Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 26.1908

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Die Kschpredigt des hl. Antonius
von j?adna.

Ein Wandgemälde v o u M. F e u e r -
stein.

Besprochen von Pros. Dr. I. Rohr, Straßburg.

Der Name Marlin Feuersteins ist
schon längst bekannt und in Ehren ge-
nannt meit über die Grenzen seiner
Elsässer Heimat. Hat ihn doch erst vor
kurzem ein Auftrag bereits nach dem
sonnigen Süden geführt. Es galt, die
deutsche Nationalkapelle in der Autonius-
basilika zil Padua mit Fresken aus der
früheren deutschen Geschichte zu schmücken.
So kam z. B. die Krönung Karls des
Großen, der Tod des hl. Bonifatius zur
Darstellung. Das neueste Werk des
Künstlers ziert seit Mariä Himmelfahrt
vorigen Jahres ein Gotteshaus seines
Heimatlandes, den Chor der Sladlpsarr-
ttrche von Allkuch. Für Württemberg
ist dieselbe insofern von besonderem
Interesse, als sie ans dem Platze steht,
der früher ein Schloß der Herren von
Mömpelgard trug. Und die zählen be-
kanntlich zu den Ahnen unseres Königs- !
Hauses. Der Platz war würdig seiner
Herren. Er liegt auf einem Bergvor-
sprung und beherrscht das ganze Tal.
Schon manchen Wanderer, auch schon
manches stolze Heer hat er an sich
vorüberziehen sehen. Schon oft erdröhnte
er selbst vonr Schlachtruf; jetzt ist er
Eigentum des Allerhöchsten geworden,
lind wenn man auch der Kirche ein
solideres Gewölbe und einen statllicheren
und wuchtigeren Turm als Bekrönung
wünschen möchte, so darf man doch nicht ■

vergessen, daß der Neubau in die vier-
ziger Jahre des vorigen Jahrhunderts
fällt, also in die Zeit, da der Finanz-
kammerstil in manchen Gegenden, auch in
Württemberg noch energisch das Felo
behauptete. Für jene Zeit ist eine ronia-
nische Kirche mit dreischisfiger Anlage in
Kreuzform, ebenmäßigen Dimensionen und
stilgerechter Ausgestaltung der Bauglieder
immerhin eine Leistung. Vielleicht haben
die Perlen romanischer Kunst, deren das
Elsaß so viele schmücken, dazu beigetragen,
hier früher als anderswo neues Leben
aus den starrenden Ruinen sprießen zu
lassen. Und wenn die neue Kirche nicht
mehr am Orte der alten, dem Platze des
jetzigen Stadthauses, steht, sondern auf
stolzragender Höhe, gleichsam als Führerin
an der Spitze der Hänsermassen, so stellt
auch diese Wahl dem Geschmacke der Er-
bauer ein glänzendes Zeugnis aus. Dem
schönen Standort und dem stattlichen
Aeußern entspricht die Innenausstattung:
massivsteinerne Altäre, geschnitztes Chor-
gestühl aus Eichenholz und Oelgemälde
von bedeutenden Dimensionen. Unter den
Gönnern des Gotteshauses nimmt die
Familie Gilardoni einen Ehrenplatz ein.
In der kurzen Zeit vonr Großvater zum
Enkel hat sie sich vom schlichten ita-
lienischen Erdarbeiter zu reichen Fabrik-
besitzern empo.rgerungen und zählt einen
General und einen hohen Zivilbeamten
in ihren Reihen. Der Mnuifizenz einer
Dame aus diesem Geschlechte verdankt
die Kirche denn auch ihr neuestes Ge-
mälde : die F i s ch p r e d i g t des

hl. Antonius von Padua. Martin
Feuerstein wurde mit seiner Ausführung
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