Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 26.1908

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immer noch: „einen Blitzableiter hat die
Kirche nicht."') Später wurde natürlich
dieser Uebelstand beseitigt. Im Jahre
1844 wurde der Friedhof erweitert,-)
im Jahre 1846 das Gotteshaus ausge-
bessert/) und im Jahre 1870 renoviert
und ausgemalt. Der Historienmaler Franz
Xaver Zimmer, ein Schullehrerssohn
ans Abtsgmünd. OA. Aalen, schmückte
es damals mit schönen Gemälden. Das-
selbe ist ein einschiffiges Kreuz mit kurzen
Querarmen und längerem, abgesetztem
Chor. Nördlich steht der Turm und süd-
lich ist die zweischiffige Sakristei ange-
baut. Der Querschnitt ist schlank. Die
Sternwände laufen in Volntengiebel aus.
Tie Wandflächen außen sind durch eine
dorische Pitasteroidnung gegliedert. Hohe
Nundbogeufenster schmücken das Kirch-
lein. Die Portale sind kräftig mit Säulen
und gebrochenen Bogengiebeln eingefaßt.
Am Chor befindet sich außen gegen Osten
eine Nische mit einer Mariensäule. Der
Turm besteht ganz aus Quadern mit
Sleinknppeln und ist im oberen Geschoß
an den Ecken abgeschrägt. Im Innern
befinden sich Tonnen- und Kreuzgewölbe
mit derben Stuckverzierungen, die sich auch
auf Altäre und Kanzel erstrecken, Lanb-
gewinde mit Figuren uoii Engeln n. a.
An der Kanzelbrüstung sitzen die vier
Evangelisten in frei sich lösenden Figuren.
Auf dem Hochaltar steht das geschnitzte,
alle Gnadenbild, die schöne Maria, am
ersten Nebenallar das steinerne Standbild
des hl. Bernhard. Schöne barocke Beicht-
nud Kirchenstühle schmücken die Kirche.
Die vier Glocken vom Zahle 1775 sind
noch vorhanden. Neben der Kirche steht
auch heute noch die ältere, im Jahre
1488 erbaute, 1699 in das Pfarrhaus
umgebaute Kapelle, allerdings des Turmes
verlustig. Beide gereichen der Gegend
zum Schmuck. Von ferne schon erblickt
der Wanderer Kirche und Pfarrhaus.
In Trümmern liegt die Stanuubnrg des
edlen Geschlechtes, aber das von diesem
gestiftete Kirchlein steht unversehrt auf
der Höhe des Nechbergs und ruft die
frommen Bewohner der Umgebung' wie

') Malerische Reise von der Oberamtsstadt
Aale» nach Heubach u. s. w., 2. 21.

■ -) Oberamtsbeschreibung Gmünd, 2. 405.

s) Schwabenland 2. 08.

I vor alters auch heute zur Wallfahrt zur
schönen Maria herbei.

Rirchenschatz (an Paramenten,
Silber ic.) der Benediktinerreichs-
abtei Llchingen,

a m V o r a b e n d d e r S ä k u l a r i s a t i o n
(um das Jahr 1791).

Von Amtsrichter et. D. 33 e ck.

Der rühmlich st bekannte P. Prior und
Chronist Benedikt Baader in Elchingen
(in Rottenburg a. N. 1751 geb., gest.
das. 1819) hat in seinen fünfbändigen Alls-
zeichnungen der „merkwürdigen Begeben-
heiten" des Neichsstifts Elchingen wäh-
rend seiner Zeit (1767—1805) auch ein
Inventar über den Kirchen- und
Silber sch atz seines Klosters im Jahre
1791, „welchen Aufwand wir dermalen
auf kirchliche Sachen gemacht haben und
ivie viel geistliche Paramente vorhanden
sind rc.", errichtet, welches wir aumil folgen
lassen:

Inventarium suppellectilis
sacrae.

Reich mit guten Borten besetzte Ornat siitd:

1. Der neue Robertische (von 3lbt Robert 1.
sKolbs)') Ornat, erst vor etivelchen Jahren ge-
kauft, tvelcher aus 4 Pluvialen, 4 Levitenröcken,
3 Meßgewändern, 3 Kelchtüchlein, 3 Pursen,

\ 3 Pallen, 2 Buchkissen, 1 Greiniale und 1 Insul
besteht.

2. Der Gregorianische Ornat, so Abt Gregor
hat machen laßen; ist bestellt wie obiger, hat
nur 2 Meßgewänder; auch hat er kein Buchkissen.

3. Der Cölestinische Ornat, so Abt Cölestin
angeschasst; ist beschaffet! irie Nr. 1, hat je nur

1 Meßgewand und Buchkissen?)

4. Das „Goldstück", soviel den, Chronisten
; bekannt, der Anselmi s ch e Ornat genannt, so

3lbt Anselm hat machen laßen;3) hat nur 1 Plu-
viale, 2 Levitenröcke, 1 Meßgewand, 1 Buchkissen
und 1 Insul.

5. Das sog. „Silberstuck" mit 2 Pluvialen,

2 Levitenröcken, I 'Meßgewand, 1 Gremiale nebst

1 Jnful.

6. Der sog. Frauen-Ornat, weil er voin
Opfer 13. V. M. gemacht worden, hat 1 Pluviale,
2 Levitenröcke, 1 Meßgewand, 1 Insul k.

7. Der grüne Ornat mit 4 Pluvialen, 2 Leviten-
röcken, 1 Meßgewand.

0 Geb. zu Deggingen im „Tale" 1736, P 1793,

2) Abt Cölestin Niederer, geb. 1670 zu Augs-
j bürg, f 1740, regierte 1706 — 1740.

a) Abt Anselm Bauser, geb. als Sohn des
Salmannsweiler Hoftneisters Ludwig Bauser in
Mm 1629, 1 im Kloster 1685, regierte von
' 1657 -1685.
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