Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 25.1907

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Beiträge zur Runsttopographie und
Künstlergeschichte des bayerischen
Kreises Schwaben.

No» Prof. £>7. A lfredSchrödc r i» Dillingeu.

(Schluß.)

Von bcm sehr tüchtigen Freskanten
Joh. Ab Zick (geb. in Oiiobeuren 1708,
iietulbet in Venedig, in München ansässig,
-j- 1702) besitzt die Pfarrkirche zil Le nt er-
setz ach (Bez.-Amt Marklotzerdori) ans-
gezeichnete Fresken, nämlich am Tonnen-
gewölbe des Chores die Tnnfe Christi,
an der flachen Langhausdecke die Ent-
hauptung des hl. Johannes, ferner Apostel-
bilder in Kartuschen und im Chor Wand-
fresken (Schutzengel und der hl. Michael).
Die beiden Deckenbildcr nehmen je die
ganze Deckenfläche ein. Das Langhaus-
fresko, bezeichnet l. LI. Zickh / invenit
et pinx. / 1737, eine stark bewegte Szene
von kühner Komposition, bebeniet für den
damaligen S.tand der Freskomalerei in
Deutschland eine ganz hervoi ragende
Leistung.

Im Jahre 1749 wurde Zick neben
Jos. Wannennracher aus Tomerdingen
zur Ausmalung der Klosterkirche in El-
ch in gen 0. 8. B. herangezogen. Die
Chronolog'ia Elchingensis, Hsch. 383
der Stadtbibliothek Augsburg, 11. Band,
berichtet darüber: „1749 hat der Mahler
mit Jcamen Wannenmacher angefangen,
unsere Kirch zu mahlen; er hat sie schon
einmal gemahlen, weil es ihm aber nicht
geralhen, so fangt er von neuem an.
Auf der andern Seite mahlte einer mit
Nahmen Zick, der die Kirch zu Biberach
gemahlen. Herr Wannenmacher soll 1000 fl.
per Accord für unsere Kirch bekommen
haben." Der Brand im Jahre 1773
zerstörte diese Fresken; die Ausmalung
der Kirche wurde in der Folge, wie be-
kannt ist, dem Sohne Johanns, Janua-
rius Zick, übertragen. — Ten Orten, in
denen sich Werke von Joh. Zick erhalten
haben (s. Pfeiffer, Die Malerei der
Nachrenaissance in Oberschwaben, 56), sind
hiuznzusügen A l t ö t 1 i n g : ein Altar-
gemälde non 1738, jetzt im Kreuzgang
der Stiftskirche (Die Knnstdenkmale des
Königreichs Bayern, 1, 2353) und die
Klosterkirche N a u e n h a s l a ch: Fresken
sowie zwei Altarblätler (ebenda 2599 ).).

linier den oberschwäbischen Malern der
Nachrenaissance verdient auch derPsrontner
Joseph Keller (1740—1823) einen
Platz, und zwar in den vorderen Reihen.
Seine Ausbildung an der Akademie zu
Wien hatte er der Unterstützung zu ver-
danken, die ihm Baron v. Mack ange-
deihen ließ. Von ihm erhielt er auch
den Auftrag, die Kirche zu Karlsbnrg
bei Wien mit einem das jüngste Gericht
darstellenden Fresko zu schmücken, und
er entledigte sich desselben zur vollsten
Zufriedenheit seines Gönners.') Werke
von ihm sind ferner die Freskogemälde
der Pfarrkirche zu Pfronten, 1780,
ein Geschenk des Meisters an seine heimat-
liche Kirche (im Chor Abendmahl, im
Langhaus Szenen aus der Legende des
hl. Nikolaus), zu Wald bei Marklober-
dorf, 1782 (1898 von Historienmaler
Altheimer in Regensburg restauriert; im
Chor Opfer Abrahams, im Langhaus der
hl. Nikolaus als Patron der Pfarrgemeinde
am Throne Gottes), zrr Stötten am
Auerberg, 1783 (Langhausfresko: Christen-
tum und Judentum im irdischen Plan,
darüber schwebend die Apostelsürste»,
Patrone der Kirche, in der himmlischen
Partie der Menschensohn, von anbetenden
Engeln umgeben; Preis 1250 fl.), zu
Talhofen bei Marktoberdorf, 1803 (im
Chor das Gastmahl des Pharisäers, im
Langhaus Engelsturz; Preis 544 fl.
Choraltarblätter: der hl. Michael und im
Auszug Gott Vater; Preis 66 fl.), zu
Tann heim, K. K. Bez.-Hptm. Reutti in
Tirol, 1804 und 1805 (im Chor Abend-
mahl, im Langhaus das jüngste Gericht;
Preis 1300 fl. nebst freier Kost; 1802
halte er für die Tannheimer Kirche die
Kreuzwegstalionen gemalt). Keller über-
nahm von der Rvkokomalerei die geschickte,
malerische Komposition, das gefällige,
leichte Kolorit und die perspektivische Be-
handlung mit gelegentlicher Verwendung
kühn aufgebauter Architeklnren. Dagegen
maltet entschieden klassizistischer Geist in
der Beschränkung auf verhältnismäßig
wenige Figuren, in dem Streben nach
tiefer Beseelung und in dem gedämpften.
Pathos der Geste. Als ausgesprochener

’) Schuld, 31, int „Allgäuer Geschlchts
freund" ö (1893), S. 13 f.
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