Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 26.1908

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gäbe bezeichnet?) Die Auffassung der
Heilandstätigkeit Christi als heilendes
Wirken und ihr Fortleben in der Heils-
anstalt der Kirche ist ja nicht nur m e lt s ch -
l i ch angemessen, sie ist auch bib li s ch,
sowohl alttestamentlichD (vgl. Jsai. 53, 49;
Ezech. 4, 4; Psalm 37, 4 f.; Psalm 146, 3
it. a.), wie echt christlich: Christus legt
sich ja selbst den Titel eines Arztes bei
(Luk. 2, 17; Matth. 9, 12) und be-
tätigt sich als solcher in vielerlei Wunder-
Heilungen an leiblich und seelisch Kranken
(Luk. 7.21; Matth. 4, 23; 8, 16; Joh.
5, 14)3j; besonders mag das Gleichnis vom
Samaritan (Luk. 10, 30), der Oel und
Wein in die Wunden gießt und sie heilt,
voll Einfluß ans die Ausgestaltung der
Allegorie gewesen sein. (Forts, folgt.)

Die Rapelle (jetzige Pfarrkirche) zur
schönen Maria auf dem chohen-
rechberg.

Von Theodor Schön.
(Fortsetzung.)

Nach einem Bilde vom Jahre 1679 stan-
den damals von der Schloßbrücke bis
zur Kirche Stationskapellchen am Weg
den Berg hinauf, wo heutzutage noch ein
Mesner- und Wächterhäuschen steht und
neben dem Kirchhof Garten und Felder
angelegt sind/) Aus dem Jahre 1683
hat sich ein Baukostenzeltel der Pfarr-
kirche zu Hohenrechberg, welche natürlich
nach den schlimmen Kriegszeiten sehr der
Reparatur bedurfte, und ein Jnventarium
oder Beschreibung der auf unser lieben
Frauen uralter Wallfahrt zu Hvhenrech-
berg vorhandenen Mobilien, Geschmucke
und Ornaten erhalten, ein Zeichen, daß
für die Kapelle ruhigere ordentliche Zeiten
gekommen waren?) Infolge von Cnl-

*) Ein erster Versuch uiit Material aus der
Bibel, Patristik, aszctischeu Literatur des Mittel-
alters und der späteren Zeit, dein Missale u. a.
im Oberrheinischen Pastoralblatt 5 (1903', S.
318 f.

2) Vgl. Ebstein, Die Medizin im Alten Testa-
ment. Stuttgart 1800; Wunderbar, biblisch-lal-
mudische Arzneikunde. 1841.

3) Vgl. deren neueste Untersuchung vom posi-
tiven Siandpunkt aus in Dr. Knur, Christus
medicus, Freiburg 1904.

4) Oberamtsbesthreibung Gmünd, S. 411.

b) Grast. Rechberg. Archiv in Donzdorf, Kasten
XV, Fach XV. Rr. 40 und 41.

weihung des Liebfrauenbildes mußte die
alte Kirche zu Hohenrechberg 1687 abge-
brochen werden und eine neue erbaut
werden, zu welcher schon am 24. April
1686 der Grundstein gelegt wurde?)
Der Sohn des 1.686 gestorbenen Frei-
herrn Bernhard Beno, Graf Franz Al-
bert, baute in den Jahren 1686 bis 1688
an der Stelle, wo die 1488 verlassene
Kapelle stand, eine neues Kirche^) und
übergab sie als Filial der Pfarrkirche
Waldstetten?) Im Jahre 1691 wurde
sodann ein Jnventarium unser lieben Frau
von Nechberg ausgenommen?) Im Jahre
1697 nahmen dann die Augustiner in
Gmünd die Maria Jakobeische Meßstiftung
aus Hohenrechberg an intb fortan las ein
Gmünder Augustiner in der neuerbanten
Kapelle alle Sonntage die Messe?)

Für diesen wurde im Jahre 1699 das
frühere, im Jahre 1488 von Ulrich
v. Nechberg erbaute Kirchlein, nachdem
der Turm abgebrochen mar, zum Pfarr-
haus umgebaut?) Im Jahre 1699 stiftete
ferner Graf Franz Albert v. Nechberg
ein beständiges Benefizium an der neu
erbauten Kapelle, und in dieser Stiftungs-
Urkunde erscheint urkundlich zuerst der
schon im Jahre 1591 von Marlin Crusius
gebrauchte Name „zur schönen Maria"
statt „zu unserer Frau"?) Bon den
Jahren 1707, 1719—1779 sind noch
vorhanden Jnveutaria über Ornate, Pa-
ramente, Pretiosen und Sachen der wunder-
läligsten Mnttergoltes-Kapelle ans Ho-
j henrechberg?) Im Jahre 1719 mußte
die Muttergotles-Kapelle' um den Besitz
der ihr gehörigen Heiligenwiese streiten?)

Dem großen Wohltäter der Kapelle,
Graf Franz Albert (P 1715), folgte sein

') Ebendas. Nr. 47.

2) Oberamtsbeschreibnng Gmünd, S. 411.

“) St. I. Neher,. statist. Katalog des Bistums
Nottenburg, S. 140.

4) Grast. Nechberg. Archiv in Donzdorf, Kasten
XV, Lade XV, Nr. 49.

Ebendas. Lade 11!.

°) Oberamtsbeschreibnng Gmünd, S. 404.

7) Oberamtsbeschreibnng Gmünd, S. 411;
St. I. Neher, statist. Katalog des Bistums Not-
renbnrg, S. 140; Grast. Rechberg. Archiv in
Donzdorf, Lade 111.

8) Ebendas. Kasten XIV, Lade X, Nr. 65.

") Ebendas. Kasten XV, Fach XV, Nr. 67.
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