Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 26.1908

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der kirchlichen Architektur, zum Teil auch
der Plastik hindurch verfolgen.

(Fortsetzung folgt.)

Christliche Kunst in Bild und Buch,
schule und chaus.

Von Pfurrveriv. Fischer, Degmarn.

(Schluß.)

Wie eine heilige Geschichte, gibt es
nach Eberhard auch eine heilige, d. h.
biblische Geographie. Hierin beruht die
Berechtigung der „12 S ch u l w a u d -
b i l d e r a it s Palästina" von
Wörndle. Mit ihrer lebhaften, aber
wohlberechneten Kolorierung und mit
ihrer Beschränkung
aufs Notwendige
bieten sie die fürs
Schulzimmer wün-
schenswerte Fern-
wirkung. Was an
Bildern fürs Wohn-
zimmer ein Mangel
wäre, die Vernach-
lässigung des De-
tails, ist hier ein
Vorzug. Der Künst-
ler bietet weiter
nichts als die künst-
lerisch verklärte Na-
tur. Siemitmensch-
lichem Leben zu er-
füllen , bleibt dem
Katecheten überlas-
sen, der so für seine
Eigenart freie Hand
behält.

Soll die Kunst
fürs Volk und insbesondere fürs Kind
wirksam und genießbar sein, so muß sie
eine Sprache reden, die volkstümlich,
kindisch ist, der Zeit und dem nationalen
Empfinden angemessen. Albert Kuhn
riihmt den Häuptern der Düsseldorfer
Schule nach: „Hatten alle eine große

Vorliebe teils für die unibrische Schule,
teils für die italienischen Cinquecentisten,
besonders Raphael, so blieb man in der
Auffassung und in den Typen doch deutsch.
Selbst wo einer sich in einer Kompo-
tition enger an einen Italiener anschließt,
>!t die Darstellung doch eine Umdichtung
rmd Uebersetznng in die moderne Anschau-
ungs- und Gefühlsweise" (Allg. Kunst-

geschichte, Liefss. 38, S. 1166). Also selbst
Raphael hat kein Privileg der Allgemein-
giltigkeit. Aber freilich auch die Reproduk-
tionen moderner, lokal bedingter Werke
eignen sich nicht in jeder Größe für jeden
Gebrauch. Insofern kann es nicht freudig
genug begrüßt werden, daß die Gesellschaft
für christliche Kunst zur Herausgabe „ori-
ginaler Wandbilder fürs ch r i st -
liehe Haus" zu dem geringen Preis
von 1 M. 50 Pf. bei größerem Format
entschlossen ist und auch die biblischen
Wandbilder ans eine stattliche Anzahl
bringen wird. Einstweilen behilft sie sich
mit ein- und mehrfarbigen Nächbilvnngen.

Zu diesen leitet
Sambergers
„Christus" über.
Mehr als dieses Bild-
nis hätte uns eine
ganze Serie nicht zu
sagen, und im Geiste
ergänzt der Beschauer
dies Werk von selber
durch die Heiligen-
bildnisse des Meisters
zur Serie. Der Leser
der „Christlichen
Kunst" kennt das
Künstlergenie des
Malers bereits.
Wenn einer, so ist
Samberger ein Mo-
derner. Und doch,
welch ein Unterschied
zwischen dem „Chri-
stus" von Hans
Thoma und un-
sernr Heilandsbildnis! Thoma — das
ist der lebhafte Eindruck — ist mit seinem
Christus leichten Kampfes fertig gewor-
den. Samberger dagegen hat jahrzehnte-
lang gerungen, bis endlich — nicht Sam-
berger, sondern Christus siegte. Freilich
ist eine solche Niederlage ein sehr schöner,
ja der einzig mögliche Sieg.

Unter den reinen Reproduktionen der
Gesellschaft ist das Prachtlieferungswerk
„Christliche Kunst" bezeichnend. Ich habe
die Aufnahmefähigkeit deS Volkes eben
an dieser Sammlung versucht und bin da-
bei zu interessanten Ergebnissen gelangt.
Die meisten Liebhaber fanden: Feuer-
steins hl. Antonius, Dietes Madonna und

a m 6 e r g e r, Christus
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