Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 27.1909

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Mittelalter nicht selten zu finden, wie fabri-
Schund (Sohn des . . .). Im Jahre
1447 war Konrad Witz bereits tot; nach
dem Zinsbuch des Rates erwarb »frowe
Ursula, meisten Cunrats des molers
seligen von Rotwiler« Witwe zwei
Obliaationen der Stadt Basel und im
folgenden Jahr wird auch seine Frau als
verstorben bezeichnet. Sein Hans kaufte
Friedrich Winterlinger von Rottweil,
bischöflicher Notar in Basel; die älteste
Tochter des Meisters, Katharina, tritt
1454 als Novizin in das Maria-Magda-
lena-Kloster in Basel ein. Aus diesen
Familiennachrichten glaubt Professor Burck-
hardt das erste Jahrzehnt ves 15. Jahr-
hunderts als Geburtszeit des Konrad Witz
ansetzen zu dürfen.

Besser als die obigen dürftigen Notizen
über den Lebeusgang belehren uns die
noch erhaltenen Werke über des Künstlers
Eigenart. Diese finden sich allerdings
nicht an einein Punkt vereinigt, sondern
räumlich sehr auseinander gelegen. Mit
Genf, Basel und Slraßburg teilt sich
sogar noch Neapel in die Reste seines
künstlerischen Schaffens; sämtliche Werke
■ sind in der Festschrift Burckhardts in
guten Photogravüren wiedergegeben,
allerdings den Reiz der Farbe, den Ver-
fasser dieses an den Basler und Straß-
burger Tafeln bewundern konnte, müssen
wir entbehren; immerhin ist dem Beschauer
auch so die Möglichkeit geboten, die Art
des Künstlers zu verstehen.

Um mit dem oben erwähnten signierten
Tafel werk der Genfer Kathedrale
St. Pierre zu beginnen, so sind hier
noch zwei beiderseitig bemalte Tafeln —
1,32 m hoch, 1,55 m breit — in dem
Kellergeschoß der Universität anfbewahrt.
Die erste Tafel zeigt ans der ehemaligen
Innenseite die Anbetung der Könige,
auf der Außenseite den F i s ch z u g Petri.
Auf der Innenseite des zweiten Flügels wird
Kardinal Jean de Brogny in kniender
Stellung vom hl. Petrus der Ma-
donna empfohlen, die Außenseite dieses
Flügels stellt die Befreiung Petri ans
dem Gefängnis dar. Die übrigen Teile
des Altarwerkes wurden in den Zeilen
Calvins zerstört, auch die beiden noch
vorhandenen Tafeln wurden teilweise be-
schädigt. Trotzdem wirken sie nach Burck-

hardt in ihrer vollendeten Modellierung
und leuchtenden Färbung heute noch wahr-
haft verblüffend.

Die Darstellung der heiligen drei Könige
zeigt uns eine in feierlichem Schritt nahende
Prozession orientalischer Fürsten mit ihren
Geschenken. Der Meister hat sichtlich eine
Freude, möglichst reiche und farbenprächtige
Erscheinungen im Schmuck von Samt und
Perlenkleinodien vor unser Auge treten zu
lassen. Maria mit dem Kinde sitzt in
einer perspektivisch gut gezeichneten Vor-
halle, die angebaut ist an eine Kapelle
oder ehemalige Synagoge. (In vollem
Sonnenlicht glänzt die Langseite des Ge-
bäudes, auf welche die hölzernen Pfosten
des Vorbaus wie di-e Personen kräftige
Schlagschatten werfen. In diesem Bilde
vereinigen sich „Monumentalität der Dar-
stellung, festliche Pracht der unter Hellen!
Sonnenlicht in den verschiedensten Tönen
schillernden Farben, starke plastische Wir-
kung alles Körperlichen, kühnes Raum-
gefühl und meisterhafte Kenntnis der
Perspektive". (Burckhardt).

In dem auf der Rückseite des eben
besprochenen Bildes angebrachten Ge-
mälde Petri Fischzng betritt W>tz
völlig neue Pfade. Das Bild zeigt den
Heiland am Ufer stehend, die Jünger
haben das Netz ausgeworfen und bereits
wieder voll Fische emporgezogen. Petrus
schaut mit verwunderte» Augen zum Ufer
und nach wenigen Augenblicken hat er sich
schon in die Wellen gestürzt, den Heiland
zu begrüßen. Um diese Handlung packend
darzustellen, erscheint Petrus doppelt aus
dem Bilde, im Schifflein stehend und im
Wasser schwimmend. Diese sogenannte
„Juxtaposilion" kommt bei den Alten nicht
selten vor. Weit mehr als durch diese
biblische Darstellung wird das Auge ge-
fesselt durch die landschaftliche Darstellung.
Eine weile, sonnenbeschienene, teils ruhige,
teils leicht gekräuselte Wasserfläche breitet
sich vor dem Beschauer ans, worin sich
Gestade und Schifflein spiegeln. Jenseits
des Sees erheben sich Hügel mit Baum-
pflanzungen, Landhäusern und Dörfern,
rechts im Vordergrund zeigen sich Türme
und Häuser einer größeren Stadt, den
Horizont schließen höhere und zuletzt schnee-
bedeckte Berge ab. Diese Landschaft nun
ist kein Phantasiespiel, sondern die getreue
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