Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 26.1908

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uud sauder mit de m Lineal aus-
gearbeitete Zeichnuugen, die offen-
bar dazu bestimint waren, dein Papst
vorgelegt zu werden. Aus diesem Grund
müssen 'wir auch zunächst annehmen, daß
darin alle wesentlichen Einzelheiten des
Plans anfgenommen seien; wir haben sie
also zu nehmen, wie sie sind, und dürfen
sie nicht ohne weiteres nach Gutdünken
ergänzen. (Fortsetzung folgt.)

Katholische Rirchenkunst und
moderne Ärmst.

Bo» Prof. Dr. Ludwig 33 nur, Tübingen.

II.

Wo immer die Orientierung am reli-
giösen Objekt verloren geht, wo das ganze
Interesse sich ans das religiöse Subjekt
konzentriert, da wird auch die religiöse
Knust notwendig wesentlich psychologisch,
sie wird reine religiöse Stimmungskunst,
für welche das religiöse Objekt höchstens
noch den Wert einer Occasionalursache
hat. Sie wird dann auch leicht kleinlich
— jedenfalls nicht monumental sein. Wir
sehen das deutlich an den Anffassungs-
weisen der größten und um ihrer Meister-
schaft willen mit Recht am meisten ge-
rühmten protestantischen Maler Uhde,
Stein Hausen, Thoma und Geb-
hardt. Alan hat schon die Frage auf-
geworfen : Kann man die Bilver Uhdes
in eine Kirche hereinnehmen? Man kann
eigentlich in dieser Frage nicht mehr sagen :
„Adhuc sub judice lis est.“ Denn
Uhde selbst hat darauf die Antwort ge-
geben. David Koch, der Herausgeber des
„Christlichen Kunstblatts", macht die Mit-
teilnng: „Ich erinnere mich auch, daß
mir Fritz v. Uhde sagte, daß er, wenn
er in seinen besten Jahren monumentale
Kirchenkunst hätte malen dürfen, er dann
einen anderen k ü n st l e r i s ch e u S1 i l j
gesucht und gefunden haben
würde." *) Ich glaube, gründlicher hätte
die aufgeworfene Frage von niemand sonst
gelöst werden können. — Damit ist natür-
lich wieder nicht gesagt, daß diejenige
religiöse Kunst, die privaten Zwecken dient,
nicht in mancher Hinsicht ähnliche Wege
gehen oder von Uhde lernen konnte.

*) „Christl. Kunstblntt" 1907, S. 270.

Am meisten wohl nähert sich dem mo-
numentalen Stil Gebhardt in seinem
großen und tiefen Zyklus in Düsseldorf.
Das ist gewiß Jnhaltskunst, eine strenge
Fühlungnahme mit der Heiligen Schrift,
wenn auch wesentlich auf einen Gedanken:
„die Verkündigung des Wortes", zuge-
schnitten. Aber auch er ist, wie besonders
die Bergpredigt zeigt, vor allem daran
interessiert, das persönliche Ergriffensein
von Christi Wort in den Mienen der
Menschen wiederzugeben, während sein
Christus doch (gerade in der Berg-
predigt) ziemlich stark Pose ist; immerhin
ist er nie unwürdig. — Trotz dieser zweifel-
los hochbegabten Meister klagt doch Clemen
in einem Vortrag über kirchliche Monu-
mentalmalerei ff über den Mangel an kirch-
licher Monnmentalmalerei und erhebt die
sehr richtige Forderung: „Das, was den
Geist der alten Malereien aus-
macht, ihre architektonische Gebundenheit,
den feierlich hieratischen Stil, den überall
vorhandenen Sinn für Nauniausfüllung,
für Größe und für das Erhabenmonu-
mentale, möchten wir auch in die neuen
Schöpfungen übernommen haben." 2)

Wenn es sich um bildliche Darstellungen
für das katholische Gotteshaus handelt,
so müssen sie der Idee desselben ange-
messen sein. Diese aber ist die „celestis
urbs Jerusalem, beata pacis visio“,
wo Gott selbst thront.3) Hier können

b Vgl. „Christ!. Kunstblatt" 1907, S. 265 ff.
Clemen klagt hauptsächlich: 1. Es fehlt in dem
Stamm der zu unserer Verfügung stehenden vor
allem an künstlerisch allseitig ausgebildete» Kräften,
die auch das ornamentale Gebiet gleichmäßig
beherrschen. 2. Es fehlt bei einer sehr großen
Anzahl der Maler an Sinn für monumentalen
Stil, der für architektonische Gebundenheit der
ganzen Darstellung Rücksicht nimmt. 3. Es fehlt
an koloristischem Sinn und Verständnis für ma-
lerische Stimmungen. 4. Ilm schlimmsten ist der
Mangel auf figürlichem Gebiete.

2) Ebenda S. 26(3.

s) Ich kann es mir nicht versage», die anch
vom protestantischen Standpunkt aus geiviß selt-
same Auffassung von der Idee der protestantischen
Kirche hieherznsetzen, welche D. Koch entwickelt:
Er findet, daß die protestantische Kirche ein Ab-
bild der freien schönen Gottesnatur sei rnrd des-
wegeu solle inan keine gemalten Fenster anbringen,
sondern „den Blick nach dem Freien ermöglichen
(sic!). Der blaue Himmel, die ziehenden Wol-
ken, die grünen Baumwipfel, die Efeuranken
solle» zum Fenster herein den Andächtigen
grüßen."
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