Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 26.1908

Seite: 59
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Farben, .hellein und dunklem Grün wech-
selnd, ans welchem sich die farbensalten
Gestalten der Hirten nnd die weißen Schäs-
lein wirksam herausheben.

Ueber der Mittelszene schließt dann die
gotische mit Blumen durchwachsene Archi-
tektur ab: von oben blickt noch ein Engel
hernieder mit dem Spruchband, auf dem
der Weihnachtsgrnß geschrieben steht:
Ehre sei Gott in der Höhe!

Wir können an dem Fenster die ruhige
harmonische Falbenzusammenstellung her-
vorheben und das Bestreben, die charakte-
ristische Eigenart der Glasgemälde zu
wahren. Besonders gut wirkt der Wechsel
von Weiß und Gelb in der Architektur
nnd der sauste Farbenansklang, der da-
durch ans dem Hintergrund des tiefblauen
Himmels darüber erzielt wurde.

2. Die Anordnung des anderen Fensters
ist dieselbe. Da die Emaus-Szene dar-
gestellt ist, so ist an der Stelle des
Propheten dort, in dem einen Zwickel
zwischen dem unteren und oberen Teil,
der hl. Lukas eingeführt, deni wir den
Bericht über den Gang nach Emaus ver-
danken.

Die Szene ist vor eine Stadt versetzt
mit festungsartigem Zinnenbau (in röt-
liches Abendlicht getaucht) — auch aus der
Ferne ist eine wohl befestigte Stadt sicht-
bar : tiefrot geht die Sonne unter in
starkem Farbenkontrast zu dem Dunkelblau
des Himmels nnd dem satten Grün der
Erde.

Jesus in weißem Kleide und rotem
Mantel, den Wanderstab in Händen
tragend, ist mit den beiden Jüngern eben
bis vor das Tor der Stadt gekommen
und schickt sich an, hinwegzugehen. Aber
mit lebhaftem Gebärdenspiel laden die
beiden Jünger ihn ein zum Bleiben:
„Herr, bleibe bei uns!" Der eine (rechts
auf dem Bilde) mit braunrotem Unter-
gewand, blauem Mantel, eine ehrwürdige
Gestalt, saßt den Herrn an der Schulter,
der andere mit gelbem Mantel, jugend-
lich, ladet ihn ein, in das Hans einzu-
treten — ein sinnvolles Bild voll tiefen
religiösen Gehaltes! — Der fignrale Teil
ist u. E. auf diesem Bilde freier und
schwungvoller als auf dem andern: das
Spiel der Hände ausgezeichnet.

Der Abschluß ist derselbe, wie beim

einen Fenster, nur daß das Spruchband
die Worte enthält, die uns den Sinn des
Bildes erschließen sollen: „Herr, bleibe
bei uns!"

Es ist selbstverständlich, daß dasjenige
Glasmaterial zu den Fenstern verwendet
wurde, das für solche Zwecke hauptsächlich
empfehlenswert ist: das Anlikglas, für
dessen Wiederherstellung sich gerade Herr
Kommerzienrat Zettl er außerordentlich
große Verdienste erworben hat.

Es ist ein schöner, würdiger Schmuck,
welchen die Garnisonskirche in Ulnr in
diesen Fenstern erhalten hat und vor
allem technisch eine ganz solide Arbeit!

Kirchliche Runstschlosserarbeiten.

Besprochen von Prof. Dr. I. N o h r, Straßburg.

(Schluß.)

Wenn Referent die Leser in die Werkstätte
führt, so geschieht es nicht, weil er vor sünf-
zehn Jahren vom sonnigen Vikars stübchen
aus hören und sehen konnte, wie in
derselben gehämmert, geseilt nnd ge-
nietet wurde, und ivie Hänschen lernte,
damit Hans einmal etwas könne, son-
dern weil die goldene Medaille, welche
die genannte Werkstätte ans der Aus-
stellung des letzten Sommers in Villingen
in Baden erhielt, eine sehr hohe und ge-
wiß nicht von Lokakpatriolismns ange-
kränkelte Anerkennung ihrer Leistungen ist
nnd deren Bekanntmachung in der engeren
Heinrat rechtfertigt.

Für uns handelt es sich hier selbstver-
ständlich nur um christliche Kultreqnisiten.
Hanshaltnngsgegenstände bleiben außer
Betracht. Der Bereich dessen, was die
Schlosserei für Kirchen zu liefern hat, ist
verhältnismäßig eng umschrieben; für die
Firma Manch noch enger, da sie bisher
nicht auf Lager und zur Ansicht, sondern
ans Bestellung gearbeitet hat. Trotzdem
hat sie eine derartige Anzahl von Erzeug-
nissen anfzuweisen, daß man sich ein zn-
verlässiges Urteil über ihre Leistungs-
fähigkeit bilden kann. Woran man bei
einem Schlosser zunächst denkt, das sind
die Gegenstände, die seinem Handwerk den
Namen geben: Schlösser, Tür-

b an der, Türangeln nnd Tür-
klopfer. Sie finden sich in reicher Aus-
wahl und entsprechen den Ansorderungen,
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