem
Namen und der Jahreszahl 1755 sind
die Fresken der Dominikanerkirche
(jetzt evangelische Stadlpfarrkirche) in
R o t t w e i l bezeichnet. In Keppler, Württ.
kirchl. Altertümer S. 300 und anderwärts
wird gewöhnlich nur das Gemälde: „Mar-
schall Gnebriant belagert Rottweil" als
von ihm herrührend angegeben. Wie wir
sehen werden, stammt aber die ganze Fresko-
nialerei von unserem Maler her. Der-
einst herrliche frühgotische Bau wurde
1753 verzopft; zwei Jahre darauf wurde
W. berufen, nur die Kirche zu Ehren der
Nosenkranzköuigin und des hl. Dominikus
mit Fresken auszustallen. Betrachten wir
sein Werk!

Im Chor sind zwei große Plafvndge-
mälde. Das vorderste ist eine Glorie
des hl. Dominikus: Zu der von
Engeln umgebenen Dreifaltigkeit und zur
Himmelskönigin mit ihreur Lilienscepter,
die von Engeln und den hl. Petrus und
Paulus begleitet ist, schwebt Dominikus
empor, Lilienstengel und Abtsstab in sei-
nen Händen. Unter ihm links in freu-
diger Bewegung heilige Dominikanerinnen,
wie Katharina von Siena, rechts heilige
Dominikaner, rvie Vinzenz Ferrer mit der

Posanne, Bernhardin von Siena, Tho-
mas von Aquin. Inschrift: J. W. inv.
et pinxit 1755. Das Bild ist umgeben
mit vier Medaillons: 1. Eine gekrönte
Frauengestalt mit Scepter, auf einen Pfau
hinzeigend; 2. eine Frauengestalt mit
Mauerkrone und Früchtenfüllhorn, auf
einem Löwen sitzend, in der Linken eine
Sichel; 3. der Adler, der im Feuer sich
verjüngt; 4. der Pelikan auf seinem Neste,
der sich die Brust aufreißt.

Das zweite Bild ist die Uebergabe
des Rosenkranzes an Dominikus:
über der Erdkugel, die umgeben ist von
den Repräsentanten der vier Weltteile
(vgl. Gmünd und Deggingen: Ave Maria),
in den Wolken knieend St. Dominikus
mit dem Rosenkranz. Drei Engel um-
schweben ihn, der eine hält drei Fahnen,
eine weiße mit Kranz von Rosen und
Namenszug Mariä, eine gelbe mit Rosen-
kranz, eine graue mit Mariä Namenszug
(densreudenreichen, glorreichen und schmerz-
haften Rosenkranz sinnbildend). Der an-
dere Engel trägt Abtsstab und Lilie, unter
ihm der Hund mit der brennenden Fackel.
Der dritte Engel weist den Heiligen auf
Maria hin, die diesem den Rosenkranz
zeigt, und mit Sternenkrone und Lilie
geziert ist; zuoberst Christus mit drei
Pfeilen iu der erhobenen Rechten. Die
Erdkugel trägt die Inschrift: J. W.
invenit er pinxit 1755. Links vom
Bild in einer Kartusche Neptun mit dem
Dreizack, rechts ein Jüngling, das Haupt
bekränzt; von einem mit Weinlaub
umschlungenen Baum hängt eine Harfe
herab.

An der linken Chorwand befinden sich
noch drei Medaillons: in der Mitte Jesus
auf den Wolken, in der Linken den mit
Kreuz geschmückten Erdball hallend, die
Rechte segnend erhoben; links davon Pe-
trus mit Schlüssel und Buch, rechts Paulus
mit Schwert und Buch.

J»r Schiff befinden sich drei große Decken-
gemälde. Das erste schildert den Sieg
der Christen bei Lepanto, welcher
der Fürbitte der Rosenkranzkönigin zuge-
schrieben wird. Auf die feindlichen Schiffe
fahren von einem dreifachen Kreuz, das ein
Engel hält, Blitze hernieder; drei andere
Engel stoßen in die Posaunen, ein kleiner
Cngel trägt ein Körbchen mit Rosen.
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