Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 25.1907

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fach vorkommt? Selbstverständlich gehört
Hans Fichthold (Anfang des 17. Jahr-
hunderts), dessen Wohnort nicht bekannt
ist, nach Füssen, und von Kier wird auch
der „trefflicheLautenmacher" Michel Fich-
told in Ingolstadt (Mitte des 17. Jahr-
hunderts) sowie der kaiserliche Hoflauten-
macher Magnus Feldtlen in Wien (um
dieselbe Zeit) ansgegangen sein.

Unter den Namen der Füssencr Bürger in
bcn Hnldignngsakten findet sich eine große Zahl
svlchcr, deren Träger nach v. Lütgcndorff Geigen-
macher in den verschiedensten Orten waren, ohne
daß die Herkunft dieser Geigenmncher bekannt ist.
Gewiß wird sich durch weitere Nachforschung in
einer Anzahl von Fällen erweisen lassen, daß die
betreffende» Meister oder ihre Vorfahren in Füssen
ihre Heimat hatten. Daher seien hier die selteneren
dieser Bürgernamen mitgeteilt. Es sind: Beer,
Christa, Clement, Epp, Fux, Güttler, Hartung,
Heel, Heini, Höß, Kolb, Lechlcitner, Linder,
Mann, Martin, Rauscher, Schonger, Schorn,
Seelos, Sommer, Stadler, Straub, Triber, Wörle

Joseph Wannenmacher, Maler.

(1722—1780.)

Von 31. Weser, Kaplan, Gmünd.

(Fortsetzung.)

7.

Wannenmachers Ruhm und Ruf war
indessen so weit gedrungen, daß Fürstabt
Cölestin 11. (1740— 1767) von St. Gal-
len mit ihm in Unterhandlnng trat zum
Zweck der Ausmalung der Kathe-
drale. Da Wannenmacher von 1758
bis 1766 fast ununterbrochen in St. Gallen
tätig war, soll diese Arbeit für sich be-
trachtet werden.

Im Jahre 1757 war der Neubau des
Schiffs der Kathedrale der Hauptsache nach
vollendet und schon 1768 konnte Wannen-
macher mit der Ausmalung desselben be-
ginnen, die 4 Jahre in Anspruch nahm
bis 1762. Non 1762—1764 malte er
die Stiftsbibliothek und 1764 bis
1766 den seit 1761 gebauten Chor der
Kirche. ES ist aber tief bedauerlich,
daß von der ganzen Arbeit Wannenmachers
im Chor ganz wenig, von der Bemalung
des Schiffes gar nichts erhalten ist. In-
folge des mangelhasteil Verputzes, viel-
leicht auch lvegen der angewendeten Oel-
technik Ulten die Gemälde Wanncnmachers
im Chor so sehr, daß man von 1819
an dieselben durch sehr mangelhafte Ar-
beiten des germanisierten Veronesers Am-

brosio Horazio Moretto ersetzte. Ein
Deckengemälde im Chor trügt die Inschrift:
Moretto 1821. Einige Konturen der
ursprünglichen Bemalung scheinen heute
dmch die Uebermalung hindurch. Nur
ein einziger Wannenmacher ist unversehrt
erhalten. Im Gewölbe des Chorumgangs
auf der Evangelienseite ganz vorn beim
Eingang in die Sakristei findet sich die
Darstellung des Herzens Mariä: ein mit
Rosen umwundenes Herz, ans dem Flammen
schlagen, in das ein Schwert eindringt
und das von verehrenden Engeln umgeben
ist. Ein paar andere Bilder im Chor-
nmgang auf derselben Seite zeigen noch
den Zeichenstift Wannenmachers, sind aber
übermalt. Am 12. Aug. 1764 erhielt
er für die Ausmalung des Chors 4800 fl.,
eine Summe, welche die Bedeutung der
Arbeit unseres Malers immerhin deutlich
genug erkennen läßt.

Ganz erhalten dagegen sind die Fres-
ken im Bibliotheksaal, an denen
Wannenmacher fast 3 Jahre 1762 bis
1764 arbeitete. Die Gemälde ziehen sich
von Norden nach Süden. Im ersten
kleinen Gewölbefeld im Norden sehen wir
in musterhafter Verkürzung auf den Wolken
thronend die elegante Figur der Kirche
in gelbem Mantel, in der Rechten Kelch
und Hostie, in der Linken die Schlüssel,
über dem Haupte den hl. Geist; rechts
steht ein Kreuz und ein Engel, der ein
Buch hält, links eine auf blitzumzuckteu
Felsen gebaute Kirche. In einer Kar-
tusche liest man: Non praevalebunt
Matth. C. 16. V. 18. Diese Inschrift
findet ihren historischen Beweis in den
folgenden gewaltigen Darstellungen der
vier ersten allgemeinen Kirchen-
versammlungen.

Das erste Gemälde, mit dem Namen
des Künstlers bezeichnet: Jos. Wannen-
macher, Academicus Romanus inv.
et pinxit 1762, zeigt uns das Konzil
von Nie ä a 325. Im Hintergrund
eines großen Saales liegt auf einem mit
reichem Baldachin geschmückten Thron-
sessel die offene Bibel, aus der man die
Worte liest: in principio erat verbum.
Joan cap 1. Auf beiden Seiten sitzen
unter einfacheren Baldachinen eine Reihe
von Bischöfen, umgeben von Geistlichen
und Laien, auf jeder Seite je ein hervor-
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