Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 26.1908

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selben Vestibül. Die fremden Besucher
der Kirche treten durch das Hauptportal
ein. ES ist aus Sandstein gefertigt und
mit Oelfarbe gestrichen und trägt oben
das Wappen von Rottenmünster: eine
runde Säule, umgeben unten von je einem
Hirschgeiveih links und rechts und den ge-
würfelten Schrägbalkeu von Zisterz, mit
Muscheln oberhalb bekrönt (stehe Abbil-
dung bei Siebmacher, Wappenbnch,
Nürnberg 1882, Tafel 88). Am Chor
der Kirche außen ist dasselbe Wappen
und eine Taube rechts, oben die Helmzier
und ein Aebtissiu-
stab. Die Decke
des Chors der
Kirche ist in glei-
cher Höhe mit
der Decke, des
Schiffs, nur durch
den Triumph-
bogen unterbro-
chen. Links von
letzteremist derUr-
sula-Altar, rechts
der Marienaltar.

(Die alte Kirche
vor der Zerstö-
rung im Jahre
1643 hatte drei
Altäre, welche der
Weihbischof von
Konstanz am 15.

November 1590
konsekrierte zu
Ehren der hl. Ot-
tilie, Katharina
und Barbara.)

Beide Altäre ha-
ben Barockstil.

Am Ursula-Altar
ist das Oelge-
mälde der hl. Ursula und ihrer Jung-
frauen, dabei wahrscheinlich ein Bischof
oder der Abt von Salem. Der Maler
ist unbekannt. Oben am Ursula-Altar ist
ein quadratischer Aufsatz mit dem Bilde
des hl. Joseph. Am Seitenaltar rechts ist
das alte geschnitzte Gnadenbild der Himmels-
königin mit dem Kinde, angeblich vom
Jahre 1694, ein sehr hoheitsvolles Bild,
jetzt mit prachtvollem Samtpurpurmantel
bekleidet, ähnlich wie das Gnadenbilv
in Einsiedeln; an der Nokokobasis sind

S t u c c a i u r e n in R o t t e n in ü » st e r.

Korallenimitationen eingefügt. Reiches Ba-
rockstnck ziert den Chorbogen über den
beiden Seitenaltäreu mit stilisierten
Pflanzenornamenten, die filigranartig die
Triumphbogenwand bedecken, lieber den
zwei Seitenaltären ist inmitten der reichen
Stuckverzierung ein größeres Oval frei-
gelassen und für die Uhr am Triumph-
bogen ein kleineres Oval, von zwei Engelchen
gehalten, alle drei jetzt unbemalte Felder
waren früher vermutlich mit Fresken ver-
sehen. Aehnlich wie der Triumphbogen
sind auch im Schiff und Chor die Decken

mit Stuccatureu
geziert. Das
Schiff hat eine
flache Decke, ein
Prachtstück von
Ornamentik, mit
kleineren Fel-
dern und einem

größern Feld für
Bildwerke, mit
lebendigenPflnn-
zenmotiven, einer
Aufnahme und
Nachbildung wert,
als eine der

schvnstenStnc-
c a t u r p r o b e u
in Württem-
berg a u s dem
Ende des 17.
Jahrhunderts.
Im Chor selbst

zeigt die Decke
dieselbe Stucca-
turarbeit mit einer
größeren Bild-
fläche, deren Um-
rahmung sehr sein
und duftig und

noch lebendiger und reicher ist als im

Schiff. Bei der Restauration wurden
die Stuckreliefs alle weiß, der Unter-

gruud im Chor rötlich, im Schiff leicht
bläulich gehalten. So erscheint alles
licht und hell, das Gold der Rokokozeit
fehlt vollständig und die Ornamentik der
Stuccatureu wirkt durch die Klarheit der
Zeichnung vollständig für sich und mit
einheitlichem Gesamtton. Einstens waren
iil der Kirche auch die heiligen Leiber von
St. Klemens, Viktor und Benedikta, sie
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