Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 25.1907

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Tübinger Krippe.

Sünden zu rechnen ist, wie sie nubevc Krippen
zwischen Tübingen und Horb aufweisen, die schon
längst in die Altertumssammlung statt in die
Kirche gehören, doch mindestens nicht eben als
nachahmenswert bezeichnet werden kann.

Die Wahl der Airchelipairone und ihr
Einfluß auf die Wahl der Lage der
Airchen.

Von Karl Atz, Benefiziat in'Terlan.

Aus der ältesten christlichen Zeit ist bekannt,
das; jede Kirche einen eigenen Titel zu Ehren
eines Heiligen erhielt und nach diesem benainit
wurde. So wählte z B. der hl. Eucharius,
Schüler des hl. PetruS ui:b erster Bischof von
Trier im Jahr 57 als Patron der Kirche, welche
aus dein Hause eines gewissen Albana erbaut
wurde, den hl. Johannes Ev. Prosdocimus, eben-
falls ein Schüler des Apostelfürsten und erster
Bischof von Padua, bestimmte die heilige Weisheit
als Titel der Kirche, welche er einen gewissen
Vitalinns zu bauen veranlaßte. I'- Berrard
Bautrarler, Beiträge zum Studium der christlichen
Kunst, Linz 1878 führt viele ähnliche Fälle ans
den, ersten Jahrhundert an.

Der Stifter oder Erbauer einer Kirche hatte
das Recht, den Schutzheiligen derselben zu be-
stimmen, im Mittelalter aber wurde die Freiheit
der Auswahl durch päpstliche Dekrete beschränkt,
bemerkt Prof. Franz Kraus, Real-Enzyklopädie
der christlichen Altertümer II, 599 und führt
Ferrar. Prompta bibl. V. hiefür an.

Von großem Interesse ist, wie das Mittel-
alter bereits seit seinem Beginn auf die Lage
und Umgebung einer Kirche große Rücksicht nahm,
wenn es sich um die Bestimnuing des Patrons
handelte. In Tirol läßt sich diese Beobachtung
bei vielen Kirchen auf eine klar erkennbare Weise
verfolgen, so daß es gewiß sehr wünschenswert
wäre, wenn auch in andern Ländern näher unter-
sucht würde, ob dieselbe Erscheinung sich wieder-

hole. Da das Mittelalter
bekanntlich in allen reli-
giösen Fragen so einheitlich
vorging, dürfte daS näm-
liche interessante Resultat
auch in vorliegender Frage
zum Vorschein kommen.

Beispielsweise machen
wir zunächst mit den Kir-
chen einen Versuch, welche
i» Tirol der heiligen Maria
Magdalena geweiht sind.

Da nach der Legende die
heilige Büßerin nach ihrer
wunderbaren Landung bei
Mnssilia in Südfrankreich
sich in eine einsame Gegend
zurückgezogen und dort ihr
Leben beschlossen halte, so
finden wir in Tirol von 25
der Heiligen zu Ehren ge-
weihten Kirchen und Kapel-
len nicht weniger als 18
in einer stillen, vom Ver-
kehr mehr oder weniger ab-
geschlossenen Gegend.

Beginnen wir mit Notizen über einzelne Mag-
dalenakirchen im Süden des Landes. Die Ka-
pelle der alten Burg in Pfatteu, drei Stünden
südwestlich von Bozen, liegt in dieser vom Ver-
kehr abgeschnittenen und düsteren Gegend über-
dies noch so hart mit Berggehänge, daß die
Acste der Waldbäume bis zu den Fenstern rei-
chen und nur morgens einige Sonnenstrahlen
ins Innere dringen.

Die Burg Hochappan thront, wie schon der
Name besagt, auf einer beherrschenden Höhe,
ist aber dennoch eine stille Gegend und die
ersten Besitzer haben sich im 10. Jahrhundert
absichtlich hieher mehr in die Einsamkeit aus
Groll zurückgezogen, da ihnen die Gerichtsbar-
keit in Bozen genommen und dem Bischof von
Trient übergeben ward. Im Jahre 1131 wurde
die Schloßkapelle geweiht uuö ist wegen ihrer
gleichzeitigen Fresken sehenswert.

Im Prazöl, einer alten Filiale der Pfarrei
von Bozen, wurde wenigstens im 13. Jahrhun-
dert eine Kirche zur hl. Magdalena erbaut und
dann die Umgebung St. Magdalena genannt.
Seit 1318 sind Oelstiftungen für selbe bekannt.
Die Lage dieser Kirche ist eine tiefe Mulde zwi-
schen Gebirg und Hügel, so daß mau nur an
ein paar Pimkten ihren Spitzturm sehen kann;
heute ist sie besonders wegen des köstlichen
Weines bekannt, der dort wächst.

Grätsch nächst Meran, unter dem Dorfe Tirol,
glänzt nun allerdings mit herrlichen Villen, aber
es war einstens ganz anders, eine stille Gegend
in einem einsamen Winkel als im 13. Jahrhun-
dert die Mägdaleuakirche gebaut ward, für welche
selbst die Landesfürstin Margarete Maulkasch
im 14. Jahrhundert Stiftungen machte.

Ein gar stilles Plätzchen ist Kanipidell, vier
Stunden nordwestlich von Bozen, 1600 in hoch,
hinter der Ortschaft Flnas, tief int dichten Walde,
einstens Sommerfrischwohnung der ehemaligen
Chorherren von Gries. Der Propst des Klosters,
welcher 1629 ein Kirchlein baute, nahm keinen
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