Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 25.1907

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£}craiiscjei}cl>eii »nd redigiert von Professor Dr. Ludwig Ranr in Tiidingcii.

Oerlag des Rotteubnrgcr Diözesan-Kuustvercins;
Koiumissiousverlaa von Friedrich Alber in Ravensburg.

Jährlich 12 Nummern. Preis durch die Post halbjährlich M. 2.05 ohne
JO Bestellgeld. Durch den Buchhandel sowie direkt von der Verlagshnndlnnq TODT
*** * Friedrich Alber in Ravensburg pro Jahr M. 4.10. l •

Joseph Wannemnacher, illaler.

(1722—1780.)

Von R. Weser, Kaplan, Gmünd.

(Fortsetzung.)

9.

Wie eines der elften größeren Werke
Wannemnachers ihn noch Gmünd geführt
hatte, so scheint er auch seine Tätigkeit
als Freskomaler in Gmünd beschlossen zu
haben. Hier hatte man um die Mitte
des 18. Jahrhnilderts angefangen, die
Gottesackerkirche zum hl. Leon-
hard in Rokoko nmznbanen (der da-
malige Baumeister Keller erhielt nach der
Rechnung der S. Leonhardspflege dafür
1102 fl. 50 kr., dem Stuckateur wurde
laut Accord bezahlt 215 fl.) und Wannen-
macher wurde der malet ische Schmuck des
Kirchleins übertragen. Er kam 177«, hie-
her und scheint unter Beihilfe seines
Sohnes in einem Jahr die große Arbeit
vollendet zu haben. Die Darstellungen
beziehen sich alle auf Tod und Auferstehung,
lieber dein Choraltar erblickt man die
Auferstehung Christi in eine große
Vierpaßrahme eingezeichnet. Christus er-
steht vom Grabe, in der Linken die Sieges-
fahne schwingend, den rechten Fuß in
kühner Verkürzung emporziehend, die rechte
Hand abweisend zu den bestürzten Wächtern
wendend. Unterhalb zur Linken des Hei-
lands sitzt ein Engel ans dem Stein des
geöffneten Grabes, der den drei heran-
nahenden Frauen die Auferstehung an-
kündet.

Das Bild ist umgeben von vier Medail-
lons in Kartusche, die Tod, Gericht, Him-
mel, Hölle bezeichnen. Als mors Imperator
sitzt der Tod, den Pfeil als Szepter haltend in

! der Rechten, in der Linken die Sanduhr, auf
i einem Grabstein, auf dem eine rauchende Fackel,
die Sense, Wcihmasserkessel mit Aspcrgill und
Kreuz liegt. Beim „Gericht" erhebt sich auf den
Schall zweier aus den Wolken ragender Posaunen
ein Toter aus seinem Grabe, indem er mit kräf-
tiger Stemmnng der Arme die Grabplatte hebt.
Der Himmel wird versinnbildet durch das Auge
! GotteS in der Strahlensonne, zu dem eine be-
seligte Seele in Frauengestalt, begrüßt von vier
reizenden Engelsköpfchen, sich eniporschwingt. I»
der „Hölle" wird eine Greisengestalt von Schlan-
gen gepeinigt, während int Vordergründe das
Rad, das Sinnbild der Ewigkeit und Hacke,
Zange und Stachelkeule als Sinnbilder der Strafen
angebracht sind.

An den Chorwänden sind zwei fast die
ganze Höhe beanspruchende große Fresken
gemalt. Auf der Evangelienseite bewundert
man den lneifterhast komponierten „Weg
zum ewigen Leben", ähnlich wie er
nicht selten aus gleichzeitigen Kupferstichen,
z. B. voll Störcklin-Allgsburg, bekannt ist.

Der Schutzengel führt einen Knaben, der ver-
trauend zu ihm aufblickt, de» steilem mit Kreu-
zen belegten, mit Dornen umhegten Bergiveg
zur Pforte des himmlischen Jernsalenis hinan,
vorbei ati einem Dracheit, dem Bild des Wider-
sachers, der sein Gift ausspeien ivill gegen die
l unschuldige Seele; vorbei an einem üppigen,
begtieni am Wege sitzenden Weibe, das dem Jüng-
ling die Fastnachtslarve der Weltlust, den Spiegel
der Hossart nitd den Geldbeutel vorhält, während
ein neben ihr knieeuder Amor mit verbundenen
Augen mit dctn Pfeile auf den Knaben zielt,
lieber der Pforte, die ins etvige Leben führt,
sieht inan auf ihrem Wolkenthrvn, von Engels-
töpfen umgeben, die heiligste Dreifaltigkeit, Vater
und Sohn in lebhastcm Gespräche. Neben den
beiden vorzüglich gelungenen Figuren des Engels
und des Knaben ist an dem Bilde besonders die
landwirtschaftliche Szenerie hervorzuhebeti.

Gegenüber dem geschilderlen Bilde be-
findet sich ein Fegfenerbild, das die
Art und Weise zeichnet, ivie man den
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