Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 27.1909

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macht leer und Demut schwär." Unten
rechts: Moses vor dem brennenden Busch:
„Löse deine Schuh ans von deinen Fußen."
Der ganze Stich aber hat folgende Unter-
schrift:

„Hier ist der Arzt, zu disem geh, (Matlh.9)
Wan willst ein gutes recipe,

D krankhe Seel! geschwind gehe hin,
Bitt um heilsamine Äledizin."

Der Kupferstich ist unterzeichnet mit
dem Namen des Zeichners: J.W. Baum-
gartner del. und mit dem des Stechers:
8.1. Sondermayr Cath. Sc. Aug. Vind.
Wir haben also ein Werk der berühmten
Augsburger Knpferstecherschule vor uns.

Zn dem vorstehend beschriebenen Stich
gehört nun wie als Erklärung das folgende
Reimgebet:

Wer nicht weiß was die Liebe kan,
Was sie Hab für ein Stärk,

Geh in die Schul zum Pelikan,

Auf seine Liebe merk.

Sih! dieser Vogel seine Vruth,

Weil er sie liebet sehr.

Ernährt mit seinem eignen Blut,

Knut er wohl lieben mehr?

Er selbst sich eine Wund versetzt,
Damit das Blut herfließt,

Da feine Junge er ergötzt.

Wird ihm der Schmerz versüßt.

Ein solch verliebter Pelikan
Erzeiget sich auch Gott,

Aus Lieb zum Menschen nimmt er an
So gar die Gestalt von Brod.

Damit er seine Lieb erweiß
In allerhöchstem Grad.

Setzt er sich selbst uns ans zur Speist,
O Mensch! Bedenk die Gnad!

Der Tisch des Herrn ist vor dich.

So lang du lebst, bereit,

Gott selbst dich ladet ein zu sich.

Ganz liebreich uns zuschrept:

„Kommt alle, die ihr hungrig seist!

O Menschen, kommet all,

Der Gnadentisch ist zubereit
Ein Frey- und Frendenmahl.

Mein Fleisch zur Speist ich euch anssetz,
Und wann ihr durstig seist,

'Mit meinem Blilt ich euch ergötz,
Kommt, alles ist bereit.

Vor allen aber komm zu mir
O krank-presthaffte Seel!

Ich will die Gsundheit geben dir
Mit meinem Gnaden-Oel.

Ich bin der Liebs Samaritan,

Welcher die Krancke herstt.

Der dir zum besten heissen kan.

Der allen Trost austheilt.

Ich bin der wahre Pelikan,

Der fließen laßt sein Blut,

Sih! nur mein Seitenwnnden an,

Sie ist für alles gut.

Ja ja! mein Seel! nicht lang verweil,
Sei nur beherzt und keck.

Es stehet offen zu dein Herstj
Die Gnaden A p o t h e k.

Der göttlich Arzt erwarthet dich.

Ach eple doch zu ihn.

Er ruft dir zu beständiglich:

O Mensch! holl Medizin!

Bist krank? Ich will dich machen gsnnd,
Bist schwach? Ich stärcke dich.

Bist traurig? Es wird diese Stund
Dein Herz erfreuen sich.

Im Zweiffel gib ich besten Rath,

In Gfahr die Sicherheit,

Mit einem Wort: all Glück, und Gnad
All Segen, Trost, und Freud."

Das ruerkwürdige Buch, das dieses
Bild der „Gnadenapotheke" enthält,
zeigt auch noch die Kupferstiche eines
„schön florierenden Seelengartens", eine
„geistliche Schäferei" und eine „geistliche
Herzensjagd". Ich glaube, daß es mög-
lich sein dürfte, in einem Gebetbuch etwa
mit dem Titel: geistliche Apotheke, christ-
liche Hausapotheke oder in allen Gebet-
büchern über die Kommunion noch manches
derartige Bild anfzutreiben. Es müßte
doch sonderbar zugehen, wenn man in
alten Knpferstichsammlnngen nicht noch
rveiteres Material ausfinden könnte. Viel-
leicht finden sich in alten Apotheken,
namentlich in den Engelnpotheken, eben-
falls noch ähnliche Bilder. Glückauf!
Wer sucht, der findet!

Literatur.

.D i e b e l g i s ch e n Je sui te n kir ch en. Ein
Beitrag zur Geschichte beS Kampfes zwischen
Gotik und Renaissance. Von Joseph B r a n n
8. J. VIII, 208. Mit 78 Abbildungen.
sErgänznngsheft zu den „.Stimmen (ws
Maria-Laach" — 95.s FreiburMHerder)
1907.

Auf ein interessantes, bisher großenteils un-
bekanntes, Gebiet der Banknnde führt uns der
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