Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 27.1909

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. 2.

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Der hl. Franziskus itauerins.

Ein neues Gemälde Martin
F e u e r st e i u s.

Besprochen von Prof. Or. I. Rohr-Straßburg.

Im vorigen Jahrgang des „Archivs
für christliche Kunst" habe ich die „Fisch-
predigt des hl. Antonius" von Martin
Feuerstein besprochen unb bei dem Be-
richt über den Standort derselben Näheres
über die Kirche in Allkirch in Oberelsaß
angegeben. Damals harrte noch eine
freie Chorseite des malerischen Schmuckes,
und zwar gerade die der Fischpredigt
gegenüber gelegene. Es war vorauszu-
sehen, daß der ästhetische Sinn der Be-
schauer diese Disharmonie nicht allzulange
ertragen und über .kurz oder lang die
klaffende Lücke ergänzen würdet Der
Eindruck, den das genannte Gemälde
machte, hat ihm in die Hände gearbeitet.
Dieselbe Stiflerin, der die Kirche die Neu-
erwerbung des vorigen JahreS verdankt,
hat bald nach deren Erstellung dem
Künstler den Auftrag erteilt, ein Pendant
zu derselben zu schaffen, und ließ ihm in
der Wahl des Sujets ziemlich freie Hand.
Feuerstein entschied sich für eine Szene
ans dein Leben des Apostels von Indien,
stellte den hl. Franz Xaver, die
Indier taufend, dar und förderte
die Vollendung des Werkes so rasch, daß
es schon diesen Herbst, also etwas über
ein Jahr nach der Fischpredigt, seinen
Standort beziehen konnte. Durch seine
Beziehungen zu seinem Gegenüber war
für Anlage und Haltung eine sehr weit-
gehende Direktive gegeben, die möglicher-
weise zur Fessel werden konnte, es aber

tatsächlich nicht geworden ist. Die Größe
und die Umrahmung sein schlichtes blau-
grünes und ein ebenso einfaches, aber
etwas breiteres braunes Band) sind die-
selben geblieben. Die Zahl der Personen
und die Art der Ginppierung war unge-
fähr gegeben. Auch die Schwierigkeit,
die in dem einfacheil Ordenskleid der
Hauptperson lag, kehrte wieder. Man
sieht and) sofort am Original wie an der
Reproduktion, daß eine möglichst große
Harmonie mit der Fischpredigt intendiert
und ^erreicht wurde. Aber die Harmonie
wurde nicht zur Monotonie. Schon der
Unterschied der Zeit und des Ortes —
dort die Gesellschaft der Renaissance irr
ihrer ersten Periode, hier ein indisches
Straßenbild aus dem Beginn der Neu-
zeit — sorgte dafür. Ebenso gab das
Thema an sich mehr Motive für die
Haltung und Handlung der Personen.
Das Gemälde gliedert sich folgendernraßen.
Die Oertlichkeit ist der durch einen Tor-
bogen nach außen abgeschlossene Hof
eines indischen Tempels mit einem über
die Front des letzteren vortretenden,
überbauten und durch ein Portal mit
maurischem Bogen sichtbaren Brunnen,
zu dem zwei Stufen hinaufführen. Daran
schließt sich links ein etwas znrück-
tretendes Gebäude mit einer von einem
Bronzelöwen flankierten Treppe ilnd zwei
Fenstern mit Säulen. Das eine ist ver-
gittert und durchs andere sieht man das
Götzenbild. Durch deil Torbogen herein
schimmert ein steilansteigender, hellge-
haltener Gebändekomplex mit Kuppel,
Türmen und Bastionen. In diesem
äußeren Nahmen spielt sich der Taufakt
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