Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 26.1908

Seite: 34
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nötigt so die anderweitig erkennbare Tat-
sache, daß die drei Grabmäler als ein
einziges Denkmal gedacht waren. Zn
diesem großen Faniiliengrabnial, also auch
zinn Doppelgrab der Magnifici, gehörten
die Capitani, Jdealgestalten des Herrschers
im Krieg und Frieden?) Deshalb konnten
sie nicht durch Papststatnen ersetzt werden,
ohne den Gesamtplan zu zerstören. Bei
dein erweiterten Projekt vom Juni 1524
fügten sich die Papstgräber des Chors
dem Gesamtplan ein; dagegen die Lava-
mani mit den Papststatnen, die dem Auf-
traggeber die Hauptsache waren, bildeten
gleichsam Denkmäler für sich und taten
so dem Gesamtplan keinen Eintrag. Der
neue Vorschlag fiel, und der Künstler
hatte sein tiefsinniges Projekt gerettet. Noch
im Juni 1526 arbeitete er an seiner Ver-
wirklichung „so gut er nur konnte". Nach
dem AuSbruch des Krieges, der die tragische
Wendung brachte, hat er den seit 152t
festgehalten en Plan z>var uich t
vollenoet, aber auch niemals a b-
g e ä »Der t.

Auustuotiz.

Tie Deutsche Gesellschaft für christliche Kunst.
Mfünchen, Karlstraße ö, veröffentlicht soeben de»
Bericht über die im verflossenen Herbst zu
Speier abgehaltene XIIl. Generalversammlung.
Er legt Zeugnis ab von einer erfreuliche» Ent-
wicklung dieser Gesellschaft und gewährt in ihre
idealen Bestrebungen einen Einblick, der jeden
Freund christlicher Kunst mit frohen Hoffnungen
erfüllen muß. lieber allem, was unternominen
wurde, schwebt der hohe Gedanke, künstlerische
Freiheit und kirchliche Treue, alten Glauben und
neue Zeit zu einer Wiedergeburt großer und tiefer
christlicher Kunst zu vereinen. Don Götterfunken
Genie hat eine Gesellschaft freilich nicht zu ver-
schenken. Aber ivo er vorhanden ist, möchte sie
ihn anfachen, ihm frische Lust zuführen, ihn be-
freien ans allem, was ihn zu ersticken droht.
Ter ist der größte Freund des Künstlers, der
ihm die Sorge nms Brot vom Herzen nimmt.
Es gäbe viel weniger Künstlernot, aber auch viel
weniger schlechte Kunst, wenn von einer über-
schauenden Hochwarte aus dem Angebot und der
Nachfrage die »echten Wege gewiesen würden.
Zur materiellen Hebung muß aber auch die
ideale Förderung und Vertiefung kommen. Welch
verheißungsvolle Pläne in dieser Hinsicht ihrer
Erfüllung harren, geht aus dein Bericht über die
Verhandlungen in Speier hervor. Durch ein
großes Ausstellungshaus in München soll
eine Zentralisierung des christlichen Kunstlebens
bewirkt werden, die für den einzelnen Schaffenden,

') Vgl. „Archiv für christliche Kunst" 1907,
S. 45 ff.

der ans seiner Einsamkeit den Weg in die
Oeffentlichkeit nicht finden kan», keine Isolierung,
sondern eine Aufnahme in einen großen lebendige»
Organismus bedeutet. Zu jeder Zeit iväre dann
ein Ueberblick über die Gesamtlage der christ-
liche», Kunst »vie über das Schaffen des einzelnen
Künstlers gewährt. In Verbindung mit dem
Ansstellnngshause soll auch eine Schule für
christliche Kunst eingerichtet »verden. Nicht
das technische Können soll hier dem Künstler ver-
mittelt werden, sondern jene Kenntnisse der
christlichen Lehre imb des religiösen Lebens der
Gegenwart und Vergangenheit, die den Künstler
vertraut machen mit dem Ideenreichtum, mit dem
ganzen Denken und Fühlen der Kirche. Eine
Bereicherung und Vertiefung seines Schaffens
soll er hier empfangen, die in segensvoller Nück-
wirkung auch unserer Zeit auf Weg und Steg
predigt vo»n unvergä»>glichen Nrguell der Schön-
heit. Allen Freunden der christlichen Kunst aber,
zumal den Hütern des Heiligtums, iväre mit
dieser hohen Schule eine Stätte theoretischen und
geschichtlichen Kunststndinins, aber auch prakti-
schen Einblicks in die Entstehung von Kunst-
werken aller Art geboten. Daß aber bald zur
Tat »verde, »vas heute »»och Hoffnung ist, dazu
bedaif es der Mithilfe der deutschen Christenheit,
soiveit ihr das religiöse Ideal noch nicht ver-
kümmert ist. Christliche Kunst zu fördern, ist
heute eine von den religiösen Pflichten geworden.
Der genannte Bericht enthält außer denr ge-
schäftlichen Teil auch drei hochinteressante Vorträge,
die den Wert der Publikation über die geivöhn-
liche Bedeutung solcher Berichte »veit erheben.
Interessenten wird er kostenlos zugesandt.

Literatur.

K o » k»»r r e n z e» der Deuts ch e u G e -
s e l i s ch a f t s ü r ch r i ft I i ch e K u » |t.
Text voll S. Staudhainer. 70 Jllu-
stratione». Verlag der Gesellschaft für
chtistliche Kunst. München o. I. 36 S.
Preis 1 M. 50 Pf.

Der Text des kleinen Merkchens von S. Staud-
hamer enthält zunächst „Allgemeines über Wett-
bewerbe", nämlich den Ziveck derselben, den In-
halt der Ausschreiben, die Zusammensetzung des
Preisgerichts und die Tätigkeit des Preisgerichts.
Die Ausführungen hierüber sind klar »mb man
kann denselben in» wesentlichen zustiinmen. Der
praktische Ziveck der Wettbeiverbe »vird darin
gefunden, „den besten Gedanken z»»r Lösung
einer bestimmten künstlerischen Aufgabe zu er-
langen". Wir ivürden das eher einen idealen
Ziveck nennen »ind als praktischen Ziveck bei
diesen Münchner Wettbeiverbe» den bezeichnen,
den M ü nch n e r Künstlern der Deutschen Gesell-
schaft für christliche Kunst Arbeit z»l verschaffen und
anderseits manchen Auftraggebern aus einer
gewissen Verlegenheit zu helfen. Ob dabei ei»
realer Hintergrund mit Preisauszeichnungen in
Geld oder bloß in Belobungen vorhanden ist,
ist Nebenjache. Daß der praktische Zweck erreicht
ivird, dafür sorgt die Zusammensetzung und
Tätigkeit deS Preisgerichts, ob der ideale immer
! erreicht ivird, nämlich überhaupt künstlerisch an-
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