Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 26.1908

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des Künstlers für die Grabmäler durch-
suchen, so köuueu wir, wie ich glaube,
mit Bestimmtheit die Stelle entdecken,
um die es sich in C und D handelte,
und sogar die durch ein günstiges Ge-
schick erhaltene Zeichnung ausfindig machen,
die Michel Angela im Juni nach Nom
gesandt hatte und mit D zurückerhielt.

Burger]) reproduziert zwei Zeichnungen
Michel Angelos, die er mit den geplanten
Papstgrabmälern der Kapelle in Zu-
sammenhang bringt. Wir geben seine
Beschreibung und Deutung derselben-) in
verkürzter Form wieder. Figur 1 ist
in der allgemeinen architektoni -
scheu Komposition den heutigen
Medici m o n u m e n t e n durchaus
verwandt: eine horizontal abgedeckle
Mittelnische überragt um einen attika-
artigen Aussatz zwei durch einen Segment-
bogen abgedeckle Seitennischen. Die
mittlere h at eine segnende Papst-
sigur ausgenommen. An Stelle der
Säulen, die in den Medicimonnmenlen
Die Aiittelnische bilden, sind hier nur
einfache schmale Lisenen getreten.
Der Sarkophag, ohne jeden plasti-
schen Schmuck, zeigt eine ei gen-
t ü m l i ch herbe a r ch i t e k l o u is ch e

F o r nt. A u s einen hohen Sockel
gestellt, ist er nur durch Anord-
nung der scharf gegeneinander
ab ge setzten Horizontalen und
Vertikalen, also rein linear mit
den an der Nücfw and aussteigen -
den A r ch i t e k t n r e n verbunden. Mit
Rücksicht ans die Verwandtschaft der
Komposition dieses Entwurfes mit den
Architekturen der Medicigrabmäler möchte
inan annehmen, daß diese Skizze einen
brnlwnrs für die Papstgräber darstellt,
weicherem der dem Chor gegenüberliegen-
den ^>erte errichtet werden sollten (?).
Allein diese Annahme stößt aus Schwierig-
keiten, da uns von einem einzelnen Papst-
grabdenkmal nichts bekannt ist und wir
stets nur von zwei Papstgrabdenkmälern
hören, die hier nebeneinanderstehend die
Wand zieren sollten (?). Wir müßten
also annehmen, daß das Motiv der Mittel-
nische sich unmittelbar an einer der beiden l

l) Florent. Grabmal, Tafel 35, Figur I und 2.

-) S. 3fi0 f.

anschließenden .Seiten wiederholt hätte,
so daß zwei Nischen mit Statuen zwischen
drei kleineren angcordnel waren; hiezu
gewährt die Zeichnung jedoch keinen An-
haltspunkt, und die Annahme dürfte auch
auf räumliche Schwierigkeiten stoßen.
Daß wir hier Entwürfe für die im Chor
von S. Lorenzo geplanten Papstgrab-
denkmäler — aus die wir noch zu sprechen
kommen — zu erblicken hätten, ist des-
halb unwahrscheinlich, weil die ganze An-
lage zu sehr mit Rücksicht ans die übrigen
Medicigräber und die architektonische
Gliederung der Kapelle erdacht ist. Falls
daher nicht einmal ein Zufall uns hierüber
nähere Ausklärnng verschaffen sollte,
müssen wir doch einen Entwurf für die
Papstgrabdenkmäler der Medicikapelle darin
erkennen.

Aehnliches gilt von der weit weniger
glücklichen Skizze Figur 2, die weit eher
ein Grabdenkinal für S. Lorenzo dar-
stellen könnte. Die ziemlich breite Miltel-
nische, von einem Segmentbogen über-
deckt, ist durch Voluten an den Ecken des
Auslagers mit dem etwas breiteren und
höheren Wandsockel verbunden, vor dem
Der mächtige Sarkophag steht. Es ist
wohl einer der frühesten Entwürfe für die
Papstgrabdenkmäler, der in seinen ein-
zelnen Formen wie in der Gesamtanlage
weit hinter dem andern zurücksteht.

Burger hat lediglich ans dem architek-
tonischen Charakter der Skizzen, namentlich
ver ersteren, mit vollem Recht geschlossen,
daß die Entwürfe für die Medicikapelle
bestimmt waren, was umsomehr anzn-
erkennen ist, als er, in dem Irrtum be-
fangen, die Papstgräber hätten an der
Rückwand angebracht werden sollen, mit
den beiden Skizzen begreiflicherweise prak-
tisch nichts anzufangen wußte; auch sein
Versuch, den Entwurf zu ergänzen, konnte
daran nichts bessern. Nach nnsern bis-
herigen Ansführungen brauchen wir die
Aufklärung nicht erst von einem glücklichen
Zufall zu erhoffen, sondern die Zeich-
nungen bloß in den richtigen Zusammen-
hang der Verhandlungen über die Papst-
grabdenkmäler einzustellen.

Tie beiden Blätter zeigen nicht, wie
alle übrigen Entwürfe für die Bildwerke
der Kapelle, flüchtig von freier Hand hin-
geworfene Skizzen, sondern sorgfältig
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