Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 26.1908

Seite: 109
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Pie christliche Kauft auf der Aus-
stellung in München t()08.

Von Professor Dr. L. Baur, Tübingen.

(Schluß.)

Nicht in gleicher Weise befriedigt mar
ich zunächst von dem Altar der Seiten-
kapelle (1), dessen Entwurf und plastische
Ausführung von H a u s M i l l e r herrührt,
während die Firma Eder u. Grohmanu
die Steiuausführuug besorgte. — Es ist
ein Doppeltes, was dabei auf den ersten
Anblick als weniger empfehlenswert er-
scheint: einesteils ist das Allärchen für
die geringen Dimensionen, die es hat,
doch etwas zll massig, zu schwer und
wuchtig. Nicht nur wird dieser Eindruck
hervorgerufen durch den massigen Slipes,
der in dreifacher Ueberkragnng (mit
Kannelierungen an den abgerundeten aus-
ladenden Wülsten der lleberkragungen) sich
einporringt, sondern besonders durch den
drückenden Abschluß nach oben, der die
Form eines schwer lastenden und doch recht
nichtssagenden, ideenarinen Sarkophags
hat. Endlich ist auch das Mittelstück unseres
Erachtens in einem Punkte nicht ganz be-
friedigend. Dieses besteht ans einem Stein
mit quadratischer Vorderseite, auf welcher
vier kleinere, mit grauen Marmorplatten
ausgefüllte Felder ausgespart sind, so daß
die sie trennenden Streifen des Grund-
steines ein Kreuz mit gleichen Armen
bilden. An dieses ist nun direkt ans den
Stein ein silberbronzierter Kruzifixus an-
gebracht. Diese Verbindung erscheint hart,
und es wird schwer, sie zu einer Einheit:
„Christus am Kreuze" zusammenzu-
fassen. Erst wenn man den Altar in

größerer Entfernung ansieht, verliert er
einigermaßen diese Härten, die dann durch
die malerischen Qualitäten und das Zu-
sammenstimmen mit der Hinlermand über-
wunden werden.

H. Miller schuf auch den wuchtigen
Altar in der Vorhalle. Der Künstler
zeigt darin die gleiche Tendenz zum
Massigen und Schweren wie im vorigen
Fall. Nur sind hier die Dimensionen
des gesamten Werkes bedeutend größere:
auf zwei Stufen erhebt sich der Altar-
stipes, ein gewaltiger grailbrauner Mar-
morblock mit dekorativem Schmuck geo-
metrischer Muster. Daneben erheben sich
zwei Säulen, die ein gewaltiges Oberstück
ans Marmor tragen.

Zwischen dieses Oberstück mtb die Altar-
mensa ist ein Mittelstück mit dem Taber-
nakel hineinkomponier!, das nur den einen
Mangel hat, daß die unteren Leuchter
gerade unier den oberen Architrav zu
stehen koinmen, was praktisch zu llnzu-
träglichkeiten führen muß.

Der Tabernakel ist ans Marmor und
wird durch eine Metalltüre (Handarbeit
mit Email und Steinschmuck) geschlossen.

Das Oberstück, ein mächtiger Marmor-
architrav, zeigt rechts knieende Engel (drei
zu jeder Seile) in Flachrelief; ferner die
Konsekrationsworte als Inschrift und ist
nach oben mit einem einfachen ornamen-
tierten Band geschlossen (Motiv: zwei in-
einander geschobene Quadrate), lieber
dem Querbalken steht dann ein fehr hüb-
sches Metallkrenz mit herabhängenden
Steine» und sehr breitem Fuß, das ebenso
wie die ans demselben Motiv heraus ent-
worfenen daneben stehenden Leuchter von
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