Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 25.1907

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ragender«' Bischof unter reicherem Bal-
dachin. Der liukSbefiudliche (ein päpst-
licher Legat) hält eine Schriftrolle mit
dem Wort consubstantialis in der Hand.
Rechts steht Arius mit seinem Anhang,
der Jrrlehrer in schwarzem Gewand, leb-
haft erregt, hält eine Rolle mit deni Wort
anomoios. Ihm gegenübe» steht der
Diakon Athanasius mit srenndlich leuch-
tendem Antlitz und überzeugendem Mienen-
nnd Fingerspiel. Ueber dem mittleren
Thronus zieht sich eine Galerie hin, in
deren Mitte das Dreieck mit dem Auge
Gottes und in das Dreieck hinein drei
sich durchdringende Kreise gezeichnet sind.
Auf der Galerie wird das Urteil an Arius
vollzogen, indem von Kaiser Konstantin
im Feuer eines goldenen Dreifußes die
Schriften des Jrrlehrers verbrannt werden,
lieber diesen Szenen thront in den Wolken
die Dreifaltigkeit: Der Vater reicht dem
Sohne das Szepter. Ein Engel hält in
der Hand die Schrift: homousios; von
seiner Rechten geht ein Blitzstrahl nieder
auf Arius, während ein Lichtstrahl auf
Athanasius fällt. Die Farben sind sehr
lebhaft und gut erhallen, manchmal dunkel
geworden.

Das zweite Gemälde ist die Darstellung
des Konzils von Konstantinopel
381. Zuoberst erblickt man in einem
Kreise die Dreisaltigkeil: Vater und Sohn
hallen ein Szepter, auf dem in Gestalt
der Taube der hl. Geist ruht. Von diesem
gehen Lichtstrahlen aus auf seine Ver-
teidiger und ein Bannstrahl aus den Jrr-
lehrer Macedonius. Verteidiger und Jrr-
lehrer befinden sich in einer Kirche, in
der ein gewaltiger Rokokoaltar steht mit
dem Altarbild: Ausgießung des hl. Geistes.
Im geöffneten Tabernakel ist der Kelch
mit der Hostie sichtbar; links und rechts
neben dem Altarbild befinden sich zwei
Heilige (Apostel?) mit Palmzweig und
Schwert, im oberen Altaraussatz eine Figur
mit Schwert (St. Michael?). Vor dem
Altar auf beiden Seiten sind die Recht-
gläubigen und die Macedonianer plaziert,
letztere mit trotzigen Gesichtern. Von der
Schranke ans der linken Seite läßt ein
Bischof eine Schriftrolle niedergleiten mit
den Worten: Credimus in Spiritum
Sanctum Dominum et vivificantem
etc. Zwei Diakonen weisen die Jrrlehrer

auf diese Schrift hin. Unter dem Bilde
zeigt eine Kartusche die Inschrift: visum
est Spiritui sancto et nobis Act. 15.
V. 28. Der ans dem Bilde ailftreteuoe
Macedouius ist insofern ein Anachronis-
mus, als der Jrrlehrer schon 362 ge-
storben war. Der Künstler aber hat ihn
ganz paffend als Vertreter seiner falschen
Lehre auf das Bild gebracht.

Auf dem dritten Bild wird das Konzil
von Ephesus 430 geschildert. In
einer Kirche von prächtiger Architektur
steht ein Altar, auf dessen Thronus ein
Buch liegt mit der Inschrift: Dt verbum
caro factum est. Ueber dem Thronus
zeigt das Altarbild Maria, die Unbe-
fleckte, im iveißen Gewand und blauen
Mantel, mit Szepter in der Hand. In
einer Altarverzierung steht die Ueberschrift:
Theotokos. Im Himmelsgewölk ist eine
von Engelit umschwebte Verkündigung ge-
malt: Maria kniet auf einer Wolke, über
ihr der hl. Geist; der Eirgel mit der
Lilie, ebenfalls ans Wolken knieend, bringt
seine Botschaft. Darüber zeigt Go:t Vater
mit dem Szepter aitf den leeren Thron
seines Sohnes, über den ein Kreuz ge-
breitet ist. Zn beiden Seiten des Altars
zwei Engel und im Vordergrund bewegte
Gruppen. Ans der rechten Seite, wo in
einer Ecke eine Vase mit dem Bald der
Unbefleckien steht, liest ein Bischof den
Beschluß vor. Ein Engel weist die Um-
stehenden aus das auf dem Altar liegende
Buch und dessen Worte hin. Links geht
der Jrrlehrer Restorius davon. In einer
Kartusche die Inschrift: Ecce ego vobis-
cum sum Matth. 28, V. 20.

Im vierten Bride wrrd das Konzil
von Chalcedon 4SI gezeigt. Wieder
sehen wir den offenen Hiurnrel mit dem
Sinnbild des hl. Geistes. Gott Vater zeigt
mit dem Szepter auf den leeren Thron
des Sohnes, mit der Linken aber auf ein
Bild: Maria mit der Sternenkrone betet
das tu Windeln gewickelte Kind an, das
von wunderhübscheil kleinen Engeln um-
geben ist. Darunter eine Kirche mit
einem Altar mit der Darstellung der
Kreuzigungsgruppe. Vor denr Altar liegt
ein Sarg mit dem prächtig genralten Leib
einer heiligen Märtyrin, in deren Linken
eiir Palmzweig, in deren Rechten ein
Schriftstück ist, das ein Bischof ergreift
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