Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 26.1908

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als Ergänzung und Schmuck, ja gerade-
zu als Ersatz für die Tumba bei Leicheu-
gottesdiensten und Jahrtagen — und auf
diese Weise ist das eine und andere er-
halten geblieben oder wenigstens in Ehren
gehalten worden. Auch die Firma Manch
hat bereits ein solches geliefert, und es
stünde jedem Gotteshause gut an. —
Eine feine Arbeit ist auch ein in den
Formen mittelalterlicher Neliquiarien ge-
haltenes Kästchen in Hansform für die
heiligen Oele zum
Gebrauch im Rol-
tenburger Dom.

Jede einzelne
Dach- bezw. Front-
seite ist aus einem
Stück herausgear-
beitet und bis ins
Detail sorgfältig
dnrchgeführt.

Daß die Kunst-
übung sich nicht in
dem Gebrauch der
„kirchlichen" Stil-
arlen erschöpft, be-
weist ein Bildrah-
men in großen Di-
mensionen : Lor-
beer mit Wurzeln,

Stamm und Zwei-
gen, das Bild von
unten nach oben
umfangend, in
mühsamer, aber
sorgfältiger Arbeit
aus dem Eisen
Herausgetrieben.

Er hat eine wür-
dige Stätte gefun-
den. Herr Geh. Leuchter in Rott
Kommerzienrat

Mauser-Oberndorf a. N. hat ihn auf der
Ausstellung in Villingen erstanven und das
Bild seines Bruders, des Miterfinders
des deutschen Jufauteriegewehrs und Mit-
begründers der Oberndorfer Waffenfabrik,
ihm einfügen lassen. — So steht Altes
neben Modernem, Profanes neben Kirch-
lichein, der beste Beweis für das Vor-
handensein individueller Gestaltungskraft.
Letztere ist Naturanlage, also Gottesgabe;
aber ihre Ausbildung ist Sache persön-
licher Energie und Hingebung und eifrigen

i Natens und Zusammenarbeitens. Und
an letzterem hat man es hier allerdings
nicht fehlen lassen. An der Spitze steht
Herr R. Manch; und er hat seine Söhne
alle nacheinander in die eigene Lehre ge-
nommen. Dann aber mußten sie samt
und sonders auf die Wanderschaft, um
öas Erworbene zu erweitern und zu ver-
tiefen. Wenn sich heute die Firma
„N. Manch u. Sohn" nennt, so liegt
darin die Anerkennung dafür, daß der
älteste Sohn für
sie ein wichtiger
Faktor geworden
ist. Die rheinischen
Städte mit ihren
Werkstätten,
Sammlungen und
Schulen, unter letz-
teren namentlich
Düsseldorf, haben
ihn weilergebildet
und zu Arbeiten
befähigt, für die
in derHeimat viel-
fach erst rvieder
Terrain gewonnen
werden muß. Die
Naturanlage und
der persönliche
Fleiß haben ihm
Die Fähigkeit ver-
liehen, das Ge-
sehene nicht einfach
zu reproduzieren,
sondern im Geiste
der Stilaiten der
Vergangenheit
selbständig zu schaf-
fen. Es ist kein
e n b u r g - E h i n g e n. Kopieren der Vor-

lagen irgend eines
Formenschatzes oder ein Umsetzen in
größere oder kleinere Verhältnisse mit dem
Storchenschnabel, sondern individuelles
Entwerfen und Gestalten. Daher auch
das rasche Hineinwachsen in den moder-
nen Stil, wie es der Oberndorfer Bilder-
rahmen zeigt, und wenn die jüngeren
Brüder sich entsprechend entwickeln — der
eine arbeitet zur Zeit in Köln, der an-
dere befindet sich nach mehreren Wan-
derjahren am Rhein gegenwärtig auf der
Straßburger Handwerkerschnle —, so
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