Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 26.1908

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von Brandenburg, Erzbischofs vonMainz,
dieses Bild in seinen letzten Lebensjahren
für den Deutschorden, d. h. im Aufträge
eines Deutschordensmeisters, ausgesnhrt
habe. Als solcher kann nur Walter von
Crouberg in Betracht kommen^ der erste
Deutschmeister, der (nach dem Abfall des
Markgrafen Albrecht von Brandenburg)
diese Würde mit der des. Hochmeisters
verbaud, und der 1526 seine Residenz in
Mergentheim aufschlug. Ich habe in dem
zitierten Aufsatz des Jahrbuchs der
preußischen Kunstsammlungen wahrschein-
lich gemacht, daß dieser Walter von
Crouberg das Bild bestellt hat, als er in
den Jahren 1527 und 1528 das Schloß
und die Schloßkirche nach den Zerstörungen,
die sie im Bauernkriege 1525 erfahren
hatten, wieder hei stellte. Leider ist es
mir aber bisher nicht gelungen, den posi-
tiven Beweis dafür beizubringen.

katholische Rirchönkunst und
moderne Ärmst.

Bon Prof. Or. Ludwig Saut, Tübingen.

III.

Der Architekt- der eine Kirche baut,
wird sie zu allererst entwerfen müssen vom
Gesichtspunkt des liturgischen Zweckes. Die
Rücksichten rein ästhetischer Art, seien sie
auf eine freiere Ranmgliederung, oder auf
eine reichere Mannigfaltigkeit des'Außen-
baus, oder ans die Zusammenstimmung
mit der landschaftlichen oder baulichen
Umgebung, müssen jene zur Voraussetzung
nehmen.

Unser Altarbau ist nur dann auf
dem richtigen Wege, wenn er erkennen
läßt die dreifache dogmatische Idee, aus
der er hervorgewachseu ist: Opferstätte
(ara), Speisetisch (rnensa) und euchari-
stischer thrönus zu sein.

Es ist ein Verstoß gegen diese Grund-
gesetze besonders i n d e r h e u t i g e n P a r a -
mentik nicht selten. Eiikige Beispiele:
Vor kurzem war in der „Christlichen
Kunst" ein neues Meßgewand abgebildet,
modern! Der Entwurf war ganz aus
-ber Slicktechuik heraus entworfen. Die
Ausführung tadellos. — Leider ist das
Stück nicht in gleichem Maße rühmens-
wert voiu Gesichtspunkt der Liturgie. Es
- handelt sich um ein weißes Meßgewand.

Also um ein Kleidungsstück, das zur
Liturgie der freudigen Festtage des Herrn
und der seligsten Jungfrau gehört. Mitten
prangt — das dorngekrönte Haupt des
leidenden Herrn; oben ein hl. Geist, links,
rechts und unten ein Engel! — Das ist
ein theologisch-liturgisches Monstrum! Was
sollen wir denn an Weihnachten und Ostern
mit dem dorngekrönteu Haupt-Jesu ? und
was soll dieses in Kombination mit. dem
hl. Geist und drei Engeln? — Anderswo
war ein tiefblaues Meßgewand — also für
die Bußzeiten des Advents und der
Fasten — mit dem Bilde der immacu-
lata Conceptio geschmückt zu sehen. Das
sind Beispiele, wie sie noch leicht ver-
mehrt werden könnten. Darum möchte
es allen Künstlern zu empfehlen sein:
studierend betrachtend die Hl. Schrift und
das Missale zur Hand zu nehmen, ehe
sie an den Entwurf einer kirchlichen Kompo-
sition Herangehen, und sich eines guten
theologischen Rates zu versichern-.•>—, So-
weit stehen die Künstler noch auf der
ureigensten Domäne der Theologie und
der Kirche. —. Ihre Kompetenz liegt un-
bestreitbar auf ästhetischeni Boden: hier
stehen sie nicht der Theologie, sondern dem
ästhetischen Beurteiler gegenüber, der seine
Kompetenz, hierüber sich zu äußern, nur
in seiner tatsächlichen Befähigung hiezu
haben kann. Hier muß ihre Freiheit un-
angetastet bleiben. Wenn bei einem wahren
Künstler zutrifft, was Joseph v. Führich
von sich sagt: „Religion, Kunst und Natur
-flössen in meinem Gemüte in unbestimm-
ten poetischen Schwingungen in ein Ganzes
zusammen", wenn er ganz erfüllt ist von
dem Geist des katholischen religiösen Ideals,
dann niag er ruhig seinen künstlerischen
Inspirationen folgen — vorausgesetzt, daß
er Künstler sei!

Jii herrlichen Worten hat Professor
Busch) auf der Generalversamntlung der
Di.Ges. s. christl. Kunst zu Speier (16.Sept.
1967). diesem Gedanken Ausdruck ver-
liehen :

„Ein gründliches Studium der Natur, der
Werke Gottes, die sichere Beherrschung des Ma-
terials und aller technischen Hilfsmittel und ein
gesundes Denken soll den Künstler befähigen, den
dargebotenen Ideen selbständig Ausdruck zu ver-
schaffen. Der Freiheit, welche das künstlerische
Schaffen, zü seiner Entfaltung brüucht, wie die
Blume das Licht, - hat die Kirche weiten Spiel-
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