Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 26.1908

Seite: 48
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S i e 6 f i\a u e lt t n l 6 e i B s u r o n.

natürliche, und
die Felsen,
welche dasMut-
tergottesbild
umgeben, sie
sind nicht ge-
wachsen und
nicht an Ort
nnd Stelle da-
heim ; sie sind
van Menscheu-
hand hieherge-
bracht,und volle
Natur ist es
nicht.

W e sich e s
ist denn nun
die „ideal e"

Lonrdes-
grölte?

Wenn uns
das natürliche
Gefühl wie die
ästhetische Erwägung sagen: je mehr
Aehnlichkeit eine Lourdesgrotte mit dem
Originale in Lourdes selbst bat, umso
besser ist sie gelungen, dann bleibt uns
als letzte Folgerung der Satz übrig: die
vollendetste Lourdesgrotte ist die, bei
welcher die natürliche, gewachsene
Felswand ohne jede oder doch
ohne wesentliche Zutat und N a ch -
Hilfe von menschlicher Hand den

Altar und Tabernakel der Statue der

Mnttergottes bildet. Ob dann die Nische
bezw. Felsspalte für letztere schon gegeben
ist oder erst eingehauen wird, das tut
wenig zur Sache. Die Hauptsache ist
eine malerisch ansteigende Felswand, um-
geben und überragt von Buschwerk,

Bäumen und wilden Blumen, möglichst
still gelegen, und davor ein geschützter
Platz für fromme Beter; ist gar noch
eine Quelle an der Stelle oder nicht weit
herznleiten, so ist die Lourdesgrotte umso
vollendeter. Und dann soll die Statue

der Unbefleckten h o ch herabschauen ans
die Häupter der Betenden, wie auch zu
Lourdes, nicht ihnen bloß gegenüberstehen;
aber die Felsenmasse, sei es Granit oder
Kalk- oder Sandstein, sie bildet in ihrer
Schlichtheit und Rauheit, in himmel-
anstrebender Kraft und Wucht und in !
ihrer unberührten Natürlichkeit und llr- !

sprünglichkeit eineiUganz eigenartigen'che-
heimnisvollen Gegensatz zu dem Bilde der
verklärten Himmelskönigin, einen Gegen-
satz, der wieder eine tiefe Harmonie in
sich schließt durch den Gegensatz der un-
erlösteu und gleichsam trauernden Natur
und der edelsten nnd reinsten Blüte der
Erlösung, der Immaculata.

Solche von der Natur für Lourdesgrotlen
geschaffene Stätten sind bei uns in
Schwaben nicht gar selten. Freilich liegen
viele zu weit ab von den Gemeinden;
aber gewiß finden sich auch nicht wenige
in annehmbarer oder sogar nächster Nähe.
Und auch wenn z. B. an einem Berg-
abhang durch Abgrabung und Weg-
sprengung manches geschehen müßte, um
nachzuhelfen: da sollte man weit eher zu-
greifen, als zur Errichtung künstlicher
Grotten. Die reine, möglichst ungeänderte
nnd unverfälschte Natur, ohne Tuff- und
Kunststeine: das ist die einzig vollkommene
und ideale Umgebung und Heimat der
Statue der Madonna von Lourdes, und
darin liegt mehr wahre Schönheit und
wirkliche, religiöse Poesie, als in den
kunstvollsten und zärllichst ausgestatleten
Imitationen.

Um eine Illustration zu unseren Aus-
führungen letzterer Art zu geben, ver-
iveisen wir auf das Liebsraueutal
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