Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 26.1908

Seite: 10
DOI Heft: 10.11588/diglit.15941.2
DOI Artikel: 10.11588/diglit.15941.5
DOI Artikel: 10.11588/diglit.15941.6
DOI Seite: 10.11588/diglit.15941#0019
Zitierlink: i
http://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/afck1908/0019
Lizenz: Creative Commons - Namensnennung - Weitergabe unter gleichen Bedingungen
0.5
1 cm
facsimile
10

91 ii zahl u ii g, 2 0 0 u n d 1 0 0 F u h r e n
Marmor, zunächst drei Figuren
beziv. die Sitzinadoniia zu lie-
fern —, dauu ist ohue viel Scharf-
siuii zu erkenneu, daß der durch
A und B bezeugte Plan schon
damals fest stand, und daß jede
der beiden Gesellschaften ein
Grabmal, nämlich die erste die
Herzo gs g räber, die zweite das
M a g n i f i c i - Grab m a l übe r n a h in.

lieber die Entivicklnngsgeschichte der
Grabmäler herrscht bis heute ein wirre?
Durcheinander von Meinungen, weil die
scheinbar sich widersprechenden urkund-
lichen Angaben über die Zahl der Grab-
mäler und die Anordnung der Sarko-
phage wie auch die Unmöglichkeit, einen
zuverlässigen Stammbaum der Skizzen
herzustellen, für Hypothesen über wieder-
holte Aenderung des Plans weitesten Raum
ließen. Wir haben schon an anderer
Stelle') darauf hingewiese», daß die bis-
her unbeachteten Worte, die Blichel Angelo
auf eine Skizze schrieb, jetzt mit Sicher-
heit sämtliche Skizzen mit zwei Sarko-
phagen als Entwürfe zum Magnifici-
Grabinal erweisen und sie unter sich zeit-
lich ordnen lassen. In einer eingehenden
Besprechung aller Skizzen, die hier zu
weit führen würde und ohne Beigabe
der Abbildungen aller Skizzen nicht wohl
angängig wäre, ließe sich zeigen, daß alle
bis jetzt veröffentlichten Entwürfe vor
April 1521 anzusetzen sind?)

Ferner wäre aus den Skizze», unter
Berücksichtigung der literarijchen Anhalts-
punkte mit annähernder Sicherheit dar-
znlnn, daß schon daS 1521 für die Mar-
morbestellungen vorauszusetzende Projekt
dasselbe war wie im Mai 1524, daß
also jedes Herzogsgrab 7 Figuren, deren
Maße und Form der Künstler schon 1521
in Ton und Zeichnung bestimmte, ent-
hielt : in der Mittelnische die Jdealgestalt
eines Capilaiio, in beiden Seitennischeii
ein Paar stehender Allegorien, auf dem
Sarkophag die liegenden „Tageszeiten",

') „Archiv f. christl. Kunst" 1007, S. 45 ff.

-) Abgesehen von den beiden Zeichnungen, von
denen unten die Rede sein wird. Auf ein näheres
Besprechen der Skizzen könnenuvir hier umso eher
verzichte», nls ihre Neuausgabe von zwei verschie-
denen Seiten in Aussicht steht.

am Boden die hockenden Flußgötter. Da-
bei könnte zugleich mit größter Wahr-
scheinlichkeit festgestellt werden, wie wir
uns das nie ansgeführte Düppelgrabmal
der Magnisici zu denken haben: nämlich
über zwei nebeneinanderstehenden Sarko-
phagen ohne jeden Figurenschinnck drei
Wandnischen mit den drei heute an der
Rückseite der Kapelle ausgestellten Sta-
tuen, in der mittleren die sitzende Ma-
donna, die ja auch schon 1521 im Ver-
trag ausdrücklich genannt wird, und in
; den seitlichen die beiden (von Montorsoli
und Montelupo nach des Künstlers Ent-
würfen ausgeführten) sitzenden Medici-
patrone Kosmas und Damian. DaS
Studium der Skizzen und der literarischen
Quellen würde also zu dem übereinstim-
menden Ergebnis kommen, daß der Plan
des Jahres 1524 schon im Frühjahr 1521
feststand. Jedenfalls ist das eine, was
wir für unsere folgenden Ausführungen
vorauszuietzen Haben, durch die Briefe
A und B mit voller Sicherheit bezeugt:
Der am 23. Mai 1524 feststehende
Plan umfaßte zwei getrennte
Denk in ä lei f ü r die Her zöge in i t
je einem Sarkophag und ein Dop-
p e l m o n u in ent für die Magnisici
mit zwei Sarkophagen.

(Fortsetzung folgt.)

Literatur.

Or. M a x K e m in e r i ch , die f r ä h m i 11 c [ -
c> ltertiwe Porirätinalere i i n
Deutschland bis z u r M itte des
t 3. Jahrhu » ber t s. München, 1007.

Das vorliegende Buch darf als ein Novuin
in jeder Richtung betrachtet werden. Es be-
handelt erstmals das frühmittelalterliche Porträt,
wie es uns zunächst in kirchlichen Handschriften
entgegentritt. Das Porträt dieser frühen Zeit
hat man bisher kaum beachtet, indem man den
Porträtwert dieser zumeist sehr primitiven Malcr-
eien keiner nüherenPrüfung unterzog. Kemmerich
ist nun durch seine planmäßigen Untersuchungen
zu ganz überraschenden Resultaten gekommen.
Seine Methode besteht darin, bau er suchte, von
einer und derselben Persönlichkeit möglichst alle,
in Handschriften vorkommenden Bilder zu sauimeln.
Dadurch erhielt er Vergleichsobjekte und war in der
Lage, den Porträtwert der Miniaturen zu prüfen.

Der Schwerpunkt der zur Verfügung stehenden
Bilder steht selbstverständlich auf kirchlichem
Gebiete; geistliche Würdenträger, Bischöfe, Liebte,
dann namentlich auch die Schreiber der Handschrif-
i ten haben sich vielfach verewigt, ferner sind öfter
loading ...