Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 27.1909

Seite: 36
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1 cm
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von 104 cm lind eine Breite
von 59 cm. Der Fuß ist
46 cm breit. Das ganze
Werk ist aus Silber getrie-
ben und vielfach vergoldet.

Die tragende Figur, welche
Jesse, den Staininbauui
Christi tragend, vorstellt, ist
der Stabilität der Monstranz
wegen vollständig aus mas-
sivem Silber. Das Gewicht
beträgt 73/» kg. Die un-
tersten zwei vollrund aus-
gearbeiteten Weintrauben
sind zwar hohl, doch iviegt
jede ungefähr 153 g. lieber
die bildlichen Daistellungeu
(Flachrelief) auf der Mon-
stranz sei folgendes gesagl:

Auf dem elliptischen Fuße be-
findet sich vorn in der Milte
das Heinrichauer Wappen
mit der Umschrift: Hoc opus
fieri fecit Melchior Ab-
bas HenrichoviensisAnno
1671. Zu beiden Seilen
des Wappens sind in Halb-
relief vortretende Weintrau-
ben mit Blättern dargestellt.

Die Hinterseite des Fußes
zeigt Johannes den Täufer
mit Jesus, welcher die
Fahne trägt. Die landschaft-
liche Szenerie ist angedeutet
durch Wasser (Jordan), Palmen, Steine.
Auch diese Darstellung ist durch je eine
Weintraube mit Laub gegen die übrige
Fläche abgegrenzt. Die eine der Schnial-
seiten des Fußes zeigt zwei kniende Eitgel,
welche die Bundeslade mit Deckel und
Kreuz Hallen. (Ganz dieselbe Darstellung
befindet sich auch auf dem Fuß des
oben ermähnten Ciboriums.) Die an-
dere Schmalseite enthält das eigenartigste
Motiv: Maria, sitzend, hält den Fuß
eines Beckens auf ihren Knien. Im
Becken steht Christus in langem Geivande.
Die rechte Schulter und den Arm ent-
blößt, hält Christus mit den Händen einen
Holzbalken (Kreuz). Vor Maria der
bärtig dargestellte und nur mit Lenden-
schnrz bekleidete Adam, die Arme auf die
Erde herabhängend, also schlafend. Adams
Fuße stoßen am Fuße des Beckens an.

Die Silbermonstranz und das berühmte Elfenbeinkruzifix
von Heinrichau in Schlesien. Phot, von Mielert-Sprottau.

Neben Adanl ein Baum (Paradies). Von
der Mitte des Beckens schießt ein Strahl
herab auf den schlafenden Adam. Die
Bedeutung dieser Gruppe ist: Der

schlafende Adam schaut Christus. Aus
dem reichbelaubten Weinstock, welchen
Jesse trägt, sieht man die Ahnen Christi
herauswachsen, alle durch darunter ein-
geschnittene Namen kenntlich gemacht.
Jede Figitr trägt auf der Brust eine Ein-
fassung für einen Edelstein. Die Mon-

stranz hat erst in neuerer Zeit mehr Be-
achtung gefunden, insbesondere auf der

Breslauer Ausstellung von Goldschmiede-
arbeiten (1905), auf welcher sie berechtigte
Aufmerksamkeit erregte.

2. Das neben der Monstranz abge-
bildete E l f e n b e i n k r u z i f i x ist wert-
voll wegen seiner wunderbar anatomischen
Vollendung. Der Heiland ist in dem
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