Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 25.1907

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Rechts kniet der Papst Pius V. vor einem
Marienbild mit Kreuz und Rosenkranz in
der Hand, über ihm schwebt die Taube
des hl. Geistes. Der Sieg bei Lepanto
7. Oktober 1571 gab bekanntlich den An-
laß zur Einführung des Festes Mariä
vom Sieg, des RoseukrauzfestesP)

Wie nach diesem Bild die katholische
Christenheit den Sieg über die Türken
der Hilfe Mariens zuschrieb, so zeigt das
folgende, daß die Rottweiler den Tod
eines Feindes und die Befreiung von der
Belagerung ebenfalls der Fürbitte der
Rosenkranzkönigin zugeschrieben haben.
Das Bild ist das berühmteste dieser Kirche:
die Belagerung R o t t w e i l s durch
den französisch en Marschall Gue-
b r i a n d, 17. Nov. 1643, cfr. Brinzinger,
„Württ. Vierteljahrshefte" 1902, XI, 215.
In der Mitte des Gemäldes sehen wir
das schone Stadtbild Rottweils, und in
ihm groß und deutlich erkennbar gemalt
den Hochturm, die Heiligkreuz-, Kapelleu-
und die Dominikanerkirche. Auf die letztere
geht ein Lichtstrahl herab vou einem Bild
am Himmel, das Maria darstellt mit dem
Jesuskind, deren Mantel von Engeln ge-
halten wird. Vor den Mauern der Stadt
schaut man, sehr lebendig gemalt, die Zelte
der Belagerer und die Feldgeschütze, die
ihre Feuerschlünde gegen die Stadt richten.
Aus einem von zwei Nossen gezogenen
Wagen fällt, durch ein Geschütz verwundet,
der belagernde General. Weiter rechts
kniet eine den Rosenkranz betende Schar
von Dominikanern und Einwohner der
Stadt. Im Hintergrund des Gemäldes
ist ein reich verzierter Nokokothron aufge-
schlageu. In der Mitte sitzt die Fides
in reichem Gewand mit Kelch und Hostie
in der Rechten und der Feuerflamme über
dem Haupt, links die Charitas mit dem
feurigen Herzen, rechts die Spes mit Anker
und Blätterzweig. Darunter steht das Auto-
gramm des Künstlers in folgender Form:
Josephus Wannenmacher Academico
Romano Pittore de Tomertinga in-
venit et fecit 1755.

An dieses glänzend ausgesührle Histo-
rienbild unseres Künstlers schließt sich das
dritte große Plafondgemälde an: St. Do-

0 Dieses Bild war zum Teil herabgefallen;
die linke herabgefallene Seile wurde von einem
Maler Bauer aus Biberach wieder ergänzt.

minikus als Fürbitter im Himmel,
ebenfalls unterzeichnet: J. W. invenit et
fecit 1755. Der offene Himmel zeigt
Gott Vater und den hl. Geist. Der Thron
des Sohnes ist leer. Er ruht als Kind
auf Mariens Armen, zu deren Rechten
Dominikus steht mit Rosenkranz, Lilie,
Weltkugel und dem Hund mit dem Feuer-
brand ; auf der anderen Seite steht Rosa
von Lima mit Kreuz und Lilie und den
Rosenkranz haltend, der ihr von Jesus
und Maria entgegengehalteu wird. Ein
Engel zu ihren Füßen hat ein Schriftstück
in der Hand, auf bent zu lesen ist: Fiat.
Es bedeutet die Gewährung und Erhörung
der Bitten, die an die Heiligen gerichtet
werden. Eine Frauengestalt, die Kirche
sinnbildend, streckt dem Engel ein Blatt
entgegen mit der Inschrift: Devotionem
und weist hin auf ein anderes, das ein
junger Mann hält, der Sanitätern erfleht.
Ein Greis mit Brille hat auf seinen Zettel
geschriebeil: Bonam mortem. Eines von
den drei Kindern einer abgehärmten allen
Frau bittet: Panem. Eine alte Frau
mit Rosenkranz, eine junge, etwas üppige
Gestalt fleht Veniam peccatorum. Ein
Beamter, dessen Linke einen umgewendeteu
leeren Beutel hält, bittet um Ofhciurn,
eine Stelle. All diesen Bedrängten ge-
sellt sich noch bei eine Gruppe von vier
Personen: ein bresthasler Manu und drei
bettelnde Frauen.

Die drei großen Hanptbilder im Schiss wer-
ven von ncht Medaillons flankiert: 1. eine Frauen-
gestalt mit Lorbeer (Sieg); 2. eine Frau mit Lorbeer
ums Haupt und in der Hand die Palme, neben sich
Zelte, Lanzen, eine Hand ruht ans einem Helm
(Friede); 3. Franengestalt, in der hocherhobenen
Rechten eine überlaufende Schale, in der Linken
einen Zaum (Mäßigung); 4. Frnuengostalt, in
der Rechten eine Fackel, in der Linken einen
Pfeil (Wahrheit?); 5. Frau mit einem pfeil-
durchbohrten Herzen (Mitleid); 6. die „Gerechtig-
keit" mit Wage und Seepter, auf einer Wolke
liegt ein Schwert; 7. die „Klugheit", in der
Rechten eine Schlange, in der Linken einen
Spiegel; 8. der „Starkmut", in kriegerischer
Rüstung, mit der Linken eine Säule, mit der
Rechten ein Schwert haltend.

Eine Reihe von Medaillons sind noch gemalt
in der Seitenkapelle, die sich längs des ganzen
Schiffs hinziehen: 1. das Monogramm 114 8;
auf deni Querbalken des 14 steht Jesus als Kind
mit dem Kreuz, von dem Querbalken hängt ein
Teppichlein herab; unten sind drei Engel mit
drei Nägeln; 2. St. Dominikus, auf Wolken
thronend, die Hände erhebend, die von Engeln
einen Rosenkranz empfangen, nuten Erdkugel mit
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