Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 25.1907

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Werke Wanneiiinachers nicht zu erkennen,
wenn auch manche Charakteristika aus eine
Verwandtschaft mit der Malerei Wannen-
machers schließen lassen könnte.

8.

Zwischen die Arbeiten in St. Gallen
hinein malte Wannenmacher im Jahre
1760 im Pfarrhaus seines Heimatortes
Tomerdingen ein Deckenfresko, die hei-
ligste Dreifaltigkeit darstellend, das
aber bei der letzten Restauration des Pfarr-
hauses iiberstrjchen wurde, so daß nichts
mehr von ihm zu sehen ist als zwei
Wappen, die heruntergenommen wurden,
und die ich bei meiner Anwesenheit im
Pfarrhaus noch gesehen habe. Ein Lein-
wandgemälde, ebenfalls die heilig st e
Dreifaltigkeit dnrstellend, das die
Inschrift trägt: Jos. Wannenmacher.
Tomertinganus. Accad. Roman, in
venit et pinxit 1760, war früher ebenfalls
im Pfarrhaus und ist jetzt in Privatbesttz
übergegangen (cf. „Archiv für christliche
Kunst", XVIII, 1900, S. 60). In Tomer-
dingen findet sich auffallenderweise nur
noch ein einziges, aus Leinwand gemaltes
Bild des Meisters, das, früher in der
alten Kirche befindlich, in die neue über-
tragen wurde, wo es die Chordecke schmückt.
Auf dem Bild ist dargestellt St. Bene-
dikt, wie er die Privilegien seines Ordens
von Engeln erhält. Vor einem hohen
Thron, ans dem Maria mit dem Kinde
sitzt, kniet ans einem. Podium Benediklns
im Ordensgewand mit wallendem weißem
Bart. Ein Engel zu seiner Rechten hält
ihm ein Buch hin mit der Schrift: Privi-
legia ordinis Si Benedicti, ein anderer
Engel zur Linken hält ebenfalls ein Buch
mit den Worten: Quicunque hancregu-
lam secuti fuerint, pax super illos et
misericordia Domini. Vor diesem Engel
führt eine sehr schön gezeichnete Galerie
vorüber, neben welcher zwei spielende
Engelchen ans den Wolken sitzen. Viel-
leicht ist das Bild seitens des Klosters
Oberelchingen, dem Tomerdingen früher
zum größeren Teil gehörte, für die Kirche
gestiftet worden; das Kloster hat früher
auch die eine der beiden Pfarreien von
Tomerdingen pastoriert. Ein eonsiliarius
iuris des Klosters war Pate bei den Kin-
dern Wannenmachers. Vielleicht ist ailch

! dieser der Stifter. Das Gemälde, schwung-
voll und elegant in der Zeichnung, ist
leider nicht mehr gut erhalten und hat
schlechtes Licht.

Bedeutend mehr von Arbeiten Wannen-
niachers hat ein evangelisches Kirchlein in
der Nähe von Tomerdingen, die Kirche
von S ch a r e n st e t 1 e n, OA. Blaubenren,
aufzuweisen. Bei Keppler und anderwärts
werden hier gewöhnlich die Bilder der
Apostel als Werke Wannenmachers aus-
geführt. Es befinden sich in der Kirche
jedoch im ganzen 19 Gemälde, sämtlich
j auf Leinwand, die alle von ihm her-
rühren. 18 derselben zieren die Füllungen
der Empöre, die sich ans Rückseite und
; linken (Evangelien-)Seite durch das Schiff
hinzieht. Tie Gemälde sind nicht in rechter
Anordnung. Wahrscheinlich wurden sie
einmal herabgenommen und dann in Un-
ordnung wieder angebracht. Wir folgen
der jetzt einmal bestehenden Reihenfolge.

1. Das erste Bild ist ein hl. Laurentius, der
Patron der Kirche, eine schöne Gestalt, zum Him-
mel aufschauend, die Linke hält die Palme des
Martyriums, die Rechte ruht auf der Brust.
Davor ein Teil des Rostes. Auf einer Kartusche
am unteren Rand des Bildes: 8. Laurentius
Patronus ecclesiae. Darunter Jos. Wannen-
macher P. 17 07.

2. St. Andreas, eine markante bärtige Grei-
sengestalt mit dem liegenden Kreuz und einem
Fisch, der. sein früheres Handwerk anzeigt.

3. Die Dreifaltigkeit: Vater, Sohn und das
Sinnbild des Geistes ganz eng an einander ge-
schmiegt. Unterschrift: fit hi tres unum sunt
l Joann 5 V. 7.

4. Sl. Paulus, eine krajtvolle Gestalt, mit der
einen Hand auf den am Bild angeschricbenen
Namen Jesu zeigend. Unten ist ein Schild, auf
dem die Erscheinung auf dem Wege »ach Damas-

j klls geschildert ist, mit der Inschrift: Vas fclec-
| tionis. Daneben ein Buch mit den Worten:
! Concrescat ut pluvia doctrina me’a. fluat
ut ros cloquium meum. Deut. 32, 2.

5. Johann der Evangelist, volle jngendliche
Gestalt mit lockigem Haar, in der Rechten die
Feder, zierlich gehoben, in der Linken das Buch,
«in Adler hält das Tintenfaß im Schnabel.

6. St. Lukas schaut in Verzückung auf eine
auf dem Bild nicht sichtbare Erscheinung, die er
auf eine Tafel malt (Marienbild). Der Kopf
des Ochsen, eine Schriftrolle, eine im Tintenfaß

! steckende Feder.

7. St. Markus mit Löwe, Buch und Feder.

' 8. St. Matthäus mit Buch und Feder, ei»

Engel neigt sich über ihn, wie um mit ihm zu
reden; es sind zwei sehr schöne Gesichter,
i 9. St. Matthias mit einem großen Beil, in
der Ecke steht eine Säule.

10. St. Judas Thaddäus mit Winkelmaß und
k der Keule auf der Schulter.
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