Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 27.1909

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ewigen Bundes zwischen Basel und den ; wil" beit Bürgereid. Es legt sich somit
Eidgenossen" 1901 einem größeren Pud- j die Vermutung nahe, daß unser Meister
likum bekannt geworben. Burckhardt sagt > anfangs der 30er Jahre nach Basel zog.

von diesent Meister, daß er „Basel zu
einer der bedeutendsten deutschen Kunst-
stätten des 15. Jahrhunderts erhoben und
gleich seinem 100 Jahre jüngeren Lands-
inan Hans Holbein einem ganzen Zeit-
alter Baslerischer Kunst sein besonderes
Gepräge verliehen" habe.

Leider weiß das Archiv der alten Reichs-
stadt Rottweil von diesem berühmten
Meister und dessen Familie uns nichts
zu melden, was in-
dessen bei den un-
günstigen Schick-
salen des Rott-
weiler Archivs
nicht gerade ver-
wunderlich ist I.

Der Name unse-
res Meisters wird
zum erstenmal ur-
kundlich ermähnt
im roten Buch der
BaslerZunft„zum
Himmel", wonach
„Meister Konrat
von Rotwil" am
21. Juni 1434
zwei Pfund und
einen Schilling als
Betrag desZnnft-
kaufs erlegte. In
dieser Zunft saßen
einträchtig neben
den Malern merk-
würdigerweise
auch die Scherer
(Tuchscherer) und
Sattler der Stadt
Basel. Am 16. Januar 1435 leistet
„Conral Witz, der moler von Not-

‘) Nach neuesten Forschungen wird es wahr-
scheinlich, daß Konrad Witz in Konstanz,
nicht in Rottweil, geboren wurde. D. Burck-
hardt führt diesen Nachweis im Jahrb. der
Kgl. preuß. Kunstsammlungen 27 (1906) 179 ff.
Ferner zeigt B., daß der Vater des Konrad Witz
seit 1402 in Nantes, später in den Diensten des
Herzogs von Burgund in Paris und Brügge
stand. Etwa im Jahre 1398 ist Konrad Witz
geboren, brachte seine Jugendjahrs in Nantes
zu, wohnte bis etwa 1427 in Konstanz. Vgl.
auch die Ergänzungen R. Stiaßnys ebendas.
S. 283 ff. D. R.

K. Witz: M. Magdalena und Katharina.
(Straßburg.)

wo das beginnenbe Konzil Prälaten und
Fürsten aus der ganzen Christenheit ver-
sammelte und wo auch die Künstler reich-
liche Bestellungen erwarten durften.

Nach der Bürgeraufnahme erfahren wir
7 Jahre lang nichts mehr über Konrad
Witz; erst im Jahre 1442 erwähnt ein
Eintrag in das Fertigungsbuch des Basler
Gerichtsarchivs, datiert Samstag vor
St. Agnes, daß Witz mit der Nichte des
berühmtesten Bas-
ler Malers der
älteren Genera-
tion, des aus Tü-
bingen gebürtigen
Meisters Lavelin
(alias Reusch)ver-
ehlicht war. Aus
diesem verwandt-
schaftlichen Ver-
hältnis legt sich
der Schluß nahe,
daß Witz in der
Werkstätte Lave-
lins gearbeitet hat
bis zu seiner Auf-
nahmein dieZunft
und Verehlichung.
Im Jahre 1543
konnte Witz be-
reits ein stattli-
ches Haus „zum
Pflug" in der
Freienstraße um
350 Gulden kau-
fen. In deil fol-
genden Jahren
nahm Witz Auf-
enthaltin Genf, wo Bischof Francois de Mies
ihm einen umfangreichen Auftrag gab. Ge-
nannter Bischof verließ 1443 das Basler
Konzil mit den Anhängern des Gegenpapstes
Felix V. und mit ihm dürfte auch Meister
Witz seine Uebersiedlung bewerkstelligt
haben. In Genf sollte er in der Makka-
bäerkapelle der St. Petrus geweihten
Kathedrale ein umfangreiches Altarwerk
Herstellen, das die Inschrift trug: Hoc
opus pinxit magister Conradus
sapientis de basilea 1444. Die Geneliv-
form des latinisierten Namens ist im
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