Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 26.1908

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der Wald und der Gletscher im Hinter-
gründe, so atmet auch die dargestellte
Gruppe Gesundheit und Ruhe.

Wie begreifen wir aber dann die geringe
Popularität dieser kleinen Meisterwerke?
Die Schuld trägt die Umgebung, in der
sie erscheinen. Martin Spahn sagte der
heutigen norddeutschen und protestantischen
Kunst, die seit einigen Jahren den Markt
überschwemmt, nach, sie sei voll Well-
anschauung. Das gilt insbesondere be-
züglich der religiösen Blätter von Hans
Thoma und Wilhelm Stein-
hansen. Sie atmen jedoch eine Welt-
anschauung, die vielfach dem Katholiken
in seinem Heiligsten nicht gerecht wird.
Halb ist es Nationalismus, halb Pietis-
mus. Es verrät gewiß nicht Indolenz,
sondern gesunden religiösen Sinn, ein
instinktmäßiges Heransfühlen des Unter-
schieds, wenn sich das katholische Volk für
solche Erzeugnisse nicht erwärmt. Schade
nur, daß dabei der wackere Schiestl in
Mitleidenschaft gezogen wird.

(Fortsetzung folgt.)

Der plan von Michel Angelos
Medicigräbern.

Vo» Eh'. Anton ©voner.

Nach Aufgabe der Fassade von S. Lo-
renzo (Mär; 1520) ließ sich Michel Angela
durch den Kardinal Giuliano de' Medici
für den Plan gewinnen, vier Gliedern
des Hauses Medici in einer eigenen Ka-
pelle au S. Lorenzo Grabdenkmäler zu
errichten, nämlich den beiden Magnifici
Lorenzo (f 1492) und seinem Bruder
Giuliano (f 1478), sowie den beiden
Herzogen Lorenzo (P 1519) und seinem
Oheim Giuliano (f 1515). Am 23. No-
vember 1520 hatte Michel Angela dem
Kardinal die erste Skizze für die Kapelle
geschickt.^ Ec plante ein Freigrab mit
vier Fassaden in der Mille der Kapelle.
Am 28. November stellt der Kardinal
dem Künstler die Skizze zunick mit der
Versicherung seiner Zufriedenheit, äußert
jedoch Bedenken, die Nanmverhältnisse der
Kapelle möchten für ein solches Prunk-
ürab nicht ansreichen si. lieber die fol-
genden Verhandlungen fehlt uns jede Nach-

Frey, Briese, 101.

richt. Aber schon im Frühjahr 1521 muß
der Plan soiveit festgestanden haben, daß
der Künstler die nötigen Marmorblöcke
nach Maß und Zahl und Form bestimmen
konnte.

„Am 9. April 1521," besagt ein Ri-
cardo Michel Angelas'), „erhielt ich vom
Kardinal de' Medici, d. h. in seinem Auf-
trag durch Domenico Boninsegni 200
Dukaten, um nach Carrara zu gehen und
das Brechen der Marmorblöcke für die
Grabmäler, welche für die neue Sakristei
von S. Lorenzo bestimmt sind, zu ver-
dingen. Ich ging nach Carrara und blieb
dort etwa 20 Tage, und machte alle
Maße besagter Grabmäler in Ton und
ans Papier gezeichnet, und vergab die
Blöcke in zwei Partien au zwei Gesell-
schaften." Die Verträge, die er am 22.
und 23. April mit den beiden Gesell-
schaften abschloß, sind noch erhalten^).
Ihre Vestimninngen haben für unseren
-Einblick in die Entwicklungsgeschichte der
Grabmäler große Wichtigkeit. Die erste
Gesellschaft erhält 100 Dukaten Anzah-
lung; der zu liefernde Marmor ivird auf
etwa 200 Fuhren geschätzt; als Liefe-
rungsfrist werden die nächsten 18 Mo-
nate festgesetzt, doch sollen die Unterneh-
mer schon bis Ende Juli von den vor-
geschriebenen Blöcken drei Figuren oder,
wenn möglich, noch mehr liefern, und
ebenso von den Blöcken für die Wand
soviel sie können. Die zweite Gesellschaft
erhält 50 Dukaten Anzahlung; ihr Mar-
mor wird auf etwa 100 Fuhren geschätzt; die
Frist beträgt genau ein Jahr, doch müssen
die Unternehmer bis Ende Juli von den
genannten Blöcken die Figur einer sitzen-
den Madonna, ivie sie gezeichnet ist, und
wenn sie können, noch andere Figuren nach
den Maßen liefern.

„Am 20. Juli 1521," bemerken des
Künstlers Ricordi ch, „erhielt ich vom
Kardinal de' Medici bezw. von Dome-
nico Boninsegni 100 Dukaten. Ich ging
nach Carrara und blieb dort neun Tage.
Ich gab den Carraresen kein Geld, denn
sie hatten nicht gemacht, rvas mir ge-
schrieben war." „Und heule, am 16. Au-
gust, da die beiden Gesellschaften hieher

0 9Jiil«ne]i, Leiters (Ricordi), 582.

'0 Milmiesi (Leiters ((Sontratti), <D4 ff.

:'j Milmiesi 582.
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