Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 27.1909

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ab. Der Heilige steht auf der obersten
Stufe der Brnuneuhalle und vollzieht die
heilige Handlung. Vor ihm beugt sich
der Täufling. Hinter ihm zur Linken
steht eine Gruppe von drei Personen,
von denen zwei gleichfalls der Taufgnade
harren, eine Frau in reichem Gewand
und Schmuck und ein schlicht gekleideter
Jüngling, der sich eben des Obergewandes
entledigt. Zwischen diesem und dem
Brunnenhof drangt sich ein Mann herein,
der die eine Hand flehend auf die Brust
legt, mit der andern nach dem Hintergrund
weist, also den
Uebergang zu
demselben ver-
mittelt. Seine
Geste gilt wohl
nicht den Per-
sonen unmittel-
bar hinter ihm,
einer Jungfrau,
die mit gefalte-
ten Händen und
in andächtiger
Haltung die hei-
lige Handlung
anr Brunnen be-
gleitet, und einer
gleichfalls die
Hände faltenden
älteren Frau,
sondern einer
der beiden Figu-
renhinter diesen:
einem Alaune,
der einen Kran-
ken auf dem
Rücken herbei-
schleppt, und einer Frau, die ein fast nacktes
Kind mit müde gesenktem Köpfchen hoch
emporhält. Offenbar hoffen sie in beiden
Fällen Genesung für ihre Pfleglinge,
und der Mann mit der bittend auf
die Brust gelegten Linken und der nach
rückwärts weisenden Rechten will den
Heilige:: auf sie aufmerksam machen. So
steht also das menschliche Elend im Hinter-
grund zur Linken — und sein Pendant
hat es im Vordergrund zur Rechten.
Dort kniet eine Frau in reichem Gewand
mit flehentlich ausgebreiteten Händen,
und zu ihren Füßen liegen zwei Krücken.
Links von ihr stehen zwei Zuschauer, der

F e u e r st e i
Der hl. Franziskus 2 ave

vordere in voller, breiter Figur, ab-
lehnend oder mißbilligend etwas nach links
zurückgebeugt, die Hände energisch auf
den Rücken gelegt; neben ihm, nach dem
Torbogen zu, steht gleichfalls ein Mann
in voller, aber nicht so breiter Figur, in
ein langes gelbes Seidengewand mit
dunklen Streifen gehüllt, die Hand nach-
denklich ans Kinn gelegt. So übernimmt
er die geistige Vermittlung vom Ziveifel
in seinem Nachbar rechts zum vollen
Glauben und zur tiefen Andacht bei der
Gruppe zwischen ihm und den Kranken-
trägern, nämlich
einem am Boden
kauernden alten
Mann und einer
Frau. In dem
freien Raum
nach rechts zwi-
schen der kranken
Frau mit den
Krücken und zwi-
schen dem Heili-
gen befinden sich
drei Frauen, die
lediglich zum
Wasserholen ge-
konnnen sind; die
eine schreitet die
Stufen hinan
und läßt die zwei
großen Krüge au'
dem über ihren
Nacken gehenden
Stricke herab.
Eine andere hin-
ter ihr hält einen
Krug vor der
im Grund der
einen gefüllten

M (i v t i u.

ns, die Indier taufend.

Brust. Eine dritte steht
Brunnennische und hebt
Krug mit ihren beiden Armen auf ihre rechte
Schulter. Im äußersten Hintergrund links
erhebt ein mächtiger Elefant seinen mas-
sigen Kopf, und sein Reiter blickt durch
den Torbogen herein.

So haben Zufall, Zweifel, Nachdenken,
Hilfsbedürftigkeit, Heilsbegier diese vielen
(gegen zwanzig) Gestalten zusammenge-
bracht. Aber nicht nur dem Standort
nach, sondern auch nach der aus ihrer
Haltung zu erschließenden inneren Ver-
fassung ist die Hauptperson, nämlich der
hl. Franz Xaver, der Prediger, der
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