Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 25.1907

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preis 15 M. Verlag: Karl Curtins, Berlin
W. 35. Später tritt eine Preiserhöhung eilt),
zurückkvmmen. Bei der überragenden Bedeutung
Michelangelos und seiner Stellung in der christ-
lichen Kunstgeschichte wird das Werk atich in den
Kreisen unserer Leser auf Interesse rechnen dürfen.

Literatur.

Die m i t t e l a l t e r t i eh e» Taufsteine
der Provinz S ch les w ig - H o l st e iu,
herausgegebe» mit 52 Abbildungen vo»
Or. E r n st Sauer in a n n, Lübeck
(B. Röhring). 1904. — VIII und 72 S.
— Preis 10 M.

Wenn wir hier diese Lokal- und Spezialstudie
des Direktors des Flensburger Kunstgewerbe-
museums zur Anzeige bringen, so geschieht es
einerseits, um darauf aufmerksam zu machen, welch
lohnende Aufgaben auch die lokale knnstgeschicht-
liche Forschung bieten kann, wenn sie nur richtig
augefaßt wird, und anderseits, um auf den all-
gemeinen knnsthistorischen Ertrag dieser Arbeit
hinzuweisen und unsere Leser mit demselben be-
kannt zu machen. Dr. Sauermann untersucht
die mittelalterlichen Taufsteine von Schleswig-
Holstein, deren Zahl eine ganz erhebliche ist, in-
dem er dabei von dem verwendeten Material aus-
geht (schwarzer belgischer Marmor, Sandstein,
gotläudischer Marmor und Granit). Die Resultate,
die der Verfasser daraus für Herkunft und kunst-
historische Zusammenhänge der Taufsteine gewinnt,
sind folgende: 1. die Taufsteine aus schwar-
zem Marmor entstammen den Brüchen von Namur;
2. die Sandsteintaufen, die in zwei Typen vor-
handen sind, gelangten wahrscheinlich in Gilder-
hansen oder Bentheim znr Ausbildung; 3. für
die gotländischen Katksteintaufen ist wahrscheinlich
Gotland selbst (nicht Lübeck) als Entstehungsort
anzusprechen; 4. das größte Interesse endlich
dürfen die Grauittaufsteine beanspruchen. Ver-
teilt auf zwei große, mehrere kleine Typen und
typenlose Einzelstücke, zeigen ihre Skulpturen vor-
wiegend siguralen Schmuck, nur vereinzelt figür-
liche Motive. Zu deren Erklärung dienen die
Psalterillustrationen. Fast alle haben als heimische
Werke ;u gelten.

Die reich illustrierte Schrift schließt mit einem
Orts-, Sachen-, Namenverzeichnis, einem Register
der Abbildungen und einer Uebersichtskarte, auf
welcher die Verteilung der einzelnen Formen
graphisch dargestellt ist.

Tübingen. Pros. Or. L. Baur.

Di_e Essener Münsterkirche und ihre
Schatzkain in e r. Von Franz Are ns.
Dieses nur 72 Seiten umfassende Büchlein,
ohne Vorwort und ohne Register, bespricht in
seinem ersten Teil die baugeschichtliche Vergangen-
heit der hochbedetitsameu, im 10. Jahrhundert
begonnenen nnd im Laufe der Zeit vielfach ver-
änderten Stiftskirche, wobei die zahlreichen Altäre
noch besondere Berücksichtigung erfahren. Dank-
bar sind zu begrüßen die verschiedenen Illustratio-
nen und bas von Areus nach dem über orcli-
narius entworfene Kärtchen von der Münsterkirche

und ihrer Umgebung (um das Jahr 1330), welches
vielfach eine führende Rolle zu spielen hat.

Der 2. Teil des Merkchens handelt von der
wahrhaft großartigen Schatzkammer des ehrwür-
digen Stifts, der sogenannten /.Goldenen Kam-
mer", deren Knnstgegenstünde sich auf den Zeit-
raum vom 10. bis 19. Jahrhundert verteilen und
sowohl dem Künstler, als auch dem Kunstforscher
und Kunstfreund köstliches Material bieten. Die
Beschreibung derselben ist, wie der Verfasser selbst
hervorhebt, zum großen Teil ans dem umfang-
reichen Werke des Georg Humann geschöpft. Zu
den ältesten Kunstgegeuständen des Münsters ge-
hört der siebenarmige Leuchter ans dem 10. Jahr-
hundert. Außer ihm werden genannt und be-
schrieben : verschiedene Kreuze und Reliquiare, ein
Prachtschwert, der Buchdeckel des Theophanu-
Evaugeliars (1039 — 1053), ein elfenbeinerner
liturgischer Kamm, ein elfenbeinernes Diptychon,
2 Büsten, 2 Statuen, Kelche, Agraffen, Lampen und
Leuchter. Neun der Beschreibung beigegebene Abbil-
dungen veranschaulichen die denkwürdigsten Schätze.

Das Büchlein wird besonders den Besuchern
des hochinteressanten Münsters gute Dienste leisten,
aber auch den Fernestehenden wird es mannigfache
Belehrung und Anregung erteilen. Ich habe unter
anderem mit Interesse gelesen, daß das ehrwür-
dige Gotteshaus auch eine rote Pforte gehabt,
und daß die 5 Fenster des nördlichen Seitenschiffs
schmal, zweiteilig und mit einfachem Maßwerk
versehen waren, während die Fenster des südlichen
Seitenschiffes doppelt so breit, vierteilig und mit
kunstreichem Maßwerk geschmückt waren. Die
Frage, ob das Münster eine Liebfrauenkirche ge-
ivesen, läßt sich sicher nur an der Hand der Stif-
tungsurknnde lösen; jede Kirche wurde zunächst
zu Ehren der hl. Dreifaltigkeit und der aller-
seligsten Jungfrau gebatit.

Vollmaringen. Reiter.

H a us b ll ch deutscher 51 u u st, ein Fami-

lieu-Bilderbuch tu 375 Abbildungen, zu-

samine»gestelit und herausgegeben von Ev.

Engels. Stuttgart (Deutsche Verlags-

Anstalt), 1906. — 386 S. geb. 10 M.

Der Gedanke, das Beste, was deutsche Kunst
geschaffen, soweit es fürs Volk geeignet ist, in
einer Art Kunst-Anthologie in einem „Hatlsbuch"
zn sammeln, ist unstreitig ein sehr glücklicher und
dankenswerter. Es muß mit aller Kraft daran
gearbeitet werden, daß die reichen Schätze der
Knnst, die unsere deutschen Meister geschaffen,
unserem Volk in seiner großen Mehrheit nicht
länger nur toter Besitz bleiben. Freilich, sobald
man daran geht, diesen Gedanken in die Wirk-
lichkeit umzusetzen, muß es sich zeige», daß es
ungeheuer schwer, wenn nicht unmöglich ist, auch
nur die hauptsächlichsten Wünsche aller zu befrie-
digen. Im Großen und Ganzen muß indes an-
erkannt werden, daß im vorliegenden Werke das
Ideal eines solchen Bilderbuchs nahezu erreicht
ist. Eine kurze Angabe der verschiedenen Abtei-
lungen des Buches mag das beweisen. Da finden
wir unter Nr. 1 folgende Unterabteilungen: Aus
detttschen Gauen, Burgen, Schlösser, alle Nester,
Wald und Einsamkeit, Mondnacht, Frühling, Som-
mer, Regen und Sturm, Herbst, Winter, Berge,
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