Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 27.1909

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Apostel, der Wundertäter, der Gegenstand
ihres Interesses. Selbst die Wasser-
trägerinnen, die zunächst nur die Bedürf-
nisse des Alltagslebens hiehergeftihrt,
vermögen sich seinem Eindruck nicht ganz
zu entziehen. Sie sehen, wenn auch nur
vorübergehend, gedankenvoll dem Taufakt
z», und die Vermutung legt sich ohne
Schwierigkeit nahe, daß der Brunnen
vielleicht auch ihnen noch Wasser spendet,
das fortströmt zum ewigen Leben.

Wie in der Herstellung des inneren
Kontakts zwischen den Beteiligten, so be-
währt sich in ihrer äußeren Gruppierung
die Meisterschaft Feuersteins. Die Haupt-
person mußte der hl. Franz Xaver werden.
Darum stellt ihn der Künstler aufrecht
auf die oberste Stufe, und zwar ist er
die einzige Figur aus derselben in dieser
Haltung. Der Täufling unmittelbar vor
ihm ist tiefgebeugt, die eine Wasser-
trägerin steht noch ans dem Hof und hat
erst einen Fuß auf die untere Treppen-
stufe erhoben; außerdem neigt sie sich,
um die Wasserkrüge zur Erde zu senken:
die zweite steht hinter ihr, die dritte be-
findet sich im Hintergrund der Halle.
Ihre Figur ist gekürzt durch das Empor-
heben des Wasserkruges, und der Dunst
der Quelle hat ihr einen leise verhüllenden
Schleier gewoben. Alle andern hat der
liefere Standort, die Andacht oder das
Elend oder die Eile des Herbeikommens
gebeugt, so daß keine die Hauptperson
überragt und dadurch von ihr ablenkt.

Demselben Zwecke dienen Licht und
Farbe. Die Hauptfigur, in das dunkle
Ordensgewand gekleidet, ist an sich in
Gefahr, durch die bunten Gewänder der
orientalischen Trachten der Zuschauer in
Schalten gestellt zu werden. Ans Gewalt-
mittel gegen diese Gefahr hat der Künstler
verzichtet. Er hebt ihn nicht etwa durch j
den Glanz liturgischer Gewänder oder '
eine ihn verklärende übernatürliche Glorien-
hülle hervor, sondern beläßt ihm seinen
schlichten Talar. Nur dem Haupt hat er
die herkömmliche Gloriole gegeben. Da-
gegen weiß er seine Umgebung so ins
Licht zu setzen, daß die dunkle Gestalt sich
umso schärfer abhebt. Dieses Licht er-
hellt die Lokalfarben der Brunnenhalle,
der Steiiistufen und des Kleides der
Wasserträgerin mit den zwei Krügen und

blitzt auf dem Wasser deS Brunnens auf;
die Schatten in der Tiefe der Brunnen-
nische und zwischen den einzelnen Figuren
umrahmen dasselbe und lassen es noch leuch-
tender erscheinen. Desto wuchtiger wirkt
dann die dunkle Hauptfigur in seiner Mitte.

Ebenso interessant ist es, das Zn-
sammenspiel oer Farben zu verfolgen.
Weiß setzt links an den leuchtenden Ge-
bäuden außerhalb des Torbogens (leider
sind sie ans den Reproduktionen in ihrer
Leuchtkraft nicht genügend zur Geltung
gekommen) kräftig ein, geht in wechselnder
Intensität über zur Kopfbinde des Kranken,
der hereingetragen ivird, und zu der
Turbanhülle der beiden aufrechtstehenden
Männer, ist dann die Lokalfarbe des fast
die ganze Figur einhüllenden Mantels
des größeren von ihnen und schließt ab
an der Kopf- und Schulterhülle der Frau
rechts von ihm, hier etwas geinildert durch
einen schwarzgemusterten gelben Streifen.

Blau dehnt sich der Himmel zur Linken
aus, soweit der Torbogen den Ausblick
verstaltet; dieselbe Farbe kleidet den
Lenker des Elefanten, den Mann, der
den Kranken trägt, das Mädchen mit den
gefalteten Händen, den sich zum Zwecke
der Taufe entblößenden Jüngling und tritt
in der Gruppe rechts vom Brunnen in heller
Nüance ans am Kleid der Wasselträgerin
im Fond der Nische, in dunklerer an dem
ihrer nächsten Genossiii und in einem Mil-
tellon auf den Wassern deS Brunnens.

Not breitet sich in einer an Braun grenzen-
den Tiefe am obern Teil des Götzentempels
ans, huscht über die Gesichter hin. wirv am
Gewand der Frau mit dem reichen Ohrge-
hänge in breiten Streifen ausgenommen, be-
herrscht in zwei Nuancen den Ton des Klei-
des und seines Unterfntters beim Täufling
und blaßt wieder ab am Gewand der vor-
dern Wasserträgerin. (Schluß folgt.)

Kirchliche Wachszieherkunst im
(5. Jahrhundert.

Aon Dr. G., Ailingen.

Es war inr Jahr 1231 nach Ottern,
als sich Antonius von Padua, wo er in
Predigt und Beichtstuhl rastlos tätig ge-
wesen war, in die Einsamkeit zurückgezogen
hatte, um, wie der eigenartige Ausdruck
j heißt, „wenn eine Staubschicht infolge
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